Liebesschwur auf Rückseite

70 Jahre alte Brosche zeigt herzzerreißende Botschaft aus Ghetto in Polen

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Mehr als 70 Jahre alt ist die Karte, die wohl in einem Ghetto in der Stadt Lodz verwendet wurde.

In der Nähe des ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau wurde eine eine 70 Jahre Brosche gefunden. Auf ihr steht eine herzzerreißende Botschaft zwischen zwei Liebenden.

Warschau - Eine im Ghetto von Lodz gefertigte Brosche, gefunden in der Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, ist jetzt einer Stiftung übergeben worden. Die Brosche trägt eine Inschrift, die vermuten lässt, dass es sich um ein Geschenk zum Hochzeitstag eines gewissen "Pawel" an seine Frau "Heli" handelt. Gefertigt aus rostfreiem Stahl ist sie einer Rationskarte für Brot nachempfunden.

Auf der Vorderseite ist unter der Inschrift "Brot-Karte" der Name Hinda Weiksel und die Adresse Hanseaten 42 im Ghetto der Stadt Lodz, von den Nazis in Litzmannstadt umbenannt, zu lesen. Auf der Rückseite steht auf Polnisch "Für die liebe Heli zu unserem sechsten Hochzeitstag. Pawel" sowie das Datum "15. August, 1937-1943".

Sogenannte Brotkarten dienten in den Ghettos der von der Wehrmacht besetzten Städte als Ausweis und zur Rationierung von Nahrungsmitteln. "Brot war sehr kostbar im Ghetto, entscheidend über Leben und Tod. Diese Brosche war deshalb ein höchst symbolisches Liebesgeschenk", erklärte Dagmar Kopiasz von der polnischen Stiftung für Gedenkstätten am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Auf der Rückseite der Karte ist ein Liebesschwur zu lesen.

Laut Kopiasz fand eine Familie, die in der Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau lebte, die Brosche nach dem Krieg in einem Müllhaufen. Ein Mitglied der Familie habe die Brosche kürzlich der Stiftung übergeben. Auch wenn es keine Belege für das Schicksal von Hinda Weiksel gibt, wird davon ausgegangen, dass sie zusammen mit zehntausenden weiteren Bewohnern des Ghettos von Lodz nach Auschwitz deportiert und dort getötet wurde.

"Herr, vergib uns": Papst setzt in Auschwitz stille Zeichen

Immer wieder hielt der Papst inne, um zu beten und seine Gedanken den Ermordeten zu widmen. Hier durchschreitet Franziskus das Haupttor des früheren Konzentrationslager Auschwitz. Foto: Pawel Supernak
Immer wieder hielt der Papst inne, um zu beten und seine Gedanken den Ermordeten zu widmen. Hier durchschreitet Franziskus das Haupttor des früheren Konzentrationslager Auschwitz. Foto: Pawel Supernak © Pawel Supernak
Papst Franziskus in Auschwitz: Schienen führen zum ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz. Foto: Armin Weigel
Papst Franziskus in Auschwitz: Schienen führen zum ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz. Foto: Armin Weigel © Armin Weigel
Der Heilige Vater betet an der Todesmauer im ehemaligen deutschen Vernichtungslager. Foto: Radek Pietruszka
Der Heilige Vater betet an der Todesmauer im ehemaligen deutschen Vernichtungslager. Foto: Radek Pietruszka © Radek Pietruszka
Franziskus ist der dritte Papst, der die Gedenkstätte im Süden Polens besuchte. Er traf Überlebende sowie Menschen, die im Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Tod retteten. Foto: Radek Pietruszka
Franziskus ist der dritte Papst, der die Gedenkstätte im Süden Polens besuchte. Er traf Überlebende sowie Menschen, die im Nationalsozialismus unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Tod retteten. Foto: Radek Pietruszka © Radek Pietruszka
Andächtig vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus. Foto: Darek Delmanowicz
Andächtig vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus. Foto: Darek Delmanowicz © Darek Delmanowicz
In einem Besucherbuch in Auschwitz schreibt Franziskus in seiner Muttersprache Spanisch einige Gedanken nieder: "Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk!", und "Herr, vergib uns so viel Grausamkeit". Foto: Auschwitz-Birkenau Museum
In einem Besucherbuch in Auschwitz schreibt Franziskus in seiner Muttersprache Spanisch einige Gedanken nieder: "Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk!", und "Herr, vergib uns so viel Grausamkeit". Foto: Auschwitz-Birkenau Museum © Auschwitz-Birkenau Museum
Frühere Häftlinge und Vertreter jüdischer Verbände lobten das demütige und stille Auftreten des Papstes in Auschwitz. Foto: Daniel Dal Zennaro
Frühere Häftlinge und Vertreter jüdischer Verbände lobten das demütige und stille Auftreten des Papstes in Auschwitz. Foto: Daniel Dal Zennaro © Daniel Dal Zennaro
Von diesem Papst-Besuch in dem ehemaligen deutschen Vernichtungslager auf polnischem Boden werden wenig Worte, aber entscheidende Gesten in Erinnerung bleiben. Foto: Filippo Monteforte
Von diesem Papst-Besuch in dem ehemaligen deutschen Vernichtungslager auf polnischem Boden werden wenig Worte, aber entscheidende Gesten in Erinnerung bleiben. Foto: Filippo Monteforte © Filippo Monteforte / Pool

In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ist bereits eine ähnliche Brosche ausgestellt, die einer Brotkarte des Ghettos von Lodz nachempfunden ist. Der Webseite des Museums zufolge stellte der Kunsthandwerker Chaim Klieger das Stück aus Silber für seine Schwester Sara her. Trotz der bemerkenswerten Ähnlichkeit sei bislang nicht klar, ob Klieger auch die Brosche von Hinda Weiksel herstellte, sagt Kopiasz.

AFP

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