Taliban-Angriff auf Ärzte - Verwirrung über deutsche Opfer

Kabul - Taliban-Kämpfer haben in Afghanistan mehrere Ärzte getötet. Die Angaben über die Opfer sind weiter unklar. Anfangs wurde von sechs deutschen Leichen berichtet, nun ist von einer deutschen Frau die Rede.

Bei dem Taliban-Angriff im Nordosten Afghanistans ist nach bisherigen Erkenntnissen der Tod von nur einer deutschen Frau bestätigt. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus zuverlässiger Quelle in Kabul. Die afghanische Polizei hatte von sechs getöteten Deutschen berichtet.

Von bis zu zehn Mitarbeiter einer ausländischen Hilfsorganisation war anfangs die Rede. Darunter seien auch sechs Deutsche und zwei Amerikaner, sagte der Polizeichef der Provinz Badachschan, Agha Nur Kentus, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Nach Angaben einer christlichen Hilfsorganisation soll es sich dagegen um nur ein deutsches Opfer handeln. Insgesamt seien bei dem Überfall zehn Menschen - neben dem Deutschen ein Brite, sechs Amerikaner und zwei Afghanen - umgebracht worden, sagte der Direktor der Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM), Dirk Frans, am Samstag in Kabul.

Die Opfer hätten für die Augenklinik Noor in Kabul gearbeitet, die von der christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM) betrieben werde, hieß es. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.

Kentus sagte, die Gruppe habe sich vor etwa zwei Wochen auf den Weg in die entlegene Bergregion gemacht; zu der Tat sei es am Donnerstag gekommen. Zunächst war Kentus davon ausgegangen, dass der Vorfall selber bereits zwei Wochen zurücklag. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für die Bluttat. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der dpa per Telefon, es habe sich um “christliche Missionare“ gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. “Wir haben Spionagedokumente bei ihnen gefunden.“

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

IAM teilte am Samstag auf der Homepage mit, vermutlich seien die Opfer einheimische und ausländische Angehörige eines mobilen Augenarzt-Teams. Nach ihrer medizinischen Arbeit in der Provinz Nuristan, die an Badachschan angrenzt, sei die Gruppe auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Man hoffe, dass “diese Tragödie“ nicht dazu führe, dass IAM nach 14 Jahren im Land die Arbeit einstellen müsse.

IAM gibt als zentrale Werte unter anderem “Abhängigkeit von Gott“ und “Liebe für alle“ an. Auf der Homepage schreibt die Organisation, alle ausländischen Mitarbeiter seien Freiwillige. Kentus sagte, ein Afghane aus der Gruppe, der den Überfall überlebte, habe sich zur Polizei in Badachschan durchgeschlagen. Kentus sagte unter Berufung auf den überlebenden Afghanen namens Sayedullah: “Die Angreifer, die alle lange Bärte hatten, durchsuchten die Ausländer erst und erschossen sie dann.“ Die Leichen seien neben den Geländewagen der Opfer gefunden worden. In der Region sind neben Aufständischen auch kriminelle Banden aktiv.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte der dpa in Berlin, die Bundesregierung prüfe derzeit Meldungen über den Tod von sechs Deutschen. Die Botschaft in Kabul habe dazu Kontakt mit den afghanischen Behörden aufgenommen. Einzelheiten könnten noch nicht mitgeteilt werden.

Die Sprecherin der US-Botschaft in Kabul, Caitlin Hayden, sagte: “Wir haben Grund zu der Annahme, dass mehrere amerikanische Staatsbürger unter den Verstorbenen sind.“ Sie könne aber noch nichts bestätigen. Die Botschaft arbeite mit den afghanischen Behörden daran, die Identität der Opfer herauszufinden. Die Provinz Nuristan grenzt im Osten an Pakistan an und gilt in weiten Teilen als unsicher. Nördlich von Nuristan liegt die verhältnismäßig ruhige Provinz Badachschan. Badachschan gehört zum Verantwortungsbereich der Bundeswehr in Nordafghanistan. Nuristan ist Teil des amerikanisch geführten Regionalkommandos Ost der Internationalen Schutztruppe ISAF.

dpa/ap

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