Aldi und Co. wollen Gift aus der Kleidung verbannen

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Aldi will auf giftige Chemie in Textilien und Schuhen verzichten. Foto: Oliver Berg

Lidl, Penny - und nun auch Aldi: Greenpeace hat Deutschlands Lebensmitteldiscounter wach gerüttelt. Bis 2020 sollen Textilien und Schuhe auch beim Branchenführer nicht mehr mit giftigen Chemikalien produziert werden.

Essen (dpa) - Giftige Chemie soll aus Schuhen und Kleidung in den Regalen der großen Discounter verschwinden. Nach Lidl und Penny folgt nun auch Aldi einer Greenpeace-Kampagne und will bis 2020 Textilien und Schuhe umweltfreundlicher produzieren lassen.

Es sei ein Krisenkatalog erarbeitet worden, in welchem anspruchsvolle und ökologische Standards definiert worden seien, teilte Deutschlands größter Lebensmitteldiscounter am Dienstag (31. März) mit. "Mit billigsten Textilien lockt Aldi Woche für Woche seine Kunden in die Läden", sagte eine Greenpeace-Sprecherin. "Jetzt hat Aldi erkannt, dass diese Ware ohne giftige Chemie produziert sein muss."

Bei der Untersuchung von Kinderkleidung und Kinderschuhen von Discountern hatte die Umweltorganisation 2014 gefährliche Chemikalien nachgewiesen. Das Tragen dieser Kleidungsstücke schädigt laut Greenpeace zwar nicht unmittelbar der Gesundheit, doch die Chemikalien gelangten über Produkte und Fabriken in die Umwelt. 80 Prozent der Aldi-Lieferanten würden daher bis Ende März 2016 zudem ihre Abwasserdaten offenlegen. Damit könne sich die Bevölkerung im Umfeld der Fabriken über die Chemikalien in ihren Gewässern informieren, heißt es in der Mitteilung der Organisation.

Neben den Lebensmitteldiscountern haben sich Greenpeace zufolge bereits 24 internationale Modeunternehmen verpflichtet, ihre Kleidung bis 2020 zu entgiften. Dazu zählen unter anderem Zara, H&M, Adidas oder Puma. "Weg vom Viel-und-Billig-Schick - diese Haltung erwarten wir nun auch von den weltweit größten Einzelhändlern Wal-Mart, Carrefour oder Tesco", sagte die Greenpeace-Sprecherin. Auch der Kaffee- und Gemischtwarenhändler Tchibo, der laut Greenpeace zu den zehn größten deutschen Modehändlern zählt, arbeitet mit der Umweltorganisation zusammen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr ein Rücknahme- und Recycling-Programm angekündigt.

Aldis Zeitplan sieht vor, dass bis Ende Juni 2016 alle Kleidungsartikel frei von gefährlichen Schadstoffen wie Alkylphenolethoxylaten (APEOs) sind. Aus ihnen entstehen im Abwasser Alkylphenole, die Wassertiere wie Fische und Schnecken in Flüssen und Seen schädigen, so Greenpeace. Bis Ende 2016 sollen bei Aldi außerdem sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien verschwinden. Sie können nach Darstellung von Greenpeace das Immunsystem und die Fortpflanzung schädigen.

Detox-Kampagne Greenpeace

Greenpeace zu gefährlichen Substanzen

Umweltprobenbank zu Perfluorierten Chemikalien

Umweltprobenbank zu Alkylphenolen

Bureau Veritas zu Schadstoffen in Konsumgütern (PDF)

Greenpeace hat 2011 die sogenannte Detox-Kampagne gestartet, um die Textilindustrie zu "entgiften". Sie richtet sich vor allem gegen elf Chemikalien, die nach Angaben der Organisation in Produktionsländern wie China, Bangladesch oder Indonesien umfangreich eingesetzt werden. Einige von ihnen im Überblick:

Alkylphenolethoxylate - APEO können beim Färben zum Waschen der Textilien genutzt werden. Sie sind giftig für Fische und anderes Meeresgetier. Alkylphenole können zudem Krebs erzeugen.

Phthalate - Sie dienen als Weichmacher für Kunststoff. In der Textilindustrie werden sie für Kunstleder, Gummi sowie in Farbstoffen genutzt. Sie gefährden die Fortpflanzung bei Säugetieren.

Perfluoroctansulfonate - PFOS machen Textilien wasser- und fettabweisend. Perfluorierte Chemikalien (PFC) reichern sich in der Nahrungskette an. Einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

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