Drama nach Gerichtsbeschluss

Ärzte völlig „baff“: Schwerkranker Alfie (2) atmet trotz abgeschalteter Maschinen allein

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Demonstranten haben sich vor dem Kinderkrankenhaus Alder Hey Children's Hospital, in dem sich der schwerkranke britische Junge Alfie Evans befindet, versammelt.

Im Drama um den schwerkranken britischen Jungen Alfie Evans gibt es ein kleines Wunder: Nachdem die lebenserhaltenden Maßnahmen auf Anordnung des Europäischen Menschenrechtsgerichtshof eingestellt wurden, atmet das Kind ohne fremde Hilfe.

Rom/Liverpool/Straßburg - Der schwerkranke Junge Alfie Evans atmet nach Angaben seines Vaters weiter - obwohl Ärzte ihn am Montag vom Beatmungsgerät getrennt haben. Er habe mehr als neun Stunden ohne fremde Hilfe geatmet, sagte sein Vater Tom Evans am Dienstagmorgen zu Reportern vor dem Alder Hey Hospital in Liverpool.

Am Dienstagvormittag posteten die Eltern ein Foto des kleinen Alfie auf Instagram und schrieben: „Alfie ist ein wahrer Kämpfer und war es schon immer“.

Die Ärzte seien „baff“ gewesen, als klar geworden sei, dass Alfie selbst atmen könne, sagte Evans der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Später sei die Zufuhr von Sauerstoff und Wasser wieder gestartet worden. Das knapp zweijährige Kind atme aber weiterhin selbst.

Wie es mit der Versorgung des britischen Jungen weitergeht, war zunächst unklar. Das Krankenhaus teilte am Dienstag mit, dass es aus Respekt vor der Privatsphäre von Alfie und seiner Familie keine weiteren Neuigkeiten zum Zustand des Jungen veröffentlichen werde.

Die lebenserhaltenden Maßnahmen für Alfie waren abgestellt worden, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Montag einen Antrag der Eltern auf Fortführung abgelehnt hatte. Zuvor hatte auch das oberste britische Gericht (Supreme Court) eine Beschwerde der Eltern zurückgewiesen.

Alfie leidet an einer neurologischen Krankheit, die noch nicht klar diagnostiziert ist. Seine Eltern wollen, dass ihr krankes Kind in der päpstlichen Kinderklinik Bambino Gesù in Rom behandelt wird. Sie erhalten dabei Unterstützung vom Vatikan und von den italienischen Behörden.

Papst Franziskus meldet sich zu Wort

Papst Franziskus sprach sich am Montagabend erneut dafür aus, dass die medizinische Behandlung des Jungen fortgesetzt werde. „Von den Gebeten und der großen Solidarität für den kleinen Alfie Evans bewegt, erneuere ich meine Bitte, dass auf das Leiden seiner Eltern gehört wird und ihre Bitte, neue Möglichkeiten der Behandlung zu versuchen, erfüllt wird“, schrieb er auf Twitter.

Vergangene Woche hatte er den Vater von Alfie bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz empfangen und sich für den Jungen eingesetzt. „Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um das Leben zu bewahren“, sagte der Argentinier.

Britische Richter halten lebenserhaltende Maßnahmen bei Alfie für sinnlos, weil das Gehirn des Kindes durch die Krankheit fast vollständig zerstört sein soll. Alfies Ärzte hatten eine Verlängerung seines Leidens als unmenschlich bezeichnet.

Tumulte vor Klinik

An dem Krankenhaus war es am Montagabend zu tumultartigen Szenen gekommen, als Unterstützer der Eltern versuchten, den Empfang zu stürmen. Sie wurden von der Polizei zurückgedrängt.

Die Regierung in Rom hat inzwischen angekündigt, Alfie die italienische Staatsbürgerschaft geben zu wollen. Der Innen- und Außenminister hatten ein Spezialverfahren eingeleitet, das aber noch vom Kabinett und dem Präsidenten abgesegnet werden müsse, berichtete die Zeitung „La Repubblica“ am Dienstag. Man hoffe, dass Alfie so „umgehend“ nach Italien gebracht werden könne, teilte das Außenministerium am Montag mit. Ob es wirklich dazu kommt, ist ungewiss.

dpa

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