In brisanten Gerichtsprozess verwickelt

Journalist in Amsterdam niedergeschossen - Polizei hat zwei Verdächtige

Inmitten von Amsterdam wurde der bekannte Kriminalreporter Peter R. de Vries niedergeschossen. Er ist derzeit Vertrauter eines Kronzeugen in einem Gerichtsprozess.

  • Kriminalreporter Peter R. de Vries (64) ist am Dienstagabend (6. Juli) gegen 19.30 Uhr auf offener Straße in Amsterdam (Niederlanden) niedergeschossen worden.
  • Mord-Anschlag in Amsterdam: Der prominente Journalist „kämpft noch immer um sein Leben“. (siehe Update vom 8. Juli, 7.55 Uhr)
  • Hintergründe der Tat sind zunächst noch unklar. Zwei Verdächtige wurden festgenommen. (siehe Update vom 7. Juli, 12.19 Uhr)

Update vom 8. Juli, 7.55 Uhr: Am zweiten Tag nach dem Mordanschlag in Amsterdam ist der Gesundheitszustand des niederländischen Journalisten Peter R. de Vries (64) nach wie vor äußerst kritisch. „Peter kämpft noch immer um sein Leben“, sagte der Chef des TV-Senders RTL, Peter van der Vorst. „Wir beten alle um ein Wunder.“ Der Reporter arbeitete für den Sender. De Vries war am Dienstagabend (6. Juli) mit schweren Kopfverletzungen in ein Amsterdamer Krankenhaus gebracht worden. Ein Mann hatte mehrere Schüsse auf ihn abgegeben.

Inzwischen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Zwei Männer waren nur wenige Stunden nach der Tat festgenommen worden. Am Freitag (9. Juli) werden beide dem Haftrichter vorgeführt. Noch ist aber nicht deutlich, wer hinter der Tat steckt. Die Hinweise verdichten sich, dass das organisierte Verbrechen verantwortlich ist. De Vries ist seit Beginn 2020 Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großen Strafprozess, der zur Zeit in Amsterdam läuft. Er war mehrfach bedroht worden, hatte Personenschutz jedoch strikt abgelehnt. Bereits 2019 war der Verteidiger des Kronzeugen erschossen worden, zuvor hatte man auch den unschuldigen Bruder des Kronzeugen getötet.

Menschen legen am Tatort in Amsterdam Blumen, Kerzen und Botschaften nieder.

Anschlag auf Reporter in Amsterdam schockiert die Menschen

Update vom 7. Juli, 16.00 Uhr: Nach dem Anschlag auf den Kriminalreporter Peter R. Vries herrscht Entsetzen. Passanten halten kurz an, schauen auf die Stelle mitten in Amsterdam. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unser schönes Amsterdam in den Würgegriff der Verbrecher gerät“, sagt eine Frau am Mittwoch (7. Juli). „Ich bin entsetzt.“ Sie steigt vom Fahrrad und legt einen Strauß Blumen auf die Straße. „Ich bewundere de Vries echt“, sagt ein Mann. Für viele Niederländer - Bürger, Politiker, bis hin zum Königspaar - ist der Reporter ein furchtloser Kämpfer gegen das Verbrechen. Das betont auch die Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema. Sie verurteilt den „feigen und brutalen Anschlag“.

Aus dem In- und Ausland kommen Reaktionen, geprägt von Schock, Wut und Mitgefühl. König Willem-Alexander äußert sich am Rande des Staatsbesuches in Berlin entsetzt über den, wie er sagt, Anschlag auf den Rechtsstaat. Premier Mark Rutte spricht von einem „Anschlag auf den freien Journalismus“. Alle 17 Millionen Niederländer fühlten nun mit der Familie, so Rutte im Parlament.

EU-Ratspräsident bezeichnet Tat als „Angriff auf Grundwerte“

EU-Ratspräsident Charles Michel bezeichnet die Attacke als „Angriff auf unsere Grundwerte“. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert eine „unverzügliche, lückenlose Aufklärung“. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnt: „Es ist zu befürchten, dass das milliardenschwere Drogen- und Waffengeschäft nicht nur in den Niederlanden gnadenlos zuschlägt, wenn es sich durch journalistische Recherchen gestört fühlt.“

„Gestern ist der schlimmste Alptraum Wirklichkeit geworden“, schreibt Royce de Vries, der Sohn des Reporters, am Mittwoch auf Twitter. Neuigkeiten über den Zustand seines Vaters meldet er nicht. „Vieles ist noch unsicher.“

Hinweise verdichten sich auf Zusammenhang mit organisiertem Verbrechen

Am Tag nach der Tat beim Leidseplein verdichten sich die Hinweise, dass dahinter das organisierte Verbrechen steckt. Zwei Männer, die bereits wenige Stunden nach der Tat festgenommen worden waren, sind dringend tatverdächtig: ein 35-jähriger Pole, wohnhaft im Ort Maurik im Südosten des Landes, sowie ein 21 Jahre alter Rotterdamer. Beide sollen am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Bei Hausdurchsuchungen sind Computer und Munition sichergestellt worden - mehr Einzelheiten nennt die Polizei nicht. Doch vieles weist darauf hin, dass der Anschlag in direktem Zusammenhang steht mit dem jüngsten Fall des Reporters (s. Erstmeldung). De Vries hatte selbst gesagt, dass er auf Taghis „Todesliste“ stehe. „Es ist eindeutig“, sagt die Gerichtsreporterin des „Telegraaf“, Saskia Belleman. „Man will Peter zum Schweigen bringen.“

„Berufsrisiko“ - De Vries hatte Personenschutz abgelehnt

De Vries hatte Personenschutz abgelehnt. „Das gehört zum Berufsrisiko“, sagte er erst kürzlich in einem Interview. Er wolle frei leben und sich nicht von Angst beherrschen lassen. Und er werde nicht locker lassen. Das bekräftigt nun auch Premier Rutte im Parlament. Der Kampf gegen das Verbrechen werde lange dauern - „aber die Niederlande werden ihn am Ende gewinnen“.

Bundesregierung verurteilt Anschlag auf Reporter

Update vom 7. Juli, 14.04 Uhr: Die Bundesregierung hat den Anschlag auf den bekannten niederländischen Kriminalreporter Pieter R. de Vries aufs Schärfste verurteilt.  „Sollte sich bestätigen, dass er aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit angegriffen wurde, wäre dies ein klarer Angriff auf die Pressefreiheit“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Mittwoch in Berlin. „Das ist inakzeptabel.“ Die Pressefreiheit sei ein hohes Gut, das es mit allen Mitteln zu verteidigen gelte.

Journalisten weltweit haben schockiert auf den Angriff auf den bekannten niederländische Kriminalreporter Peter de Vries reagiert. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen die internationale und die europäische Föderation der Journalisten am Dienstag von „einem neuen tragischen Schlag gegen die Pressefreiheit in Europa“. Die Auftraggeber und Täter „dieses schrecklichen Angriffs“ müssten so schnell wie möglich ermittelt und vor die Justiz gebracht werden.

Festnahmen nach Mordanschlag auf Journalisten De Vries

Update vom 7. Juli, 12.19 Uhr: Nach dem Anschlag auf den prominenten Kriminalreporter Peter R. de Vries (siehe Erstmeldung) gelten zwei Männer als dringend tatverdächtig. Es gehe um einen 35-jährigen Mann mit polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Ort Maurik im Südosten des Landes sowie einen 21-Jährigen aus Rotterdam. Das teilte nun die Amsterdamer Polizei mit.

Ein am Dienstagabend festgenommener Mann wurde freigelassen. Er habe nichts mit der Tat zu tun. 

Nach Anschlag auf Reporter: Niederländische entsetzt

Amsterdam - Der prominente niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries ist nach Angaben der Polizei mitten in Amsterdam bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Er sei mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus eingeliefert worden, bestätigte die Polizei am Dienstagabend (6. Juli). Über die Hintergründe der Tat wurde noch nichts mitgeteilt.

Peter R. de Vries 2019 in Amsterdam.

Amsterdam: Peter R. de Vries schwer verletzt

Gegen 19.30 Uhr hatte ein Unbekannter Medienberichten zufolge beim Leidseplein im Zentrum von Amsterdam auf den 64-jährigen de Vries geschossen, als der Journalist ein TV-Studio verlassen hatte. De Vries hatte kurz zuvor an einer Live-Sendung teilgenommen. Zeugen hatten das Opfer erkannt, auf den sozialen Medien wurden auch Videos vom Tatort verbreitet.

Peter R. Vries derzeit Vertrauter eines Kronzeugen

De Vries ist der führende Kriminalreporter der Niederlande und tritt regelmäßig auch als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen auf. Er ist bekannt für Recherchen und Storys um die Entführung von Freddy Heineken 1983, 2006 recherchierte er zu der verschwundenen Teenagerin Natalee Holloway. Zurzeit ist er die Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großen Prozess gegen das organisierte Verbrechen. Im Zusammenhang mit dem Prozess war bereits 2019 der Anwalt des Kronzeugen erschossen worden.

Laut Medienberichten zufolge wurde kurz nach der Tat ein Verdächtiger auf der A2 bei Breukelen festgenommen. Die Gemeinde ist etwa 30 Kilometer von Amsterdam entfernt. (dpa/jh)

Rubriklistenbild: © Koen Van Weel/dpa

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