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Bayern: Wetterwechsel am Wochenende verschärft Lage - Skifahrern droht „erhebliche“ Gefahr

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Die Lawinengefahr in den bayerischen Alpen steigt. Oben die aktuelle Warnkarte des DWD, unten des Lawinenwarndienst.
Die Lawinengefahr in den bayerischen Alpen steigt. Oben die aktuelle Warnkarte des DWD, unten des Lawinenwarndienst. © Jakob Gruber/APA/dpa/DWD/Lawinenwarndienst Bayern

Die Wetterlage in Bayern hat eine gefährliche Schneemischung zusammengebraut. Nun gab es ein erstes Lawinen-Opfer in den bayerischen Alpen. Die Lage bleibt kritisch.

Update vom 11. Dezember, 10.27 Uhr: Dem Saisonstart von Lifts und Seilbahnen in den bayerischen Alpen am Wochenende haben Wintersportler lange entgegengefiebert. Doch vor allem in einer Region im Freistaat ist - abseits der Pisten - für Bergsportler große Vorsicht geboten. Wegen des wärmer werdenden Wetters (siehe Ursprungsmeldung) droht dort Lawinengefahr.

Wetter in Bayern: Große Lawinengefahr im Allgäu - Warnung an Wintersporler

Besonders betroffen ist davon das Allgäu. Der Lawinenwarndienst stuft dort die Gefahr oberhalb der Waldgrenze als „groß“ ein (Warnstufe vier von fünf), in niedrigeren Lagen als „erheblich“ (Warnstufe drei). Auch wegen bis zu 70 Zentimeter Neuschnee in den vergangenen Tagen könnten sich dort große Lawinen von selbst lösen, teilte der Warndienst mit.

Hauptproblem im Allgäu sei aber der Triebschnee, der durch Schneeverwehungen entsteht. Bergsportler sollten solche Ablagerungen in steilem Gelände deshalb meiden. Diese seien gut erkennbar, wenn sie nicht von Neuschnee überlagert würden. Der Deutsche Wetterdienst rechnete in der Region mit weiteren Schneefällen - und bis zu 15 Zentimeter Neuschnee am Samstag. Auch in den höheren Lagen über 1600 Meter im restlichen bayerischen Alpenraum ist das Risiko von Abgängen dem Bericht zufolge „erheblich“ (Warnstufe drei).

Ursprungsmeldung vom 10. Dezember:

München - Das Wetter in Bayern erlebt schon wieder einen deutlichen Wechsel. Es wird wärmer, spätestens Montag erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis zu acht Grad. In tieferen Lagen bedeutet das: Schnee ade und hallo Regen, in den Alpen sollte das die Lawinengefahr nochmals verschärfen. Denn während sich in tieferen Lagen Schnee und Regen eher abwechselten und selten etwas liegenblieb, zumindest bis zum Donnerstag, schneite es am Alpenrand die vergangenen Tage unaufhörlich.

Achtung Wanderer und Tourengeher: Gefährliche Schneemischung in den Alpen

Allein in der Nacht auf Donnerstag fielen in den Alpen bis zu 60 cm Neuschnee. Dazu kam am Freitagabend stürmischer Wind auf, der den Schnee weiterträgt und in Staulagen ansammelt. Triebschnee heißt der dann. Und der ist nicht ungefährlich

Und bereits zuvor erlebten die bayerischen Berge sehr unterschiedliches Wetter und damit sehr unterschiedlichen Schnee. Ende November unter Hochdruckeinfluss schien die Sonne auf eine dünne Schneeschicht, nachts fror das ganze wieder unter klarem, kalten Himmel. Dann schneite es wieder und wieder darauf in unterschiedlichen Formen. Nun eben wieder Schnee, Schneeverwehungen, vor denen aktuell auch der DWD in ganz Südbayern deutlich warnt, auch auf den Straßen und am Wochenende höhere Temperaturen und damit nasserer Schnee bis hin zu Regen.

Wetter in Bayern: Lawinengefahr in den Alpen nimmt am Wochenende zu

Die ganze Mischung, der geringe Halt zwischen den Schneeschichten, der Triebschnee an einzelnen Punkten gefährlich hart und viel zu oft auf lockerer Unterlage, all das führt dazu, dass die Lawinengefahr in den bayerischen Alpen ungewöhnlich früh in diesem Jahr steigt. Hinzu kommt: Skitouren und Schneewanderungen auch in höhere Lagen sind seit Beginn der Corona-Pandemie bekanntlich Trend, umso größer die Gefahr von Unfällen. Aktuell herrscht in weiten Teilen der bayerischen Alpen die Warnstufe 3 von 5 möglichen Stufen. Das klingt nach nicht viel, doch DWD-Meteorologe Sebastian Altnau rechnet vor: „Stufe 3 wird im Schnitt für etwa 30 Prozent der Zeit in der Wintersaison prognostiziert, zeichnet sich aber für rund die Hälfte aller Todesopfer durch Lawinen verantwortlich.“

Einsatz am Freitagmorgen: Frau von Lawine in Chiemgauer Alpen mitgerissen und verschüttet

Und so hat bereits am Freitagvormittag eine Lawine eine Frau in den Chiemgauer Alpen verschüttet und schwer verletzt. Die 41-Jährige war am Gipfel des Hochgern in eine steile Rinne abgestürzt und mehrere hundert Meter den Hang hinabgerutscht, wie die Bergwacht Ruhpolding am Freitag mitteilte. So habe sie die Lawine ausgelöst. Ein Schneeschuhgeher sah das Unglück und setzte einen Notruf ab.

Die Frau konnte am Freitagvormittag mithilfe eines Hubschraubers gerettet und in ein Klinikum gebracht werden. Da nicht bekannt war, ob weitere Menschen verschüttet waren, wurde ein Lawineneinsatz mit Polizeihubschrauber und Lawinenhundeführer gestartet. Weitere Opfer konnten ausgeschlossen werden.

Der Wetterwechsel in Bayern könnte den Schnee nochmals schwerer machen - und so die Lawinengefahr am Wochenende nochmals verschärfen. Jeder, der eine Tour oder einen alpinen Winterausflug plant, sollte also nochmals genau hinschauen und steile Hanglagen generell vermeiden.

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