Folgenreicher Sturz

Seitdem gelähmt: Bergsteiger geht betrunken auf Toilette, fällt aus Hütte - und verklagt Wirt

Nachgerüstet: Inzwischen schützt ein Geländer an der Tutzinger Hütte vor einem Absturz (nicht im Bild)
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Nachgerüstet: Inzwischen schützt ein Geländer an der Tutzinger Hütte vor einem Absturz (nicht im Bild).

Der Streit um den folgenschweren Sturz eines Familienvaters aus der Tutzinger Hütte hat erneut ein Gericht beschäftigt. Das OLG München klärte in der Verhandlung die Hauptschuld. Es geht um viel Geld.

  • Nach einer kleinen Feierlichkeit auf einer Berghütte ist ein Besucher querschnittsgelähmt.
  • Um den Unfallhergang ist ein Streit entbrannt: Steht dem Opfer eine Entschädigung zu?
  • Vor Gericht wurde nun die Schuldfrage erörtert, nach einer Klage gegen DAV und Wirt.

Benediktbeuern – Der Vorfall ist gleichermaßen traurig wie spektakulär. Im Oktober 2016 unternahm ein Steuerberater (47) aus Grafing (Kreis Ebersberg) mit einem Freund eine Wanderung auf die Benediktenwand (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Danach quartierten sie sich auf der unterhalb gelegenen Tutzinger Hütte (1327 Meter) ein. Es gab die Nachricht zu begießen, dass der Freund Vater werden sollte. Doch der schöne Ausflug nahm gegen Mitternacht ein jähes Ende.

Der 47-Jährige stürzte von einer ungesicherten Plattform im ersten Stock und fiel rund drei Meter in die Tiefe. Bei dem Aufprall brach er sich zwei Brustwirbel und ist seitdem querschnittsgelähmt. Seinen Beruf als Steuerberater konnte er nicht mehr ausüben.

Benediktbeuern: Angetrunken aus der Berghütte gestürzt: So kurios erfolgte der Unfallhergang

Der Grafinger hatte in der Nacht auf die Toilette gemusst. Beim Gang über den Flur ließ er die Augen halb geschlossen, sein Mittel, um später besser wieder einschlafen zu können. Doch in dieser Nacht wäre er besser hellwach gewesen. Auf dem Rückweg verwechselte er seine Zimmertür mit der Fluchttür, obwohl diese speziell gekennzeichnet ist. Darüber hinaus war sie wegen eines speziellen Öffnungsmechanismus schwer zu entriegeln und unterschied sich dadurch deutlich von der Zimmertür. Doch der Familienvater hatte die Augen halb geschlossen. Nach einem Schritt ins Freie geriet er ins Straucheln und stürzte in die Tiefe.

Der 47-Jährige stürzte von einer ungesicherten Plattform im ersten Stock und fiel rund drei Meter in die Tiefe.

Die Verantwortlichen für das Unglück sah der Mann bei der Sektion Tutzing im Deutschen Alpenverein (DAV) und beim damaligen Hüttenwirt. Er verklagte beide auf 280.000 Euro Schmerzensgeld und den Ersatz materieller Schäden in geschätzter Höhe von 1,35 Millionen Euro. In erster Instanz vor dem Landgericht München II waren ihm im Juli 2019 zumindest 60 Prozent Schadenersatz zugesprochen worden. Sein Mitverschulden liege bei 40 Prozent, urteilten die Richter.

Tutzinger Hütte: Sturz im Rausch hauptsächlich eigene Schuld

Beide Seiten gingen in Berufung. Am Dienstag nun die Neuauflage in zweiter Instanz. Die OLG-Richter machten rasch klar, dass sie das Mitverschulden des Klägers weitaus höher einschätzten. Lediglich das fehlende Geländer, könne dem Wirt als Verletzung der Verkehrssicherungs-Pflicht angelastet werden, hieß es. In Zahlen ausgedrückt liegt das Mitverschulden des Gestürzten bei 80 bis 90 Prozent.

Das Gericht schlug eine Einigung per Vergleich vor. Bei einer Schuld von DAV und Wirt in Höhe von 15 Prozent stünden dem 47-Jährigen 202.000 Euro zu. Darüber soll nun beraten werden.

Ende 2019 schockte ein Bergdrama mit fünf Toten* den Raum Burgkirchen in Altötting. Der Hüttenwirt hatte die Männer zuvor gewarnt. *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Ein tödlicher Unfall ereignete sich auf einem Bahngleis in Aalen: Ein Mädchen kletterte auf einen abgestellten Waggon und starb.

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