Bischöfe gegen Gewalt - Papst geißelt Ungehorsam

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Papst Benedikt XVI. (Archivfoto)

Berlin/Jerusalem - Klare Botschaften zum Osterfest: Deutschlands Bischöfe wenden sich gegen Gewalt und Egoismus, der Papst geißelt den Ungehorsam österreichischer Pfarrer.

Papst Benedikt XVI. hat am Karfreitag des Todes Jesu mit einem stillen Gebet gedacht. Benedikt kniete zu Beginn der “Feier vom Leiden und Sterben Christi“ am Nachmittag mit zum Gebet gefalteten Händen auf einem roten Kissen nahe des Altars im Petersdom. Am Abend wird er den traditionellen Kreuzweg beim Kolosseum beten. Der Papst, der am 16. April 75 Jahre alt wird, dürfte wohl nicht das Kreuz tragen, wird aber am Ende der nächtlichen Prozession, in dem die Gläubigen symbolisch den Weg Jesu zum Kreuz nachgehen, eine Ansprache halten. Zehntausende Touristen und Römer werden dazu erwartet. Am Sonntag wird Benedikt auf dem Petersplatz die Ostermesse zelebrieren.

Die deutschen Bischöfe haben sich in ihren Karfreitagspredigten gegen Hass und Gewalt, Eigennutz und materielles Streben gewandt. Gleichzeitig forderten sie die Christen zu festem Glauben auf. Angesichts von Euro-Krise und Terrorgefahren, aber auch persönlicher Trauer und Not dürften sie nicht an Gott zweifeln, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche , Nikolaus Schneider , laut Manuskript im Willibrordi-Dom zu Wesel (Nordrhein-Westfalen). Mehrere Bischöfe gingen in ihren Predigten auf das Blutvergießen in Syrien ein.

Papst Benedikt XVI. setzte bereits bei der Gründonnerstags-Messe im Petersdom einen ersten deutlichen Akzent: Das Kirchenoberhaupt wandte sich gegen Ungehorsam in der Kirche und verteidigte seine Haltung, dass Frauen nicht Priester werden können. Benedikt kritisierte damit eine österreichische Pfarrer-Initiative für die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt, ohne diese beim Namen zu nennen. Sein Vorgänger Johannes Paul II. habe “in unwiderruflicher Weise erklärt, dass die Kirche dazu keine Vollmacht vom Herrn erhalten hat“.

In Jerusalems Altstadt empfanden hunderte Gläubige am Karfreitag bei ihrer traditionellen Prozession durch die Via Dolorosa den Leidensweg Jesu nach. Einige trugen große Holzkreuze ein Stück der Strecke. Tausende Menschen säumten den Weg. Jesus wurde nach christlichem Glauben am Karfreitag verurteilt und auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt. 14 Stationen auf dem Leidensweg markieren die Stellen, an denen er unter dem Gewicht des schweren Holzkreuzes zusammenbrach.

In Rom stand am Abend die traditionelle Kreuzweg-Andacht vor dem Kolosseum auf dem Programm, in deren Zentrum Papst Benedikt Meditationen zur Familie rückte. Der 84-Jährige bat das italienische Ehepaar Danilo und Anna Maria Zanzucchi von der Fokolar-Bewegung, in diesem Jahr die Betrachtungen zu den einzelnen Stationen auf dem Leidensweg Jesu zu verfassen. Die abendliche Zeremonie mit dem Papst an Roms Wahrzeichen gilt als besonders ergreifend. Tausende Gläubigen, Pilger und Touristen verfolgen sie.

Mit der traditionellen Fußwaschung hatte Benedikt am Vorabend die Osterfeierlichkeiten des Vatikans begonnen. Er reinigte bei einem Gottesdienst in der römischen Lateranbasilika zwölf Priestern die Füße, wie laut biblischer Überlieferung Jesus beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern. In seiner Predigt prangerte der Papst den Hochmut als “das eigentliche Wesen der Sünde“ an. Am Ostersonntag erteilt er auf dem Petersplatz den Segen “Urbi et orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis). Dazu werden wie jedes Jahr zehntausende Gläubige erwartet.

Prozessionen am Karfreitag in Jerusalem und weiteren Städten

Prozessionen am Karfreitag in Jerusalem und weiteren Städten

Der evangelische Berliner Landesbischof Markus Dröge kritisierte in seiner Karfreitagspredigt eine “Kultur des Todes“, die - auch im privaten Bereich - auf Angst, Schrecken, Hass und Gewalt setze. Eine solche Kultur habe nicht nur Jesus ans Kreuz gebracht. Sie zeige sich heute beim syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der mit Gewalt gegen Aufständische vorgehe, oder bei rechtsextremen Gruppen, die Menschen ermordeten.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx sagte, die Menschen müssten überall ihren Blick dorthin richten, wo andere “den brutalen Mächten des Todes ausgeliefert“ seien. “Wir schauen besonders ins Heilige Land und in den ganzen Nahen Osten“, erklärte der katholische Geistliche. “Wir blicken erschrocken und erschüttert nach Syrien, wo seit einem Jahr ein brutaler Bürgerkrieg die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.“

In einem umstrittenen Karfreitagsritual ließen sich auf den Philippinen mehr als 20 Menschen an Kreuze nageln. Vor zehntausenden Schaulustigen wollten sie nach eigenen Angaben an die Leiden Jesu erinnern und Sünden sühnen.

dpa/dapd

Kreuzigungen als grausiges Karfreitagsritual

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