Blinde Iranerin: Geld für Verzicht auf Vergeltung?

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Ameneh Bahrami

Teheran - Geld statt Vergeltung? Die vom Säure-Attentat eines verschmähten Verehrers entstellte Iranerin Ameneh Bahrami (32) treibt den Preis für einen Verzicht auf ihre Rache nach oben.

“Als mir eine Menschenrechtsorganisation 2000 Euro bot, sagte ich, dass ich vielleicht für 2 Millionen verzichte, denn ich wusste, dass niemand - weder UN noch eine Organisation, noch sonst jemand - dieses Geld für mich auftreiben wird“, sagte die 32-Jährige am Mittwoch nach Angaben ihres deutschen Verlags. “Sie reden alle nur.“ Wenn ihr tatsächlich jemand so viel Geld biete, dass sie auch blind “ein halbwegs schönes Leben“ führen könne und sich noch mehrmals operieren lassen könne, lenke sie vielleicht ein.

“Das Urteil ist ausgesetzt. Wenn die Menschenrechtsorganisationen wirklich das Geld auftreiben können, kann ich darüber nachdenken, nicht zu vollstrecken. Das würde für Majid lebenslange Haft bedeuten“, zitierte der mvg-Verlag in München die Frau. Bahrami sagte, Menschenrechtler hätten sie einst im Stich gelassen, als sie noch 40 Prozent Sehfähigkeit besessen habe. Sie sei in ein Obdachlosenheim gekommen und habe ihr Augenlicht verloren wegen einer bakteriellen Infektion und schlechter Hygiene dort.

Inzwischen lebt Bahrami in Spanien. Sie war nach Teheran für die Vollstreckung des Urteils am Samstag gereist. Die Justiz verschob dann kurzfristig die angesetzte Vergeltung, ohne genaue Gründe anzugeben. Am 24. Mai muss Bahrami nach eigenen Angaben zurück, um ihre spanische Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Bis Mittwochnachmittag gab es keinen neuen Termin für die Urteilsvollstreckung. Laut mvg-Verlag rechnet Bahrami auch nicht damit, dass es in naher Zukunft einen Termin geben wird.

Über das weltweite Echo auf ihr umstrittenes Rache-Recht sagte Bahrami: “Solange es nicht Tagesthema ist, achtet niemand auf Menschen wie mich, die Hilfe brauchen. Sobald etwas aktuell ist, wie die Vollstreckung meines Urteils, sind wir interessant.“ Nach islamischem Recht erlaubt das “Auge um Auge“-Prinzip Opfern, dem Täter gleiches Leid zuzufügen. Bahrami bekam 2008 in einem Gerichtsurteil das Recht zugesprochen, dem Täter mit einer Pipette Säure in die Augen zu träufeln.

Der Mann sollte betäubt werden. Er sitzt eine Gefängnisstrafe ab. Die Tat geschah vor etwa sechseinhalb Jahren. Der Fall und die Gerichtsentscheidung sorgten weltweit für Aufsehen. Auch iranische Stellen versuchten, das Opfer umzustimmen. Bahrami hat ein Buch (“Auge um Auge“) über ihr Leben geschrieben.

dpa

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