60.000 Frankfurter betroffen

Weltkriegsbombe in Frankfurt erfolgreich entschärft

Es ist die größte Evakuierung der Nachkriegszeit: Am Sonntag mussten mehr als 60.000 Menschen in Frankfurt ihre Häuser verlassen. Der Grund: eine 1,8-Tonnen-Bombe. 

Frankfurt - Nach der größten Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik kehrt Frankfurt zur Normalität zurück. Pendler können die Autobahn 66 seit dem frühen Montagmorgen im Berufsverkehr wieder ohne Einschränkungen nutzen.

Das waren die News vom 4. September 2017

Update 18:50 Uhr: Eine gefährliche Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist in Frankfurt erfolgreich entschärft worden. Das teilte ein Sprecher der Polizei mit. "Es ist geschafft", teilte die Polizei am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Zuvor hatten bei der größten Massenevakuierung der Nachkriegszeit 65.000 Menschen eine Sperrzone rund um den Fundort der Bombe verlassen müssen. Bei der Räumung des Gebiets kam es zu Verzögerungen, weil einzelne Menschen länger als erlaubt in dem Gebiet blieben. Eigentlich sollten alle betroffenen Bürger den Bereich bis um 08.00 Uhr am Sonntagmorgen verlassen haben. Die Polizei kontrollierte stundenlang, ob das Gebiet tatsächlich menschenleer war. Die Spezialisten des Kampfmittelräumdiensts konnten schließlich erst mehr als zwei Stunden später als geplant mit der Entschärfung der Bombe beginnen. Nach der erfolgreichen Entschärfung können die betroffenen Bürger im Laufe des Abends in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Sperrung des Gebiets wurde aber nicht sofort aufgehoben. Zunächst sollen alte und kranke Menschen in Kliniken und Altenheime zurückgebracht werden. Diese waren bereits am Samstag komplett geräumt worden.

Zuvor: Weil einige wenige Uneinsichtige das Sperrgebiet nicht verlassen wollen, verzögerte sich die Entschärfung der Weltkriegsbombe in Frankfurt. Polizei und Rettungskräfte sind sauer und prüfen rechtliche Konsequenzen.

Mindestens ein Anwohner sei in Gewahrsam genommen worden, weil er seine Wohnung nicht freiwillig verlassen hatte, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Sonntag. Die Feuerwehr habe die uneinsichtige Person mit einer Drehleiter über den Balkon rausholen müssen. Zwei kleinere Gruppen hätten sich geweigert, aus dem Sperrgebiet zu gehen.

Mit fast zweieinhalb Stunden Verspätung begann die Entschärfung einer gefährlichen Sprengbombe am Sonntagnachmittag. Zuvor war die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik beendet worden. Mehr als 60 000 Anwohner hatten die Sperrzone im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Fundort der Luftmine räumen müssen.

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Ursprünglich wollten die Experten schon gegen 12.00 Uhr damit beginnen, den Sprengkörper unschädlich zu machen. Die Entschärfung der Bombe soll mehrere Stunden dauern. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes geht von etwa vier Stunden aus, wenn alles planmäßig verlauft. Der Blindgänger war bei Bauarbeiten im Frankfurter Westend gefunden worden.

Bombe in Frankfurt trotz Hindernissen erfolgreich entschärft

Nach erfolgreicher Entschärfung wird die englische Luftmine vom Typ HC 4000 in Frankfurt am Main präsentiert. Die Entschärfung der Luftmine war komplizierter als angenommen, weil sich zunächst von zwei der drei Zünder die Sprengkapseln nicht entfernen ließen und gesondert ausgebaut werden mussten. Foto: Boris Roessler
Nach erfolgreicher Entschärfung wird die englische Luftmine vom Typ HC 4000 in Frankfurt am Main präsentiert. Die Entschärfung der Luftmine war komplizierter als angenommen, weil sich zunächst von zwei der drei Zünder die Sprengkapseln nicht entfernen ließen und gesondert ausgebaut werden mussten. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Nach erfolgter Entschärfung wird die Luftmine den Medien präsentiert. Daneben knien die Entschärfer vom Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen, Dieter Schwetzler (l) und Rene Bennert. Foto: Andreas Arnold
Nach erfolgter Entschärfung wird die Luftmine den Medien präsentiert. Daneben knien die Entschärfer vom Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen, Dieter Schwetzler (l) und Rene Bennert. Foto: Andreas Arnold © Andreas Arnold
Ein Polizist sichert den "roten Bereich" der Sperrzone in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler
Ein Polizist sichert den "roten Bereich" der Sperrzone in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Eine Anwohnerin verlässt die Evakuierungszone. Foto: Boris Roessler
Eine Anwohnerin verlässt die Evakuierungszone. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Ein Mann schläft in der Messehalle. Foto: Frank Rumpenhorst
Ein Mann schläft in der Messehalle. Foto: Frank Rumpenhorst © Frank Rumpenhorst
Die Polizei überprüft, ob wirklich alle Menschen das Gebiet verlassen haben. Foto: Boris Roessler
Die Polizei überprüft, ob wirklich alle Menschen das Gebiet verlassen haben. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Viel zu früh: Die siebenjährige Lina wartet mit ihrem Kuscheltier am vollgepackten Auto. Foto: Frank Rumpenhorst
Viel zu früh: Die siebenjährige Lina wartet mit ihrem Kuscheltier am vollgepackten Auto. Foto: Frank Rumpenhorst © Frank Rumpenhorst
Ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera kreist über der "roten Zone". Foto: Boris Roessler
Ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera kreist über der "roten Zone". Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Eingepackt zwischen den Habseligkeiten ihres Frauchens wartet "Asta" auf den Bus. Foto: Boris Roessler
Eingepackt zwischen den Habseligkeiten ihres Frauchens wartet "Asta" auf den Bus. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Ein Warnplakat hängt an der Bombenfundstelle. Foto: Andreas Arnold
Ein Warnplakat hängt an der Bombenfundstelle. Foto: Andreas Arnold © Andreas Arnold
Bombenentschärfer vom Regierungspräsidium Darmstadt warten auf ihren Einsatz. Foto: Frank Rumpenhorst
Bombenentschärfer vom Regierungspräsidium Darmstadt warten auf ihren Einsatz. Foto: Frank Rumpenhorst © Frank Rumpenhorst
Mit Bussen werden Menschen aus der Evakuierungszone gebracht. Foto: Boris Roessler
Mit Bussen werden Menschen aus der Evakuierungszone gebracht. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler

Feuerwehr-Chef verärgert: „Das ist für mich Vorsatz“

„Ich kann nur hoffen, dass dies rechtliche Folgen hat“, sagte der Chef der Frankfurter Feuerwehr, Reinhard Ries, sichtlich verärgert über die Verzögerung. „Wenn jemand am Fenster steht und winkt, ist das für mich Vorsatz.“ Er sprach von einer Mischung aus „Ignoranz und Dummheit“.

„Wegen weniger als einem Dutzend Leuten ist jetzt die ganze Maschinerie angehalten.“ Seit Beginn der Evakuierung hätten Polizei und Rettungskräfte einen super Job gemacht „und diese Herrschaften verhageln uns alles“.

Auch Polizeichef Bereswill ist sauer: „Das ist ärgerlich, weil eine ganze Stadt davon betroffen ist, und einige den Eigensinn über das Allgemeinwohl gestellt haben - meiner Meinung nach eine Ungeheuerlichkeit.“ Einige Anwohner hätten sich zunächst versteckt und dann doch Angst bekommen und die Polizei gerufen.

Länger als erwartet dauerte es am Sonntag auch, hilfsbedürftige Menschen aus der Zone zu bringen. Das sei „super ärgerlich und super aufwendig“ gewesen, sagte ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Polizei und Rettungskräfte hätten am Morgen ausreichend Zeit und Kapazitäten gehabt, Hilfsbedürftige zu transportieren, man habe aber nichts von ihnen gewusst. „Erst wenn keine Meldungen mehr ankommen, können wir den Raum freigeben.“

Bei einem der Krankentransporte gab es laut Polizei einen Zwischenfall. Eine Person sei beim Transport bewusstlos geworden und habe reanimiert werden müssen.

Der Frankfurter Hauptbahnhof liegt außerhalb der Sperrzone, der Bahnverkehr ist daher nicht von Einschränkungen betroffen. Die Bombenentschärfung könnte aber zumindest kurzzeitig Folgen für den Luftverkehr haben. Denn bei Ostwind überqueren normalerweise einige Flugzeuge im Anflug auf den größten deutschen Flughafen in Frankfurt das Gebiet über dem Fundort der Bombe.

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dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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