Breivik: Höchststrafe wäre "erbärmlich"

Oslo - Mit der Befragung über Kontakte zu anderen Nationalisten hat der Prozess gegen Massenmörder Breivik am Mittwoch begonnen. Doch der weicht den Fragen aus, ist genervt und unsicher. Lesen Sie, was im Gerichtssaal passiert.

Am Mittwochmorgen nimmt Anders Behring Breivik seine Papiere und geht zur Anklagebank. Die Staatsanwälte wollen sich auf die Zeit von 2001 bis 2006 konzentrieren, in der Breivik seinen Hass auf alles Multikulturelle und seine politische Ideologie entwickelte. Seine Aussagen gelten als wichtige Indizien zur Beurteilung seiner Zurechnungsfähigkeit.

Breivik habe vor allem über das Internet Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht, erklärte er. Der Massenmörder trägt Fußfesseln, wirkt erschöpft und resigniert. Auf die Frage der Staatsanwältin Inga Bejer Engh, ob es ein Ereignis gab, das ihn beeinflusst habe, antwortet er, der Kosovo-Krieg habe für ihn das Fass zum Überlaufen gebracht.

Breivik-Prozess: Hier ist der Mörder zu Tränen gerührt

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Breivik berichtet grinsend über einen Serben, den er auf einer Reise in Liberia kennengelernt habe. Doch den Namen will der Norweger nicht verraten, um den militanten Nationalisten "nicht in Schwierigkeiten" zu bringen.

Engh will mehr von dem internationalen Netzwerk "Tempelritter" erfahren, das Breivik immer wieder erwähnte. Doch Breivik mauert: “Ich möchte das nicht kommentieren. Sie können dieses Thema einfach überspringen." Breivik ignoriert Fragen der Staatsanwältin. Zu groß ist seine Angst, dass seine Aussagen als Hirngespinste abgetan werden und er in der Psychiatrie landet.  "Ich hoffe, Sie legen weniger Gewicht darauf, mich lächerlich zu machen, und mehr auf die Sache“, sagt er an Engh gerichtet. "Ihr glaubt nicht, dass es ein Netzwerk gibt." Engh bestätigt das.

Die Richterin greift ein. Entweder, Breivik antworte ab jetzt auf die Fragen der Staatsanwältin, oder sie soll alles aus den Verhören vorlesen. Breivik kontert: "Ich habe schon viel zu viel gesagt."

Die Staatsanwaltschaf greift eine Aussage aus dem Polizeiverhör auf. Breivik habe damals behauptet, nur wenige Menschen seien in der Lage, solch ein Attentat zu vollziehen. Breivik unterbricht: "Mit der Terrorschule, die ich durchgemacht habe, hätte es jeder tun können." Die Staatsanwältin hakt nach: "Jeder könnte es mental und körperlich durchführen?" Breivik berichtigt: "Wenn man mit seiner Psyche arbeitet, bestimmt, aber Frauen nicht. Man braucht Rückgrat, um so etwas zu tun. Aber man muss dafür nicht besonders begabt sein."

Um 14 Uhr wird die Verhandlung kurz unterbrochen, nachdem der Angeklagte zunehmend nervöser wurde. Breivik hat Probleme auf die Fragen der Staatsanwältin zu antworten, verstrickt sich in widersprüchliche Aussagen und wirkt gestresst. Eine halbe Stunde später geht es weiter.

Die Staatsanwältin will wissen, wer die "Tempelritter" überhaupt seien. Breivik findet plötzlich wieder Worte. Die Ritter seien ein "Gegenpol zu Al-Qaida, eine ähnliche Organisation aber für Christen." Sie würden Brutalität in Kauf nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. "Ich gehöre zu den Märtyrern, weil ich an ein Leben nach dem Tod glaube und ich nicht gedacht hätte, den 22.7. zu überleben."

Nach Breiviks eigener Einschätzung wäre die logische Konsequenz aus seiner Tat entweder die Todesstrafe oder ein Freispruch. “Ich will die Todesstrafe nicht, aber ich hätte das Urteil respektiert“, sagte Breivik vor dem Gericht in Oslo. “Nach meiner Ansicht ist eine 21-jährige Haftstrafe eine erbärmliche Strafe.“

Laut Breivik drohen Nrowegen noch mehr Anschläge. Er behauptet, es gebe noch zwei weitere Terrorzellen in Norwegen. “Ich bin eine von dreien. Das habe ich die ganze Zeit gesagt.“ Es handele sich um Ein-Mann-Zellen. Wie viele Zellen es in Europa gebe, wisse er nicht. In einem Verhör hatte er ihre Zahl auf 80 geschätzt.

Im Internet finden die Worte Breiviks unterdessen viele Befürworter. Der 33-Jährige, der sich für den Tod von 77 Menschen verantworten muss, wird in Oslo noch bis kommenden Montag befragt. Er ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt.

mm/dpa/dapd/

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