Britischer Premier: Bomben waren scharf

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James Cameron

Washington/London - Erst war von Sprengstoff-Attrappen die Rede. Doch die Terrorfracht, die kurz vor der Kongresswahl per Luftpost in die USA sollte, war echt und höchst gefährlich. Eine der Bomben, die an Synagogen in Chicago adressiert waren, wurde in Deutschland umgeladen.

Zwei eher zufällig vereitelte Bombenanschläge mit Luftpostpaketen auf Ziele in den USA haben die Terrorfahnder in Alarmstimmung versetzt. Vor allem wurden die Sicherheitskontrollen im Luft-Frachtverkehr verschärft. Nach US- Medienberichten vom Samstag wurden die Pakete aus dem Jemen nur durch einen Hinweis des saudi-arabischen Geheimdienstes entdeckt und nicht, weil die regulären Sicherheitschecks wirksam waren. Im Jemen wurde am Samstagabend eine Frau festgenommen, die von den US-Behörden als Aufgeberin der Pakete ermittelt worden war.

Eine der beiden Bomben, in denen sich der Sprengstoff PETN befand, wurde in Dubai entdeckt. Der zweite Sprengsatz wurde am Freitag auf dem East-Midlands-Flughafen nahe Nottingham gefunden. Wie der britische Premier David Cameron am Samstagabend sagte, sollte die Bombe noch im Flugzeug explodieren. Die manipulierte Drucker-Patrone war nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Flugzeug des Paketdienstes UPS aus dem Jemen nach Großbritannien gekommen, auf ihrem Weg dahin auf einem deutschen Flughafen umgeladen worden.

“Ein Paket, das im Jemen auf den Weg gebracht wurde, in Deutschland landete, dann in Großbritannien landete, bestimmt für Amerika; das zeigt, wie stark wir zusammenstehen und wie entschlossen wir sein müssen, um den Terrorismus zu besiegen“, sagte Cameron vor seinem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel. Der britische Sender Sky News berichtete, das Paket sei in Köln umgeladen worden.

In Deutschland sahen die Sicherheitsbehörden zunächst keinen Anlass zu schärferen Kontrollen. Das Sicherheitsniveau in Deutschland sei ohnehin sehr hoch, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Potsdam am Samstag der dpa. Deutsche Behörden stünden in engem Kontakt mit den Sicherheitsdiensten anderer Länder. In Frankfurt bestätigte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, dass keine Anweisung ergangen sei, Luftfracht und Luftpost schärfer zu überwachen.

Unterdessen gingen die Terrorismus-Ermittlungen weiter, sie konzentrieren sich vor allem auf die Frage, ob es sich um ein großangelegtes Komplott handelt. Vermutungen verstärkten sich, dass die Anschlagversuche auf das Konto eines zunehmend gefährlichen Al- Kaida-Zweiges im Jemen gehen.

Nach Medienberichten stellte sich bei Tests heraus, dass die in Dubai und England abgefangenen Paketbomben den Sprengstoff PETN enthielten. Den gleichen Sprengstoff wollte auch der sogenannte “Unterhosenbomber“ Omar Farouk Abdulmutallab bei seinem - gescheiterten - Versuch zünden, um an Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug über Detroit in die Luft zu jagen. Abdulmutallab hatte nach Angaben der US-Behörden Verbindungen zur Al-Kaida im Jemen.

Wie weiter bekannt wurde, waren beide Päckchen an Synagogen in Chicago gerichtet. Jüdische Einrichtungen in allen Teilen der USA verstärkten ihre Schutzmaßnahmen. Im Jemen wurde am Samstag die Suche nach möglichen weiteren verdächtigen Paketsendungen fortgesetzt.

Beide Päckchen enthielten zu Bomben umfunktionierte Druckerpatronen. Bei einem der Sprengsätze soll ein Anschluss für ein Mobiltelefon, das als Zünder gedacht gewesen sein könnte, gefunden worden sein. Die damit verbundene SIM-Karte habe die Ermittler auf die Spur der Verdächtigen in Sanaa geführt.

Am Freitag hatte vieles zunächst auf falschen Alarm hingedeutet. Es war von Bombenattrappen, später von einem Testlauf für einen echten Terroranschlag die Rede gewesen. US-Präsident Barack Obama sagte dann aber wenig später, die Pakete beinhalteten “anscheinend explosives Material“. Er sprach von einer “glaubhaften terroristischen Bedrohung“.

Der Jemen ist in den vergangenen Monaten zunehmend ins Visier internationaler Terrorfahnder geraten. Obama habe mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh telefoniert, der den USA seine volle Unterstützung zugesagt habe, hieß es.

dpa

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