Rechtsmediziner: "Brunner starb an einem Herztod"

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Sebastian und Markus

München - Dominik Brunner starb an einem Herztod. Das hat der Rechtsmediziner am Donnerstag bei seiner Aussage bestätigt.

Im Brunner-Prozess hat heute die letzte Lebensgefährtin des Opfers ausgesagt.

Claudia M. war vier Jahre lang bis zu seinem Tod mit Dominik Brunner zusammen. Die 30-Jährige sieht Petra P. (51) auffallend ähnlich, mit der Brunner zuvor 14 Jahre lang liiert war. Beide sind groß, schlank, haben lange, blonde Haare. Petra P. hatte am Mittwoch ausgesagt. Auch Claudia M. beschreibt Brunner als einen fitten, gesunden Mann. "Er war definitiv nicht krank, er hat definitiv keine Medikamente genommen", sagt sie vor Gericht.

Brunner habe seine Angelegenheiten stets "bis aufs Letzte geregelt", sagt Claudia M. Deshalb habe der 50-Jährige auch eine Patientenverfügung gehabt. "Das fing bei Einkaufszetteln an und hörte bei Patientenverfügungen auf." Dominik Brunner sei es "sehr zuwider" gewesen, wenn "jemand unhöflich war, nicht wusste, wo die Grenzen sind und wie man sich benimmt".

Ihr Freund sei ein "sehr liebenswerter Mensch" gewesen. "Auch wenn man ihn nicht gekannt hat, war er jedem gleich sympathisch." Er sei hilfsbereit gewesen, habe sich stets für andere eingesetzt. "Er war immer ehrlich und hat auch von anderen erwartet, dass die genauso ehrlich sind", erzählt Claudia M.

Sie selbst habe den Tod ihres Lebensgefährten noch nicht verarbeiten können. "Man steht anfangs völlig neben sich, jetzt hab ich mich zumindest soweit im Griff, dass ich meinen Alltag bewältige." Auch Brunners Eltern gehe es "sehr, sehr schlecht". Vater und Mutter seien am Tod ihres Sohnes "zerbrochen, sie haben keinen Lebensmut mehr", berichtet die Zeugin.

Turnschuhspuren an Brunners Leiche

Eine Sachverständige des Landeskriminalamtes hat an der Leiche von Dominik Brunner Spuren gefunden, die von den Turnschuhen der beiden Angeklagten stammen können. Die Spuren im “Stirn- und Schläfenbereich” seien in “Größe und Musterbild” dem ähnlich, was die Reebok- und Converse-Schuhe von Markus S. und Sebastian L. verursacht hätten.

Allerdings können die Spuren nicht eindeutig den Schuhen der Angeklagten zugeordnet werden. “Jeder andere Schuh, gleicher Größe und gleichen Musters kann die gleichen Spuren verursachen”, sagte die Sachverständige. Inwieweit das Gutachten als Beweis für Tritte der Angeklagten gegen den Kopf von Dominik Brunner gewertet werden kann, kam bisher noch nicht zur Sprache.

Experte: voll schuldfähig

Der rechtsmedizinische Sachverständige bescheinigt beiden Angeklagten, dass sie bei der Tat voll schuldfähig waren. Zwar habe Markus S. am Sollner Bahnhof einen Blutalkoholwert von rund 1,8 Promille gehabt. Da er Alkohol allerdings gewohnt sei und keine starken Ausfallerscheinungen wie Lallen oder Schwanken gezeigt habe, könne man zu seinen Gunsten für die Tatzeit bestenfalls "eine alkoholische Enthemmung" annehmen, sagte der Gutachter. Auch der THC-Wert im Blut, der vom Kiffen stammt, ändere nichts an der Schuldfähigkeit.

Auch Sebastian L. sei voll schuldfähig, er habe zum Zeitpunkt der Tat praktisch keinen Alkohol und nur das THC von einem Joint im Blut gehabt.

Bei der Reanimation des Opfers noch am Tatort zeigte der Auswertung zufolge das Endlos-EKG des Defibrillators immer wieder ein Herzkammerflimmern an. Das sei “der EKG-Verlauf eines schwer geschädigten Herzens“, sagte eine Kardiologin im Prozess aus.

Rechtsmediziner: Brunner starb an Herztod

Der Rechtsmediziner hat am Nachmittag bestätigt, dass Dominik Brunner an einem Herztod starb. Der 50-Jährige habe ein vergrößertes Herz gehabt, was häufig auf unerkannten Bluthochdruck zurückzuführen sei. Der körperliche und psychische Schock durch die Schlägerei habe zum Kammerflimmern und damit zum Tod geführt, sagte der Mediziner. Eine Kausalität sei damit gegeben.

Insgesamt stellte er 19 Verletzungen an Brunners Körper fest, die vermutlich durch Faustschläge entstanden sind, drei schrieb er Fußtritten zu. Ein Tritt habe Brunner an der Schläfe, einer am Arm und einer im Bauch getroffen. “Da hat größte Kraft gewirkt. Es ist wie ein Wunder, dass es am Kopf zu keiner inneren Verletzung gekommen ist. Wenn man diesen Verletzten von außen gesehen hat, war man eigentlich davon überzeugt, dass es schwere innere Schädelverletzungen geben muss”, sagte der Rechtsmediziner. Brunner habe aber weder eine Hirnblutung, noch einen Schädelbruch erlitten.

Dominik Brunner hätte mit seinem vergrößerten Herzen “noch lange weiterleben können”, sagte der Sachverständige. “Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass dieser Mann, der Jahre lang mit einem vergrößerten Herzen herumgelaufen ist, genau an diesem Tag daran verstorben wäre.” Doch der Mediziner stellt sich auch eine weitere Frage: Hätte Herr Brunner die Tat überlebt, wenn er keinen Herzfehler gehabt hätte? Seine Antwort: “Ja, er hätte wie durch ein Wunder überlebt.”

pv

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