Bulgaria: Wrack soll geborgen werden 

Moskau - Hunderte Helfer und schwere Technik sollen das verunglückte Ausflugsschiff “Bulgaria“ aus der Wolga bergen. Die Arbeiten inmitten des kilometerbreiten Stroms sind schwierig. Doch die Ermittler brauchen das Wrack für die Aufklärung der Katastrophe.

Mit aller Macht will die russische Regierung das gesunkene Ausflugsschiff “Bulgaria“ aus 20 Metern Tiefe vom Wolga-Grund bergen. Das tonnenschwere Wrack soll den Behörden helfen, die Umstände der Katastrophe vom 10. Juli zu verstehen. Schätzungsweise 129 Menschen waren bei dem Unglück in der Teilrepublik Tatarstan ums Leben gekommen, unter ihnen viele Kinder.

Unfassbare Katastrophe auf der Wolga

Unfassbare Katastrophe auf der Wolga

Der Aufwand ist gewaltig: Schwere Technik und mehr als 850 Helfer sind im Einsatz, darunter Dutzende Taucher. Sie suchen im trüben Wasser noch nach den 15 Vermissten. Etliche Schiffe kreuzen auf dem kilometerbreiten Strom, bringen Helfer zur Unglücksstelle. Auch Hubschrauber unterstützen die Bergungsaktion. Die Wasseroberfläche am Ort der größten Schiffskatastrophe in Russland seit 25 Jahren liegt am Montag ruhig da, wie das Staatsfernsehen zeigt. Keine Wellen behindern die Arbeiten. Kaum vorstellbar, dass hier vor acht Tagen ein Unwetter tobte und das Schiff in die Tiefe riss. Wie Bohrtürme ragen zwei riesige schwimmende Kräne in den blauen Himmel. Mit dicken Kabeln sollen sie das gekippte Schiff in die Waagerechte bringen und dann langsam an die Wasseroberfläche ziehen.

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Doch die Arbeiten in drei Kilometern Entfernung zum Ufer sind knifflig - und verzögern sich schon zu Beginn. Denn eines der Stahlseile reißt, es dauert lange, bis Ersatz zur Stelle ist. “Die Bulgaria liegt fast komplett auf der rechten Seite“, erklärt Vize-Verkehrsminister Viktor Olerski der Zeitung “Kommersant“ vom Montag. “Es ist sehr matschig, das Schiff versinkt immer mehr im Schlick.“ Wann die 78 Meter lange “Bulgaria“ aus dem Wasser gehievt werden kann, ist völlig offen. “Das kann schon bald oder erst in ein paar Tagen passieren“, sagt Olerski. Derzeit befestigen Taucher große Luftkissen an der Unterseite, die helfen sollen, das Schiff aufzurichten. Dann müssen mehrere Tonnen Wasser aus der doppelstöckigen “Bulgaria“ abgepumpt werden.

Überlebene berichten von einem Leck

Helfer vom Zivilschutzministerium, Arbeiter und Taucher setzen fast im Minutentakt zu den schwimmenden Kränen über. Immer wieder nimmt ein Boot Fotografen und Kameraleuten die Sicht, die von einem eigens zugewiesenen Schiff aus die Unglücksstelle im Blick behalten. Das soll verhindern, dass sie Bilder von Leichen machen können, falls bei den Bergungsarbeiten Körper an die Oberfläche gedrückt werden. Derweil verbreiten sich Spekulationen und Vermutungen. Überlebende berichten von einem Leck. “Das wäre bei solch einem alten und verrosteten Schiff kein Wunder“, sagt der Schifffahrtexperte Waleri Jelissejew der Zeitung “Iswestija“. Wahrscheinlicher ist aber, dass Bullaugen offenstanden und so ungehindert Wasser eindringen konnte.

Als gesichert gilt, dass die offenbar technisch marode und veraltete “Bulgaria“ mit mehr als 200 Menschen an Bord stark überladen war. Während eines schweren Unwetters kenterte das Schiff dann etwa 750 Kilometer östlich von Moskau auf dem “Fluss der Tränen“, wie die Regierungszeitung “Rossijskaja Gaseta“ kürzlich die Wolga nannte. Dann kam raus: Die Betreiber hatten keine Lizenz für den Passagierbetrieb, mehrere Verantwortliche wurden festgenommen. Kremlchef Dmitri Medwedew forderte bereits lautstark scharfe Strafen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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