Castortransport verzögert sich weiter

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Dannenberg - Mit spektakulären Aktionen behindern Kernkraftgegner weiter den Castortransport. Schon jetzt dauert er länger als alle vorangegangenen. Dabei sind die Behälter mit ihrer hoch radioaktiven Fracht noch nicht einmal zur letzten Etappe aufgebrochen.

Zahlreiche Aktionen von Kernkraftgegnern haben bis zum frühen Dienstagmorgen den Transport der elf Castorbehälter ins Zwischenlager Gorleben unmöglich gemacht. Stunden nachdem der letzte Behälter mit hoch radioaktiven Inhalt auf einen Tieflader gehoben wurde, war nicht absehbar, wann der Transport im niedersächsischen Wendland zur letzten, rund 20 Kilometer langen Etappe starten kann. Schon nach Mitternacht dauerte er mit mehr als 80 Stunden Fahrzeit länger als alle vorangegangenen. Indes begann um 3.17 Uhr nach der letzten Aufforderung die Räumung der Blockade vor dem Zwischenlager Gorleben.

Vor dem Verladebahnhof in Dannenberg gelang es am Montagabend fünf Greenpeace-Mitgliedern, mit einem Coup die Castoren auszubremsen. Sie fuhren mit einem als Getränkelastwagen getarnten Fahrzeug vor und blockierten die Strecke. Zwei Umweltschützer waren in derart komplizierter Weise an dem Fahrzeug befestigt, dass es auch Spezialisten der Polizei bis zum Dienstagmorgen nicht gelang, sie zu befreien.

Der Polizei begann damit, die von tausenden Demonstranten besetzte Straße zum Zwischenlager Gorleben zu räumen. Dies dürfte mehrere Stunden dauern. Die meisten Demonstranten harren seit Sonntag in der Kälte aus. Zudem gelang es der Polizei, vor Gorleben eine Betonpyramide, an die sich Bauern gekettet hatten, von der Straße zu räumen.

Nach dem Transport des Atommülls aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague war am Montagabend nach rund zwölf Stunden der elfte und letzte Castorbehälter auf dem Verladebahnhof in Dannenberg vom Zug auf einen Tieflader gehoben worden. Wann der Atommüll Gorleben erreicht, war zunächst noch ungewiss.

Ursprünglich sollte der zwölfte Castor-Transport am Montagmorgen das Zwischenlager erreicht haben. 20 000 Polizeibeamte waren im Einsatz, um den Transport sicher ans Ziel zu bringen. Bei den Auseinandersetzungen entlang der Bahnstrecke gab es nach Angaben der Kampagne “Castor Schottern“ fast 1000 Verletzte.

Der politische Streit über die Atompolitik ging indes unvermindert weiter. Der Vorsitzende Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, machte die Bundesregierung mitverantwortlich für die Proteste. Der rot-grüne Ausstiegsbeschluss sei ein Fortschritt gewesen und habe die Atomfrage in den Hintergrund gedrängt. Dieser Grundkonsens sei aufgegeben worden. Wer so etwas tue, der müsse damit rechnen, dass dies in der Gesellschaft zu Konflikten führe, sagte er der “Mitteldeutschen Zeitung“ (Dienstag).

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) stellte klar, dass alternative Standorte für ein Endlager erst erkundet würden, wenn Gorleben sich als ungeeignet erweise. “Man kann nicht zwei- oder dreimal Gorleben in Deutschland stemmen“, sagte er beim Nachrichtensender n-tv.

Eine transparente und ergebnisoffene Suche nach einem Endlager forderte der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin. Er habe Zweifel an der Eignung von Gorleben, doch das müsse nicht heißen, dass jeder Salzstock ungeeignet sei, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag).

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) forderte angesichts der anhaltenden Blockaden zur Mäßigung auf. Er könne nur an alle Beteiligten appellieren, die Balance im Auge zu behalten zwischen dem Demonstrationsrecht und den gesetzlich geregelten Notwendigkeiten sowie internationalen Verträgen der Zwischenlagerung atomarer Brennstoffe, die sich unabhängig von Mehrheitsverhältnissen im Bundestag ergeben. Dies sagte er der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag).

Mit dem Beschluss zur Verlängerung der Atomlaufzeiten habe die Bundesregierung einen bereits befriedeten gesellschaftlichen Großkonflikt neu entfacht, warfen SPD, Grüne und Linke der schwarz- gelben Koalition am Montag vor. Der Bundestag wird nun am Mittwoch über die Demonstrationen gegen die Atommülltransporte ins Wendland diskutieren.

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