Contergan-Opfer starten Boykott-Kampagne

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Das Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal hatte Ende der 50er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale in der deutschen Geschichte ausgelöst.

Stolberg - Die Opfer des Contergan-Skandals kämpfen weiter um eine angemessene Entschädigung. Am Samstag haben sie eine bundesweite Kampagne zum Boykott von Produkten der Dalli-Gruppe gestartet.

Die Kampagne richtet sich gegen die Unternehmer-Familie Wirtz, der neben Dalli auch der Pharmakonzern und frühere Contergan-Hersteller Grünenthal gehört. Mit Flugblättern forderten die Opfer Kunden vor dem Werksverkauf in Stolberg bei Aachen auf, keine Waschmittel und Parfüms mehr zu kaufen. “Wir fordern von der Familie Wirtz, dass sie mit ihrem Firmenkonsortium den Gesamtschaden von acht Milliarden Euro ersetzt“, stellten zwei Opferverbände fest.

Durch seine Kaufentscheidung könne der Verbraucher Position beziehen. “Kaufen Sie die Produkte nicht mehr, sagen Sie: Verehrte Familie Wirtz, ersetzen Sie endlich alle Schäden der Contergan-Opfer!“, hieß es in einem Flugblatt. Vom Dalli-Standort Stolberg ausgehend werde die Kampagne bundesweit vor Geschäften mit Dalli-Produkten laufen. Das kündigte der Vorsitzende des Bundes Contergang-Geschädigter und Grünenthal-Opfer (BCG), Andreas Meyer, an.

Vor allem der Bürger trage den Schaden mit, stellten die Verbände mit Blick auf die Auszahlungsbilanz der Contergan-Stiftung fest. Die Stiftung zahlte nach eigenen Angaben bis Ende 2008 rund 460 Millionen Euro Rentenleistungen aus. Mit rund 100 Millionen Euro kommt nur der kleinere Teil von Grünenthal. Der Rest sind Steuermittel.

Die Kampagne ist die Bekräftigung eines seit drei Jahren existierenden Boykottaufrufs. Die Dalli-Gruppe scheiterte im vergangenen Jahr mit dem Versuch, dagegen gerichtlich vorzugehen. Das Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal hatte Ende der 50er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale in der deutschen Geschichte ausgelöst. Weltweit kamen 10 000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt.

dpa

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