Nur mit zwei Bundesländern ist er zufrieden

Gastro-Öffnung in Corona-Krise: 18 Infizierte nach Restaurant-Eröffnung in Leer - „übel gelaufen“

Lokale dürfen in Deutschland nach und nach wiedereröffnen - doch ein Hygiene-Experte aus Berlin kritisiert die Auflagen vieler Bundesländer scharf. (Symbolbild)
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Lokale dürfen in Deutschland nach und nach wiedereröffnen - doch ein Hygiene-Experte aus Berlin kritisiert die Auflagen vieler Bundesländer scharf. (Symbolbild)

Die Gastronomie öffnet in Deutschland Schritt für Schritt wieder. Nach einer Restaurant-Eröffnung gab es nun einen Corona-Ausbruch mit etlichen Infizierten.

  • Trotz Corona-Krise öffnen in Deutschland nach und nach die Lokale wieder.
  • Dabei gelten strenge Auflagen - die ein Hygiene-Experte aber größtenteils für unzureichend hält.
  • Der Professor vom Berliner Hygiene-Institut hat deshalb Tipps für Betriebe - und auch einen Rat an die Gäste. 
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen in Deutschland*. Derzeit gibt es die folgenden Empfehlungen zu Corona-Schutzmaßnahmen*.

Update vom 25. Mai, 9.44 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch im Zusammenhang mit einem Restaurantbesuch in Ostfriesland sind auch Mitarbeiter der Papenburger Meyer-Werft in Quarantäne. Einen entsprechenden Bericht des NDR bestätigte ein Firmensprecher am Montagmorgen. Dem NDR zufolge müssen „Mitglieder der Werft-Geschäftsführung und fast der gesamte Betriebsrat“ zu Hause bleiben. Es gebe bisher 18 bestätigte Infizierte.

Auch nach der Lockerung der Beschränkungen in der Corona-Krise ist die Gastro-Branche in einer dramatischen Lage. Es droht eine Pleitewelle.*

Corona-Ausbruch nach Restaurant-Eröffnung in Leer: „übel gelaufen“

Update vom 25. Mai, 7.32 Uhr:Der niedersächsische Landkreis Leer sucht nach den positiven Corona-Tests infolge eines Restaurantbesuchs in Ostfriesland weiter nach den Gründen für die Infektionen. Die Zahl der positiv auf Corona Getesteten, die am 15. Mai in geschlossener Gesellschaft in dem Lokal in Moormerland waren, war im Laufe des Sonntags auf 14 gestiegen, hinzu kamen vier weitere Personen, die sich in der Folge angesteckt hatten. Für 118 Menschen wurde häusliche  Quarantäne angeordnet. 

Eine Befragung der Gäste, die am 15. Mai im Restaurant waren, habe „Indizien geliefert, dass an dem Abend möglicherweise gegen Corona-Auflagen verstoßen wurde“, hieß es in einer Mitteilung des Landkreises. 

Falls sie sich tatsächlich in dem Lokal angesteckt haben, wäre dies der erste bekannt gewordene Fall dieser Art seit Wiedereröffnung der Gaststätten. Der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen, Rainer Balke, sagte im Interview der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ über den Fall in Moormerland: „Da wurde offenbar einiges falsch gemacht, und es ist übel gelaufen.“ 

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann sah in dem Ausbruch jedoch keine Notwendigkeit, vom Lockerungskurs für die Gaststätten abzurücken. Bei der Feier habe es sich nicht um einen normalen Restaurantbesuch gehandelt, sinder um eine „private Party“. 

Wie geht es in Deutschland weiter in der Corona-Krise? Nun sind Details zu den Plänen des

Bundes im Bezug auf die Corona-Maßnahmen durchgesickert.

 

International am schwersten von der Pandemie getroffen sind die Vereinigten Staaten. US-Präsident Donald Trump will nun dennoch Lockerungen angehen.

Corona-Ausbruch in Leer nach Gastro-Öffnung

Update vom 23. Mai 2020, 08.25 Uhr: Eine erste Meldung scheint die Befürchtungen mancher Experten zu bestätigen: Nach Informationen des Landkreises Leer in Niedersachsen, haben sich dort sieben Menschen nach einem Restaurantbesuch mit dem Coronavirus infiziert. Die Behörden mussten eine Quarantäne für 50 weitere Personen anordnen. Wie es zu der Übertragung kommen konnte, wird aktuell noch untersucht.

Corona-Krise: Regeln der Gastronomie-Öffnungen sorgen für Entsetzen bei Experten

Erstmeldung vom 22. Mai: Berlin/München - Restaurants, Cafés und andere Lokale dürfen seit dem 9. Mai in Deutschland nach und nach wieder öffnen - und viele Menschen sehnen das nächste Essen auswärts oder den Biergarten-Besuch mittlerweile schon lange herbei. Damit der kulinarische Genuss auch in Corona*-Zeiten möglichst sicher abläuft, haben die Bundesländer Hygiene-Konzepte und -regeln speziell für die Gastronomie entwickelt. Doch nun schlägt ein Experte Alarm: Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow vom Hygiene-Institut Berlin ist die Konzepte der Länder durchgegangen - und ist entsetzt. 

Corona-Krise in der Gastronomie: Zastrow hält die meisten Auflagen für mangelhaft

Die meisten Pläne hält Zastrow für mangelhaft und er fürchtet verheerende Folgen. „Zur Öffnung der Restaurants haben nur zwei Bundesländer die gefährlichsten und entscheidenden Übertragungsmechanismen* berücksichtigt, Bayern* und Rheinland-Pfalz“, sagte der Hygiene-Experte im Gespräch mit der Bild-Zeitung (Artikel befindet sich hinter der Bezahlschranke). „Das ist ein schweres, brandgefährliches Versäumnis der anderen Länder. Die Regelungen von Berlin, Bremen, Hamburg, Brandenburg und Schleswig-Holstein sind ein schlechter Witz!“ 

Das Hauptproblem ist laut Zastrow, dass Begriffe wie „Hygieneregeln“ so ungenau seien, dass die Gastro-Branche gar nicht wisse, was sie genau machen soll. Die normalen Hygiene- und Abstandsregeln* reichen dem Experten zufolge in Gaststätten nicht. „Söder hat es richtig gemacht: In Bayern muss das Geschirr, besonders Gläser und Besteck und alles, was man in den Mund steckt, nach Gebrauch desinfizierend gereinigt werden. Wenn das nicht gemacht wird, dann schieben wir uns die Viren direkt in den Mund“, warnte Zastrow. Ein zu geringer Abstand sei im Vergleich dazu zweitrangig und das Wischen von Sitzflächen und Fußböden sogar bedeutungslos. „Aber besabberte Tassen, Gläser und Besteck sind eine Riesengefahr“, betonte Zastrow im Gespräch mit der Bild-Zeitung. 

Geschirr muss wegen der Corona-Gefahr unbedingt desinfiziert werden, mahnt ein Berliner Hygiene-Experte. (Symbolbild)

Corona-Krise in der Gastronomie: Hygiene-Experte gibt Betrieben Ratschläge 

Für die Betriebe hat der Professor einige Ratschläge, wie man am besten vorgehen sollte: 

  • Besteck und Geschirr desinfizieren: Dafür brauche man keine Desinfektionslösung. Stattdessen reiche es aus, den Geschirrspüler auf hohe Temperaturen ab 70 Grad einzustellen und ein desinfizierendes Geschirrspülmittel zu verwenden, um so Coronaviren und andere Bakterien abzutöten.
  • Maskenpflicht: Diese ist Zastrow zufolge vor allem in der Küche von immenser Bedeutung. „Dass nur das Serviceportal einen Mund-Nasen-Schutz tragen soll, ist katastrophal falsch“, kritisert Zastrow. „Natürlich sollen sie einen tragen, aber das ist nicht entscheidend. Notwendig ist dagegen, dass in der Küche, dort wo das Essen zubereitet wird, eine Maske getragen werden muss.“ Denn dort befinde sich die Hauptinfektionsquelle in der Gastronomie. 
  • Masken tragen - aber richtig: Zu diesem Thema sagt Zastrow: „Nicht unter der Nase, nicht unter dem Kinn, nicht auf dem Kopf und nicht über dem Ohr. Nur über Mund und Nase.“
  • Tische reinigen: Um Tische richtig zu desinfizieren, müssen sie - bei jedem Gästewechsel - mit einem frischen und in Desinfektionsmittel* getränkten Lappen gereinigt werden, erklärt der Hygiene-Experte. „Der kleine Eimer, in dem ein benutzter Lappen in einer gräulichen Brühe schwimmt, ist die Methode, um Viren und Bakterien auf den Tischen zu verteilen. Dies war hygienisch schon immer eine Katastrophe, da man so Viren und Bakterien verbreitet. Aber in der aktuellen Lage ist es von noch größerer Bedeutung“, betont Zastrow. Auch wichtig: Wer Tischdecken benutzt, braucht ihm zufolge für jeden Gast eine neue Tischdecke.

Corona-Krise in der Gastronomie: Zastrow mahnt zu Nachbesserungen bei den Auflagen

Doch nicht nur für die Betriebe hat Zastrow wichtige Empfehlungen, auch den Gästen will der Hygiene-Experte einen Rat mit auf den Weg ins Lokal ihrer Wahl geben: „Ich würde derzeit dringend davon abraten, Salat im Restaurant zu essen“, sagt er im Gespräch mit der Bild-Zeitung. Seine Begründung: Salat werde nicht erhitzt, weshalb sich Corona- und andere Viren darauf wie zu Hause fühlen würden. „Bei Speisen, die auf mindestens 70 Grad erhitzt werden, muss man sich weniger Sorgen machen – immer vorausgesetzt, das Küchenpersonal trägt einen Mund-Nasen-Schutz*“, sagt Zastrow.

Auf Salat sollten Restaurantbesucher wegen der Corona-Gefahr in nächster Zeit lieber verzichten, rät der Berliner Hygiene-Experte. (Symbolbild)

Sein Fazit zu den Gastro-Regeln ist eindeutig: Lediglich zwei von 16 Bundesländern haben seiner Einschätzung zufolge ausreichende Corona-Hygienekonzepte. Deshalb mahnt der Experte dringend zu Nachbesserungen. Aber die allein reichen ihm nicht. „Hygienekonzepte sind das eine, aber die Länder und Gesundheitsämter müssen hier nicht nur nachbessern, sondern auch knallhart kontrollieren und bei Nichteinhalten den Laden sofort schließen“, fordert Zastrow mit deutlichen Worten. Wenn das nicht getan werde, sehe er die nächste Katastrophe und die zweite Infektionswelle* auf uns zukommen. Umgekehrt ist sich der Experte auch sicher, dass es keine zweite Welle geben werde, wenn die Infektionsquelle, die die Lockerungen in der Gastro-Branche bieten, geschlossen und gut und oft kontrolliert werde.

Übrigens: Über das in Bayern geltende Hygiene-Konzept für Gastronomie-Betriebe informiert der bayerische Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands unter anderem auf seinem Twitter-Account.

Auch wenn die Einschätzung des Hygiene-Experten Zastrow bei vielen wohl durchaus Besorgnis hervorruft - in den bayerischen Biergärten wird es nun wieder voller werden als in den vergangenen Wochen. Die Biergärten dürfen seit dem heutigen Montag wieder öffnen. Nähere Informationen dazu erhalten Sie im nachfolgenden Video. 

Der Virologe Hendrik Streeck äußert sich in einem Interview zu einer zweiten Infektionswelle und erwartet zunächst Wochen der Entspannung.

Mit einer extremem Antwort reagiert Markus Söder auf die Frage nach dem Ende der Maskenpflicht.

Der Einfluss des Corona-Hotspots Ischgl auf die Infektionsrate in Deutschland ist einer Studie zufolge enorm.

Auf deutsche Schüler könnte nach den Sommerferien Unterricht in Vereinsheimen oder Messehallen zukommen. Für etwaige Pandemien in der Zukunft schlagen Angela Merkel, Emmanuel Macron und vier weitere Regierungschefs Alarm. 

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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