„Bewusst sein, wie fragil die Situation ist“

Coronavirus in Deutschland: Covid-19 laut Experte völlig unterschätzt - „Hätten wir das vorher gewusst ...“

Das Coronavirus Sars-CoV-2 forderte tausende Menschenleben weltweit. Ein deutscher Lungenspezialist zog nun eine ernüchternde Bilanz.

  • Das Coronavirus* forderte bereits hunderttausende Menschenleben.
  • Ein Lungenspezialist zog nun eine erste Bilanz und sagte, dass man mehr Menschenleben hätte retten können. 
  • Man solle sich „darüber bewusst sein, wie fragil die Situation ist“, sagte der Experte.
  • Alle aktuellen Corona-News aus Deutschland finden Sie hier.

Darmstadt - Das Coronavirus sorgt seit Beginn des Jahres 2020 weltweit für Wirbel. Tausende Menschen starben an Covid-19.

Indes scheinen alle möglichen Hebel  der Forschung* in Bewegung gesetzt zu werden, um einen Impfstoff und ein Medikament zu finden. Nun zog Cihan Celik, Lungenspezialist des Klinikums Darmstadt, eine erste Bilanz. Er arbeitete als Leiter der Covid-19-Isolierstation. 

Coronavirus: Arzt zieht Bilanz - „Wäre wahrscheinlich möglich gewesen, mehr Leben zu retten“

Im Interview mit „FOCUS Online“ sprach der Lungenspezialist an, dass das Coronavirus zu Beginn der Pandemie noch „als reine Lungenkrankheit“ angesehen worden sei. Der Fokus der Behandlung lag daher auf der Lunge und der Beatmung. Folglich mussten Patienten „bereits in einem sehr frühen Stadium intubiert und künstlich beatmet werden“, wie Celik sagt. 

Heute wisse man es jedoch besser. „Durch den immensen Aufwand der Forschung haben wir erkannt, dass es sich um eine systemische Erkrankung handelt, die Auswirkungen auf andere Organsysteme sind ausgeprägter als bei vergleichbaren Erkrankungen. [...] Hätten wir all das bereits vorher gewusst, wäre es wahrscheinlich möglich gewesen, noch mehr Leben zu retten.“ 

Ein Lernprozess sei jedoch in einer Ausnahmesituation wie dieser normal und gehöre dazu. Dementsprechend habe man die Behandlungsstrategien verändert, das Management der Klinik habe sich seit Beginn der Pandemie massiv verbessert. „Der Covid-19-Patient muss interdisziplinär behandelt werden und dafür gibt es nun genaue Leitlinien“, so der Lungenspezialist. 

Lungenspezialist zieht Bilanz: Größere Corona-Gefahr für ärmere soziale Schichten

Sicher sei laut Celik auch, dass man „in der Hochzeit der Krise massive Probleme auf den Intensivstationen bekommen hätte“ ohne Corona-Beschränkungen. Besonders der Blick auf Länder wie Spanien, Italien oder die USA zeige, „was wohl passiert wäre, wenn die Politik nicht reagiert hätte.“ 

Die Krankenhäuser in Italien hatten mit immensen Problem während der Corona-Hochphase zu kämpfen. (Symbolbild)

In den USA scheint sich die Corona-Lage indes immer mehr zuzuspitzen. In Kalifornien schließen Restaurants, Bars und Kinos erneut.

Arzt über Menschenmassen und zweite Coronavirus-Welle: „Darüber bewusst sein, wie fragil die Situation ist“

Für Entsetzen sorgen in Deutschland auch immer größere Menschenmengen, die die Verbreitung des Coronavirus begünstigen können. So sorgte beispielsweise eine Schlauchboot-Party in Berlin, bei der Tausende Menschen dicht an dicht gedrängt waren, für Wirbel. 

„Dass die Leute ihre Freiheit wieder ausleben wollen ist verständlich und das sollen sie auch“, sagt Lungenspezialist Celik hinsichtlich größerer Menschenmassen. Er möchte das nicht pauschal verurteilen, dennoch sollte sich jeder „darüber bewusst sein, wie fragil die aktuelle Situation ist.“  

Statt einer zweiten Corona-Welle rechnet der Mediziner „mit einzelnen kleinen Hotspots“, wie es sie bereits in Gütersloh im Zusammenhang mit der Fleischfabrik Tönnies oder in Euskirchen in Zusammenhang mit einer Mennonitengemeinde* gegeben hatte. „Aber auch diese Entwicklung kann man natürlich nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit vorhersagen“, so Celik.

Ein deutscher Uniklinik-Direktor warnte nun vor heftigem Mangel in Krankenhäusern und sieht Politiker auf dem Holzweg.

Einer Analyse mit Daten der Oxford-Universität steuern zehn Länder auf eine zweite Corona-Welle zu - darunter befindet sich auch Deutschland. Indes warnen Experten vor extremen Spätfolen - selbst bei leichten Symptomen.

Im Umgang mit dem Coronavirus stand auch die Öffnung von Kitas zur Debatte. Das RKI empfiehlt, Kinder mit Symptomen nicht in Betreuungseinrichtungen zu schicken. Mediziner kritisieren das. Bezüglich der Frage, ob ein Impfstoff die Coronavirus-Pandemie beenden kann, äußerte sich der Virologe Hendrik Streeck skeptisch. Er fordert ein Umdenken.

Im Wettstreit um einen Corona-Impfstoff soll Russland Hacker-Angriffe durchgeführt haben. Das Vereinigte Königreich, Kanada und die USA prangern an und warnen vor mehr.

Vor sechs Monaten kam das Coronavirus in Deutschland an. Ein Mitarbeiter der Firma Webasto bei Starnberg infizierte sich zuerst. Nun macht er eine beunruhigende Aussage.

Weitere Neuigkeiten zum Thema Coronavirus in Deutschland erfahren Sie in unserem News-Ticker.

(mbr) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Cecilia Fabiano/dpa/LaPresse/AP

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