35.000 Menschen unterzeichnen Petition

Verharmlosung einer Vergewaltigung? Streit um Bierzelt-Hit zieht weite Kreise: Erste Stadt reagiert

Passau: Bierzelt-Hit verharmlost Vergewaltigung - Morddrohungen gegen Initiatorin
+
Das Donaulied wird oft in Bierzelten gespielt - auch Mickie Krause singt das Lied. Eine Studentin sorgt nun mit einer Petition für Aufsehen. (Symbolbild)

Es ist ein beliebter Bierzelt-Hit, aber der Text ist fragwürdig: Eine Passauer Studentin hat eine Petition gegen das Donaulied gestartet - diese zieht nun weite Kreise.

  • Eine Passauer Studentin sorgt mit einer Petition für Aufsehen - es geht um das Donaulied.
  • Sie hat eine Diskussion um Sexismus in Bierzelten angestoßen.
  • Nun hat die erste Stadt Konsequenzen gezogen.

Update vom 8. Juli: Im Mai sorgte eine Petition aus Passau für Aufsehen. Dabei wurde kritisiert, dass das Donaulied eine Vergewaltigung verharmlose - und trotzdem in Bierzelten gespielt wird. Die Passauer Initiative zieht nun Kreise. Die Stadt Montabaur im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz will das Singen des Liedes in Bierzelten künftig verhindern. Das teilte Bürgermeisterin Gabriele Wieland (CDU) mit. Auch Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) hatte der Gruppe um Studentin Corinna Schütz noch im Juni seine Unterstützung zugesagt.

Ein Stadträtin aus Montabaur nahm die Passauer Online-Petition zum Anlass, selbst aktiv zu werden und regte eine Abschaffung des Liedes auf dem dortigen Volksfest an. Montabaurs Bürgermeisterin Wieland sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Auf Initiative eines Stadtratsmitglieds haben wir beschlossen, dass wir bei Vertragsabschluss mit Bands vereinbaren, dass sie das Donaulied nicht spielen.“ Sie gehe davon aus, dass sich die Bands daran halten.

Bis Dienstag hatten rund 35.000 Menschen aus ganz Deutschland die Online-Petition, nach der das Donaulied auf Volksfesten in Passau nicht mehr gespielt werden soll, unterzeichnet. In Regensburg haben Unterstützer eine „Schwester-Petition“ gestartet, die sich ebenfalls gegen das Lied ausspricht. Das verstünden sie als Auftrag, sich weiterhin gegen Sexismus auf Volksfesten zu engagieren, sagte Schütz.

Streit um Donaulied: Verharmlost Bierzelt-Hit Vergewaltigung? Jetzt melden sich Rechte-Inhaber zu Wort

Update vom 11. Juni: In der Diskussion um das umstrittene Donaulied melden sich jetzt die Rechte-Inhaber einer entschärften Version zu Wort. Sie könnten die Bedenken nachvollziehen, „denn auch wir finden den ursprünglichen Text mehr als bedenklich und würden das so nie von unseren Musikern spielen lassen“, hieß es nun in einer Mitteilung der Rechte-Inhaber Dirk Wöhrle und Klaus Hanslbauer. Gewalttätige Szenen zu besingen, habe auf keiner Bühne etwas zu suchen, betonten sie.

Gleichzeitig verwiesen sie aber darauf, dass sie genau deshalb bereits vor Jahren die entsprechende Passage im Originaltext, in der es um die Vergewaltigung eines am Donau-Ufer schlafenden Mädchens geht, geändert hätten. Die neue Fassung sei auch bei der GEMA angemeldet worden. Es sei genau diese Version, die ihrer Ansicht nach häufiger gespielt werde als das Lied mit Originaltext, gegen den sich die Passauer Studentin Corinna Schütz mit einer Online-Petition wehrt. „Natürlich geht es in Festzelten manchmal etwas derber zu, aber unser Text hat absolut nichts mehr mit Gewalt zu tun“, sagte Wöhrle in der Mitteilung.

Zu einem Sexismus-Eklat ist es auch im Schweriner Landtag gekommen. AfD-Politiker kommentieren das Auftreten einer SPD-Abgeordneten - darüber ist eine Debatte entbrannt.

Verharmlost Bierzelt-Hit Vergewaltigung? „Krasses Beispiel von Gewalt“ - doch ist Petition kontraproduktiv?

Update vom 9. Juni: Das Donaulied erhitzt die Gemüter, denn der Text ist fragwürdig (siehe Erstmeldung vom 29. Mai). Doch wo hat das Lied seinen Ursprung? „Soweit wir wissen, stammt das Lied aus dem 19. Jahrhundert. Wer es geschrieben hat, dazu gibt es im Volksmusikarchiv keine Belege. Seit den 30er Jahren ist es auch in unserer Gegend verbreitet“, erklärt Ernst Schusser, der das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl leitet, gegenüber OVB online.

„Tatsächlich gibt es Lieder, die die Frage aufwerfen: Darf man das noch singen? Man denke nur an „Sah ein Knab ein Röslein stehen“. Goethe hat den Text dazu geschrieben und bildhaft geht es um eine Vergewaltigung“, so Schusser weiter. Die Aussage, dass Volksmusik sexistisch sei, gehe ihm aber zu weit. „Das Donaulied ist schon ein krasses Beispiel von Gewalt. De facto wird dort eine Vergewaltigung beschrieben. Das ist sicherlich nicht typisch für die Volksmusik. Ich persönlich würde das nicht singen. Einerseits verstehe ich die Studentin, gleichzeitig frage ich mich, ob man nicht noch mehr Leute dazu bringt, das Lied zu singen, wenn man es nun so medial in den Vordergrund rückt. Manchmal tut zu viel Aufmerksamkeit eben auch nicht gut“, erklärt Schusser gegenüber OVB online.

Verharmlost Bierzelt-Hit Vergewaltigung? Petition polarisiert - Festwirte lassen auf Facebook Dampf ab

Update vom 5. Juni: Das Donaulied spaltet die Gemüter. Eine Passauer Studentin hatte eine Petition gestartet, weil das Lied eine Vergewaltigung verharmlosen würde. Sie möchte unter anderem verhindern, dass das Lied auch zukünftig auf der Passauer Dult gespielt wird. Auch die Fernsehsendung Quer widmete dem Thema einen Beitrag, darin kamen auch Menschen aus Passau zu Wort - das Lied polarisiert: „Das ist sexistischer Scheiß einfach“, fand ein Befragter. Eine ältere Dame stellte dagegen klar: „Ich finde das nicht sexistisch.“

Das Magazin, das im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wird, sprach auch mit den Initiatoren der Petition. „Ich machte mich über die Schlafende her“, zitiert Yannick Steinhauer aus dem Lied. „Da ist ja kein Interpretationsspielraum, das ist einfach eine pure Vergewaltigung“, empört er sich. Auch Corinna Schütz pflichtet ihm bei. „Ich weiß gar nicht, wie man diesen Inhalt verteidigen kann“, erklärte sie in dem TV-Beitrag. 

Oft wird die Version von Mickie Krause gespielt. Darin erwacht die Schlafende und macht willig mit. Doch auch das will Schütz nicht gelten lassen: „Jeder kennt das Lied, wie es eigentlich geht, jeder weiß, wie es eigentlich weitergeht.“ Mehr als 25.000 Menschen haben die Petition unterschrieben, doch es gibt auch Widerstand. Zum Beispiel vom Ehepaar Kandlbinder, sie sind Festwirte auf der Passauer Dult. Sie haben auf Facebook Dampf abgelassen und zitieren aus ihrem Post in dem Quer-Beitrag: „Wirte kämpfen gerade ums Überleben und eine Studentin kommt mit so einem Sch*** daher.“ Im Netz hat die Petition neben viel Zuspruch ebenfalls Kritik ausgelöst, dort sagen viele, es gehe bei dem Lied um Tradition. „Ich bin mit dem Lied aufgewachsen und habe es schon hundert Mal gehört. Ich habe noch nie an eine Vergewaltigung gedacht“, so der Wirt Kandlbinder weiter.

Petition gegen Donaulied: Initiatoren wollen Bürgerinitiative gründen

Update vom 2. Juni, 16.20 Uhr: Die Initiatoren der Petition gegen das Donaulied (siehe unten) wollen nun eine Bürgerinitiative gründen. Die Resonanz auf die „Aktion gegen Bierzelt-Sexismus“ sei enorm, sagte die Passauer Studentin Corinna Schütz. Bislang hatten sich mehr als 23.500 Menschen an der Petition beteiligt. Zuspruch hätten sie auch von Vertretern verschiedener Parteien bekommen. 

Die Initiatoren wollen sich in einem nächsten Schritt nochmals an den Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) wenden und um Unterstützung bitten, damit künftig bei Volksfesten in der niederbayerischen Stadt auf das Singen des Donauliedes verzichtet wird. Zudem stehe die Gründung einer Bürgerinitiative bevor, sagte Schütz, das hänge terminlich von den Corona-bedingten Umständen ab.

Neben sehr vielen positiven Zuschriften aus ganz Deutschland hat die Gruppe im Internet einen Shitstorm abbekommen, der sich vor allem gegen Corinna Schütz persönlich richtet. „Das reicht bis hin zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen“, berichtete die 22-Jährige. Sie wünsche sich, dass über das Thema sachlich diskutiert werden könnte.

Bayern: Bierzelt-Hit verharmlost Vergewaltigung von Frauen - Tausende Menschen reagieren auf Petition

Update vom 30. Mai, 11.50 Uhr: An der von Corinna Schütz ins Leben gerufenen Petition „Aktion gegen Bierzelt-Sexismus“ haben (Stand 30. Mai, 11.50 Uhr) 9.783 Menschen teilgenommen. 

Ziel der Initiatorin ist nach eigenen Angaben nicht, das Lied zu verbieten, sondern zur Eigenverantwortung anzuregen: Menschen sollten sich mit dem Text befassen und das Lied nicht mehr singen.

Beliebter Bierzelt-Hit verharmlost Vergewaltigung - Selbst ein Schlager-Star singt das Lied

Erstmeldung vom 29. Mai 2020: Passau - Eine Studentin aus der Dreiflüssestadt Passau sorgt aktuell mit einer Petition für Aufsehen und hat eine Diskussion um Sexismus in Bierzelten angestoßen.

Das Donaulied beschreibt die Vergewaltigung eines am Ufer schlafenden Mädchens. Es wird in Bierzelten und auch von Ballermann-Star Mickie Krause gesungen.

Mit der Petition will die Studentin erreichen, dass Menschen sich mit dem Text befassen - und das Lied nicht mehr singen, wie sie erklärte, denn es gehe um die Verharmlosung einer Vergewaltigung.

Passauer Studentin startet „Aktion gegen Bierzelt-Sexismus“

Die Passauer Studentin hat außerdem die „Aktion gegen Bierzelt-Sexismus“ ins Leben gerufen. Für ihr Engagement erntet sie Zuspruch, aber auch Spott. 817 Personen hatten die Petition bis zum Freitag (29. Mai, 8.31 Uhr) unterstützt.

Donaulied in der Kritik: Grünen-Landtagsabgeordneter ärgert sich über CSU-Politiker

Den Grünen-Landtagsabgeordneten Toni Schuberl ärgert besonders ein Kommentar des stellvertretenden Passauer Landrates Hans Koller (CSU) zu dem Lied. Der CSU-Politiker hatte in einer Facebook-Unterhaltung eine spöttische Aussage gegen die Aktion als „sehr gut“ bewertet. 

Stellvertretender Passauer Landrat erklärt seine Sicht zum Donaulied

Daraufhin fragte Schuberl den stellvertretenden Landrat in einem offenen Brief: „Darf ich das so werten, dass Du die Verherrlichung und das Besingen einer Vergewaltigung gutheißt?“

Doch Koller stellte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag klar: „Mir gefällt das Lied auch nicht.“ Es sei eben ein „uraltes, primitives Sauflied“. Er findet, dass es angesichts der Corona-Krise jedoch wichtigere Themen als das Donaulied gebe. Das habe er mit seinem Kommentar zum Ausdruck bringen wollen.

Kritik am „Donaulied“: Das ist der Songtext

Einst ging ich am Ufer der Donau entlang, Ohohoholalala, Ein schlafendes Mädchen am Ufer ich fand, Ohohoholalala, Ein schlafendes Mädchen am Ufer ich fand. 

2. Sie hatte die Beine weit von sich gestreckt, Ohohoholalala, Ihr schneeweißer Busen war halb nur bedeckt, Ohohoholalala, Ihr schneeweißer Busen war halb nur bedeckt. 

3. Ich machte mich über die schlafende her, Ohohoholalala, Sie hörte das rauschen der Donau nicht mehr, Ohohoholalala,  Sie hörte das rauschen der Donau nicht mehr. 

4. Du kerblichter Bursche was hast du vollbracht, Ohohoholalala, Du hast mich im Schlafe zur Mutter gemacht, Ohohoholalala, Du hast mich im Schlafe zur Mutter gemacht.

5. Jetzt hab ich 12 Kinder und doch keinen Mann, Ohohoholalala, Was fang ich den nur mit dem 13. an, Ohohoholalala, Was fang ich den nur mit dem 13. an? 

6. Mein Mädchen, mein Mädchen, was regst du dich auf, Ohohoholalala, Für mich war es schön und für dich sicher auch, Ohohoholalala,  Für mich war es schön und für dich sicher auch. 

7. Hier hast du 'nen Heller und geh´ hald nach Haus, Ohohoholalala, Und wasch dir den Schnickschnack mit Kernseife raus, Ohohoholalala,  Und wasch dir den Schnickschnack mit Kernseife raus. 

8. Ich stand auf der Brücke und schwenkte den Hut, Ohohoholalala, Ade, junge Maid, ja die Nummer war gut, Ohohoholalala, Ade, junge Maid, ja die Nummer war gut. 

9. Und die Moral von der Geschicht, Ohohoholalala, Schlafende Mädchen, die vögelt man nicht, Ohohoholalala, Schlafende Mädchen, die vögelt man nicht.

Quelle: https://www.liederkiste.com

---

Coronavirus an der Uni Passau? In der Social-Media-App Jodel teilte ein Nutzer einen vermeintlichen Artikel der Süddeutschen Zeitung dazu. Alles Fake, wie nun rauskam.*

Besonders die Gastronomie ist von der Coronavirus-Krise stark betroffen - manche haben bereits aufgegeben. Jetzt zieht ein Kult-Lokal aus München drastische Konsequenzen*.

Alle Nachrichten aus Passau und dem Rest Bayerns lesen Sie immer bei uns.

Fragezeichen werfen sich rund um Manuel Neuer auf. Der FCB-Kapitän wurde im Urlaub dabei gefilmt, wie er ein krotatisches Lied mitsingt. Der Song hat einen heiklen Hintergrund.

*Merkur.de/tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

---

Eine junge Münchnerin (27) wurde am Samstagabend (6. Juni) im Olympiapark verfolgt und dann in ihrer eigenen Wohnung vergewaltigt. Eine Nachbarin hörte die Schreie.

Währenddessen sucht die Polizei Berlin fieberhaft nach einem Serien-Vergewaltiger. Dank etlicher Hinweise soll nun die Identität des Mannes geklärt sein. Doch der Mann ist weiterhin flüchtig.

kam/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Berühmtes Musik-Cover: Irres Detail entdeckt - Wetten, dass Sie es nie wieder anders anschauen können?
Berühmtes Musik-Cover: Irres Detail entdeckt - Wetten, dass Sie es nie wieder anders anschauen können?
Dieses Bild macht viele verrückt - Detail ist nur für gute Augen sichtbar
Dieses Bild macht viele verrückt - Detail ist nur für gute Augen sichtbar
Foto von Mädchen verwirrt viele - Sehen Sie die Täuschung?
Foto von Mädchen verwirrt viele - Sehen Sie die Täuschung?
Perseiden 2020: Sternschnuppen ab Juli in Massen am Himmel - Spektakel dauert bis in den August
Perseiden 2020: Sternschnuppen ab Juli in Massen am Himmel - Spektakel dauert bis in den August

Kommentare