EHEC-Quelle: Spur führt wieder zu Sprossen 

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Hannover - Ist der Sprossen-Hof in Niedersachsen jetzt doch die Infektionsquelle für EHEC? Offenbar verdichten sich die Hinweise nachdem eine weitere Mitarbeiterin im Mai vermutlich an EHEC erkrankt war.

Die Hinweise auf den gesperrten Sprossen-Hof in Niedersachsen als mögliche Quelle für die EHEC-Epidemie verdichten sich. Eine dritte Mitarbeiterin des Gärtnerhofs in Bienenbüttel sei im Mai vermutlich an dem Darmkeim erkrankt gewesen, teilte Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) mit. Inzwischen sei sie aber wieder gesund. Bisher war nur die EHEC-Erkrankung einer Mitarbeiterin des Hofs bekannt, eine zweite litt ebenfalls unter Durchfall.

Weitere 18 EHEC-Fälle sollen auf Sprossen zurückgehen

Der EHEC-Verdacht gegen den Sprossenerzeuger im niedersächsischen Bienenbüttel hat sich nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Hannover durch zwei neue Indizien erhärtet. Auch 18 EHEC-Patienten aus dem Landkreis Cuxhaven hätten in einer Kantine Sprossen aus dem Betrieb verzehrt, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne am Mittwoch. Zudem habe sich herausgestellt, dass dort eine dritte Mitarbeiterin Anfang Mai an Durchfall gelitten habe. Die bundesweite EHEC-Welle könne aber weiterhin auf mehrere Ausbruchsherde zurückgehen, betonte er.

Nach Angaben des Ministeriumssprechers wurden in dem Betrieb im Landkreis Uelzen mittlerweile über 750 Proben gezogen, um sie auf EHEC zu untersuchen. Bislang sei der Erreger in Proben aus dem Betrieb noch nicht nachgewiesen worden, sagte Hahne. Fest stehe nunmehr aber, dass dort drei im selben Bereich tätige Frauen nacheinander am 6., 11. und 12. Mai an Durchfall erkrankten. Bei einer dieser Mitarbeiterinnen habe man definitiv EHEC festgestellt.

Möglicherweise habe eine der Frauen, “den Erreger in den Ablauf des Betriebes eingespeist“, sagte der Ministeriumssprecher weiter. Dafür spreche der frühe Zeitpunkt der Erkrankungen. Zudem hätten die teilzeitbeschäftigten Frauen auch Sprossen verpackt. Sie könnten sich aber auch erst in dem Betrieb mit dem Erreger infiziert haben.

Stammt der EHEC-Erreger aus diesem Bauernhof?

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Auch zwei EHEC-Patienten in Cuxhaven wiesen Verbindungen zu dem verdächtigen Hof auf, erklärte Lindemann. “Das sind Betroffene, die Produkte aus Bienenbüttel konsumiert haben.“ Der Landkreis Cuxhaven ist mit mehr als 60 EHEC-Erkrankten der Schwerpunkt der Epidemie in Niedersachsen. Der Gärtnerbetrieb hatte meist über Zwischenhändler Sprossen an zahlreiche Restaurants, Hotels und Kantinen geliefert, deren Gäste teils dutzendfach an EHEC erkrankten. Betroffen waren unter anderem ein Golfhotel im Kreis Lüneburg, ein Restaurant in Lübeck sowie Kantinen in Darmstadt und Frankfurt am Main.

Allerdings hatten die EHEC-Fahnder bislang direkten keinen Erfolg auf dem Hof: In den ersten 23 von 40 Proben fand sich keine EHEC-Erreger. Auch eine alte, im Kühlschrank vergessene Sprossenpackung eines EHEC-Patienten war frei von den Bakterien.

Unterdessen haben Ärzte der Universitätskliniken Greifswald und Bonn Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte der Transfusionsmediziner Andreas Greinacher vom Universitätsklinikum Greifswald.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Die Autoantikörper verursachten einen Anstieg eines Gerinnungsfaktors, wodurch die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebennieren eingeschränkt sei. Sie werden nur von einigen EHEC-Patienten gebildet. Inzwischen wurden erste schwer erkrankte Patienten mit einer speziellen Blutwäschetherapie behandelt. “Die ersten Entwicklungen bei den Blutwerten stimmen uns optimistisch.“

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) rief erneut zum Blutspenden auf. In den vergangenen drei Wochen seien allein am UKE mehr als 6000 Plasmakonzentrate für die Versorgung der HUS-Patienten eingesetzt worden, berichtete eine Sprecherin. “Das entspricht etwa der Menge an Plasma, die sonst in drei bis vier Monaten gebraucht wird.“ Die Reserven müssten vor allem mit Blick auf die nahenden Sommerferien möglichst schnell wieder aufgefüllt werden.

Derzeit sind bundesweit rund 3000 EHEC-Fälle und -Verdachtsfälle registriert. Mindestens 21 Menschen sind nach Angaben von Behörden gestorben. In den stark betroffenen Ländern Hamburg und Niedersachsen flachte der Anstieg der Infektionszahlen zuletzt ab. Dagegen war die Zahl der Neuinfizierten in Schleswig-Holstein deutlich gestiegen.

Außerhalb Deutschlands gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt schon über 100 EHEC und HUS-Fälle. Bei HUS kann es unter anderem zu Nierenversagen kommen.

dpa

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