"Eine Schande"

Drogen-Baron floh durch  heimlich gegrabenen Tunnel

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Der Drogenboss entkam durch die Duschkabine in seiner Zelle. Foto: Stringer

Mexiko-Stadt - Nach der filmreifen Flucht durch einen heimlich gegrabenen Tunnel des mexikanischen Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán aus einem Hochsicherheitsgefängnis läuft die Fahndung auf Hochtouren.

Ermittler verhörten am Sonntag (Ortszeit) rund 30 Angestellte des Altiplano-Gefängnis westlich von Mexiko-Stadt wegen des Verdachts, dass Guzmán Helfer innerhalb der Gefängnismauern hatte. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto bezeichnete den erneuten Ausbruch des Drogenbarons als "Affront gegen den Staat".

Guzmán, zeitweise der meistgesuchte Verbrecher der Welt und milliardenschwerer Chef eines weltumspannenden Drogenkartells, war am Samstagabend durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel unter seiner Zellendusche aus dem Hochsicherheitsgefängnis getürmt. Der Chef des berüchtigten Sinaloa-Kartells verbrachte lediglich 17 Monate hinter Gittern, erst im Februar 2014 hatten Fahnder ihn nach 13 Jahren auf der Flucht gefasst. Präsident Peña Nieto hatte seinerzeit in einem Fernsehinterview gesagt, sollte "El Chapo" ein weiteres Mal die Flucht gelingen, wäre das "absolut unverzeihlich".

Die Umstände von Guzmáns Flucht wecken den Verdacht, dass er Hilfe von Gefängnismitarbeitern bekam. "El Chapo" habe seine Flucht vermutlich seit dem Tag seiner Inhaftierung geplant und bei seinem Ausbruch "sehr große Unterstützung innerhalb und außerhalb" des Gefängnisses gehabt, sagte der Sicherheitsexperte Raúl Benítez Manaut von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko.

Der Drogenboss entkam durch ein 50 mal 50 Zentimeter großes Loch im Boden seiner Zellendusche, das zu einem 1,5 Kilometer langen Tunnel führte. Dieser endete unter einem einsam gelegenen Rohbau in sicherem Abstand zum Gefängnis. Die Ermittler veröffentlichten Videoaufnahmen aus dem grauen Ziegelsteinbau. Darin ist zu sehen, dass der Rohbau über eine Küche und einen Schlafraum verfügte - die Tunnelbauer wohnten offenbar längere Zeit in dem Gebäude. Der 1,70 Meter hohe und 80 Zentimeter breite Fluchttunnel verfügte über ein Belüftungs- und Beleuchtungssystem sowie ein auf Schienen montiertes Motorrad, mit dem offenbar der Aushub und Werkzeug transportiert wurden.

Die mexikanischen Behörden lösten eine Großfahndung nach dem 58-Jährigen aus. Am Flughafen der nahe gelegenen Stadt Toluca wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt, landesweit wurden Straßensperren eingerichtet. Das benachbarte Guatemala verschärfte die Kontrollen an den Grenzen - in Guatemala war Guzmán 1993 ein erstes Mal gefasst worden.

Der Drogenbaron war im Jahr 2001 bereits ein erstes Mal aus dem Gefängnis ausgebrochen. Damals gelang ihm die Flucht, indem er sich in einem Wäschewagen versteckte. Sollte Guzmán nach seinem neuerlichen Ausbruch nicht binnen 48 Stunden gefasst werden, werde er "wieder die vollständige Kontrolle über das Sinaloa-Kartell erlangt haben", warnte der frühere Einsatzleiter der US-Drogenfahndung DEA, Mike Vigil, der Nachrichtenagentur AFP. Sollte ihm die Flucht in seinen Heimatstaat Sinaloa gelingen, könnte er sich in der dortigen Gebirgsregion verstecken. "Dann wird es sehr schwer ihn zu fassen, weil er den Schutz der Dorfbewohner genießt." US-Justizministerin Loretta Lynch bot Mexiko Hilfe bei der Fahndung nach Guzmán an.

Das Sinaloa-Kartell kontrolliert weite Teile des Drogengeschäfts in Mexiko und schmuggelt Drogen in die USA und bis nach Europa und Asien. Mit konkurrierenden Banden liefert es sich einen blutigen Krieg um die Kontrolle des Rauschgifthandels. Dabei wurden seit Ende 2006 nach jüngsten Angaben mehr als 80.000 Menschen getötet.

AFP

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