Der Elektrorasierer wird 80 Jahre alt

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Seit 80 Jahren rasieren sich Männer elektrisch

New York - Manche finden ihn lästig, andere männlich: den Bart. Seit Jahrtausenden versuchen Männer, sich der Gesichtshaare zu erwehren - seit 80 Jahren auch elektrisch. Seitdem herrscht Streit: nass oder trocken?

Der Konflikt zieht sich seit Generationen hin und wird auf der ganzen Welt ausgetragen. Im Ziel sind sich beide Seiten einig, aber beim Weg trennen sie Welten. Die Orthodoxen beharren auf der ursprünglichen Lehre, die Reformierten betonen, ihre vereinfachte Praxis sei zeitgemäßer: trockene oder Nassrasur. Fast überall streiten Männer über den besten Weg zum glatten Gesicht. Und das seit jetzt 80 Jahren: Am 18. März 1931 kam der erste Elektrorasierer auf den Markt.

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Bärte galten immer als männlich. Gerade in archaischen Kulturen wurden sie mit Stärke gleichgesetzt und noch heute muss man in manchen Regionen rasierte Männer suchen. Die Römer betrachteten Bärte hingegen als barbarisch. Aber es gab immer Moden: Von den 44 US-Präsidenten zum Beispiel waren die ersten 15 glattrasiert. Dann kam Abraham Lincoln (1809-1865), der bartlos gewählt, aber schon mit Bart vereidigt wurde. Fortan wurden, mit nur einer Ausnahme, nur noch Bärtige gewählt, bis diese Periode genau ein halbes Jahrhundert später wieder endete. Seitdem hatte kein bärtiger Bewerber eine Chance.

Genau zu der Zeit meldete der Einwanderer Johann Bruecker einen Rasierer zum Patent an. Mit Mechanik wollte er den pro Gesicht 15 000 Haaren beikommen, die hart wie Kupferdraht sind und pro Tag einen halben Millimeter wachsen. Doch das ratternde Ding mit Aufzugsmotor wurde nie marktreif. Erst der Elektromotor sorgte dafür, dass sich Männer von 1931 an nicht mehr eine Stahlklinge an den Hals setzen müssen.

“Die Zeit war einfach reif für etwas Neues“, sagt Pieter van Groos, Entwicklungschef beim Elektrogeräte-Hersteller Philips. “Überall hielt die Technik Einzug, nur beim täglichen Rasieren wurden noch scharfe Klingen benutzt. Und die waren bei weitem nicht so gut wie heute, da hat man sich jeden Tag geschnitten.“ Der moderne Rasierapparat kam gerade recht, auch wenn er mit 15 Dollar teuer war in einer Zeit, in der ein Brot neun Cent kostete. Der erste Rasierer von Philips kam 1939 auf den Markt. “Er hatte nur einen runden Scherkopf und wurde spöttisch “Zigarre“ genannt. Und trotzdem: Die Leute wollten so etwas.“

“Man sollte nicht vergessen, dass die Menschen damals noch zum Barbier mussten, wenn sie eine ordentliche Rasur wollten“, sagt Jürgen Höser, Entwickler bei der Firma Braun. Nach dem Krieg schnellte der Anteil der sich elektrisch rasierenden Männer in nicht einmal zehn Jahren von 1,5 auf 40 Prozent hoch. Höser vergleicht die Situation damals mit der in China heute: “Die Leute hatten plötzlich mehr Geld und wollten etwas Neues. Und was passt da besser, als archaische Messer mit moderner Technik zu ersetzen.“ Und tatsächlich: “Auch in China gibt es seit Jahren den Trend zur Elektrorasur.“

Und doch nutzen in Europa immer noch mehr Männer Schaum statt Strom, um sich vom Barthaar zu befreien. “Die Nassrasur ist einfach gründlicher“, sagt Robin Vauth, Chef des Klingenherstellers Wilkinson. “Für viele ist der anschließende Klatsch Wasser ins Gesicht einfach der Start in den Tag.“ Auch für die Haut sei das besser: “Das ist ein tägliches Peeling. Deshalb raten Hautärzte zur Nassrasur.“

“Aber die elektrischen sind sicherer“, sagt Braun-Ingenieur Höser. “Man kann sich beruhigt mit einem weißen Hemd rasieren, ohne Angst vor Blut oder Schaum zu haben.“ Und vor allem könne man sich überall rasieren, ob im Büro, im Auto oder im Flugzeug. “Es ist einfacher und es ist einfach billiger“, sagt Philips-Entwickler van Groos. “Klingen kosten heutzutage ein Heidengeld.“ Nicht umsonst stehen die bis zu 5,50 Euro teuren Klingen auf den Hitlisten der Ladendiebe ganz oben.

Aber keiner wagt den Ausblick, was die Zukunft bringt. Längst gibt es Elektrorasierer, die auch mit Schaum funktionieren. Oder Nassrasierer mit Batterie, die per Vibration die Haare aufstellen sollen. Laserrasierer sind noch Zukunft, ebenso die Klinge, die den Rasierschaum gleich mitbringt. Und so kann der Glaubenskrieg weitergehen. “Rasieren ist schließlich etwas Hochemotionales“, sagt Kristina Vanoosthuyze, Chefentwicklerin bei Gillette und eine der wenigen Frauen in der Männerdomäne. “Immer wieder sagen mir Männer: Eine schlechte Rasur versaut mir den ganzen Tag.“

dpa

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