Chile: Erstes Video der verschütteten Bergleute

Chile - Die Regierung in Chile hat jetzt das erste Video der 688 Meter unter der Erde verschütteten Bergleute veröffentlicht. Es zeigt, unter welchen Umständen die 33 Kumpel ausharren müssen.

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Die von Mini-Kameras gefilmten Bilder zeigen die Männer mit freien Oberkörpern. Sie sind verschwitzt, dreckig und bärtig. Aber die Moral der Truppe stimmt. Es wird viel gelacht. Weiße Zähne blitzen in dunklen Gesichtern. Leuchtende Augen stechen hervor. Es gibt viel Schulterklopfen.

“Viele Grüße an meine Familie. Holt uns bitte hier raus“, ruft einer der Kumpel und dann schwenkt die Kamera durch den kleinen Schutzraum. Am Tisch sitzen Männer und spielen Domino. Neuer Schwenk auf die Wand. Dort sind einige kleine Schränke befestigt. In einem stehen Fläschchen. Vermutlich Shampoo. Dann ein Kasten mit einem großen Roten Kreuz.

Inzwischen wissen die Männer, dass sie wohl noch bis Weihnachten in ihrem unterirdischen Verließ ausharren müssen, ehe sie das Licht der Sonne wieder erblicken. Doch die Stimmung ist gut. Immer wieder recken die Kumpel erhobene Daumen in die Kamera, andere formen mit Zeige- und Mittelfinger das “Victory“-Zeichen für Sieg.

Den Arbeitern - 32 Chilenen und ein Bolivianer - steht nicht nur der etwa 50 Quadratmeter große Schutzraum zur Verfügung. Sie können ein etwa zwei Kilometer langes Tunnelsystem nutzen. Für Licht sorgen Grubenfahrzeuge, die auch auf den Bildern mit hellen Scheinwerfen umherfahren. “Das ist unser Casino“, sagt Mario Sepúlveda und führt die Kamera in den kleinen Aufenthaltsraum. “Hier unterhalten wir uns, hier halten wir täglich Versammlungen ab, planen, beten“, erzählt der “Minero“, der einen roten Helm trägt, in dem etwa halbstündigen Video. Ein Bild zeigt das Thermometer. “29,5“ Grad steht darauf. Oft herrschen in der Tiefe aber Temperaturen von bis zu 35 Grad. Auch Zeitschriften mit Bildern von nackten Frauen werden auf einem Kameraschwenk nicht ausgespart.

Dann senden die Kumpel noch einzeln Grüße. Einigen versagt dabei die Stimme. “Kümmere Dich doch bitte darum, dass die Firma den Lohn weiter zahlt“, bittet einer von ihnen seine Ehefrau. Ein anderer dankt dem chilenischen Volk für die Unterstützung. Die Männer, die seit dem 5. August in der Mine in der Atacama-Wüste, rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago verschüttet wurden, sind “oben“ schon längst Helden.

Zum Schluss singen sie mit krächzender Stimme die chilenische Nationalhymne. Nach mehr als drei Wochen in der Tiefe ist für Samstag der “Tag Eins“ der entscheidenden Phase der langen Rettungsaktion geplant. Dann soll sich ein Spezialbohrer Tag für Tag tiefer ins Erdreich graben, um einen Schacht zur Bergung der Kumpel nach unten zu treiben.

dpa

Rubriklistenbild: © ap

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