Ex-Terroristen schweigen in RAF-Prozess gegen Becker

Verena Becker
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Die angeklagte ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker.

Stuttgart - Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker wegen des Buback-Attentats von 1977 haben die beiden früheren Terroristen Stefan Wisniewski und Günter Sonnenberg als Zeugen die Aussage verweigert.

Der 56-jährige Sonnenberg und der 57-jährige Wisniewski machten am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart lediglich einige Angaben zu ihrer Person.

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland appellierte mehrfach an die beiden Zeugen, auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht zu verzichten. Es gebe “höhere Werte“, “nämlich eine Moral und ein Gewissen“, sagte Wieland. Er forderte Sonnenberg und Wisniewski “im Namen der Gesellschaft, der Opfer und ihrer Angehörigen“ auf, zu sagen, was sie über den Anschlag wissen.

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Eine der Aufsehen erregendsten AKtionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hans-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln.
Eine der Aufsehen erregendsten Aktionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln. © dpa
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers.
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers. © dpa
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen...
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen... © dpa
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen.
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen. © dpa
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden.
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden. © dpa
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert.
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert. © dpa
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet.
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet. © dpa
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader.
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader. © dpa
Ulrike Meinhof.
Ulrike Meinhof. © dpa
Gudrun Ensslin.
Gudrun Ensslin. Zusammen mit Baader und Meinhof war sie lange die treibende Kraft der RAF. © dpa
Brigitte Mohnhaupt.
Im folgenden weitere Terroristen, die für die RAF brutal aktiv waren: Brigitte Mohnhaupt. © dpa
Rolf Heißler. © dpa
Jan Carl Raspe.
Jan Carl Raspe. © dpa
Rolf-Clemens Wagner.
Rolf-Clemens Wagner. © dpa
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette.
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. © dpa
Knut Volkerts.
Knut Volkerts. © dpa
Peter-Jürgen Boock.
Peter-Jürgen Boock. © dpa
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiehit entlassen wird.
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiheit entlassen wird. © dpa
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben.
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben. © dpa
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab.
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab. © dpa

Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte ausgesagt, dass er Wisniewski als den wahren Todesschützen beim Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback ansieht und Sonnenberg als Fahrer des damals genutzten Motorrads. Weder Wisniewski noch Sonnenberg wurden aber bislang wegen des Buback-Attentats verurteilt.

Gegen Wisniewski ermittelt die Bundesanwaltschaft seit April 2007 im Fall Buback - bislang aber ohne greifbares Ergebnis. Zeugen müssen laut Strafprozessordnung nicht aussagen, wenn ihnen dadurch die Gefahr droht, wegen einer Straftat verfolgt zu werden.

Sonnenberg war im Mai 1977 - also einen Monat nach dem Buback-Attentat vom 7. April 1977 - in eine Schießerei mit der Polizei verwickelt, wo er durch einen Kopfschuss schwer verletzt wurde. Danach lag er vier Wochen im Koma.

Das Verfahren zum Buback-Mord wurde bei Sonnenberg 1982 eingestellt, und zwar mit Blick darauf, dass er bereits im April 1978 wegen Mordversuchs an zwei Polizisten zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden und wegen seiner Kopfverletzung dauerhaft gesundheitlich beeinträchtigt war. Im Mai 1992 wurde Sonnenberg auf Bewährung entlassen. 

Sonnenberg umarmt Becker herzlich

Mit Blick auf seine Haftzeit sagte Sonnenberg am Donnerstag, er habe sich 13 Jahre lang in “Totalisolation“ befunden. Nachdem er aus dem Koma erwacht sei, sei er im Alter von 22 Jahren “neu zur Welt gekommen“. Sonnenberg gab weiterhin an, dass er keinen Beruf ausübt und von Hartz IV lebt. Wisniewski gab als Beruf Seemann an. Auffällig war, dass Sonnenberg die Angeklagte Becker herzlich umarmte, als er den Gerichtssaal betrat.

Welches RAF-Mitglied am 7. April 1977 vom Soziussitz des Motorrads aus die tödlichen Schüsse an einer Karlsruher Kreuzung abfeuerte, ist bis heute ungeklärt. Wegen des Buback-Attentats wurden die RAF-Terroristen Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt als “Mittäter“ verurteilt.

Nebenkläger Michael Buback hält Becker für die Todesschützin beim Mord an seinem Vater. Die Bundesanwaltschaft sieht die 58-jährige Angeklagte hingegen lediglich als Mittäterin an.

Am Nachmittag sollten auch der frühere RAF-Terrorist Rolf Heißler und die Ex-Frau Boocks, Waltraud Liewald, als Zeugen vernommen werden.

dapd

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