Ex-Todeskandidatin

Milke erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Justiz

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Debra Milke saß wegen Mordverdachts seit 1990 hinter Gittern.

Phoenix - Nach einem jahrzehntelangen Rechtsstreit um die ehemalige US-Todeskandidatin Debra Milke hat sich die gebürtige Berlinerin öffentlich zu dem Fall geäußert. Sie macht der US-Justiz schwere Vorwürfe.

"Ich hatte absolut nichts mit dem brutalen Mord an meinem Sohn zu tun", sagte die gebürtige Berlinerin am Dienstag bei einer Pressekonferenz nach der Einstellung ihres Verfahrens. Sie habe immer daran geglaubt, dass ihre Unschuld bewiesen würde. "Ich habe nur nicht gedacht, dass es 25 Jahre, drei Monate und 14 Tage dauern würde, um so einen eklatanten Justizirrtum zu berichtigen", sagte die 51-Jährige.

Milke war 1990 in Arizona zum Tode verurteilt worden, weil sie zwei Männer zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn Christopher angestiftet haben soll. Das Urteil stützte sich vor allem auf die Aussage des leitenden Ermittlers Armando Saldate, dem Milke ihre Beteiligung an dem Verbrechen angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen. Die damaligen Geschworenen erfuhren auch nicht, dass Saldate bereits wegen Falschaussage unter Eid aufgefallen war.

Milke - Tochter einer Deutschen und eines US-Bürgers - beteuerte stets ihre Unschuld. Ein Bundesberufungsgericht kippte im März 2013 schließlich das umstrittene Todesurteil. Im darauffolgenden September durfte Milke das Gefängnis gegen Kaution verlassen. Die Staatsanwaltschaft von Arizona klagte die gebürtige Berlinerin aber zum zweiten Mal an und erklärte, erneut die Todesstrafe zu fordern. Allerdings wollte Saldate nicht noch einmal in den Zeugenstand treten, weil er befürchtete, sich mit einer Aussage selbst zu belasten.

Vergangenen Dezember hob ein Berufungsgericht in Arizona die Anklage wieder auf, weil laut US-Recht niemand für dasselbe Verbrechen zwei Mal vor Gericht gestellt werden dürfe. Der Oberste Gerichtshof von Arizona lehnte es vergangene Woche ab, sich mit einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts zu befassen. Daraufhin stellte das Bezirksgericht von Maricopa County bei Phoenix am Montag das Verfahren gegen Milke endgültig ein.

"Ich habe bei Herrn Saldate kein Geständnis abgelegt", bekräftigte Milke in der Pressekonferenz. Ein Kind durch einen Mord zu verlieren sei "eine verheerende Tragödie mit einem unbeschreiblichen Schmerz". Noch schlimmer sei aber, fälschlich beschuldigt zu werden, am Tod des eigenen Kindes beteiligt gewesen zu sein. "Mein kleiner Sohn Christopher bedeutete alles für mich", sagte sie. "Ich vermisse ihn schrecklich und ich denke jeden Tag an ihn."

US-Medienberichten zufolge reichte Milke Zivilklage gegen die verantwortlichen Behörden ein und könnte eine hohe Schadenersatzsumme erstreiten. Die beiden Männer, die Milkes Sohn im Dezember 1989 ermordeten, warten in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung.

afp

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