Familie bangt weiter: Menschenrechtler aus Kiel vermisst

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Die syrische Hauptstadt Damaskus: In Kiel bangt die Familie eines bei seiner Ausreise in Syrien verhafteten Menschenrechtlers weiter um das Leben des 50-Jährigen.

Kiel - Die Familie des in Syrien vermissten Kieler Menschenrechtlers bangt weiter um das Leben des 50-Jährigen. Seit der Mann kurz vor seiner Ausreise verhaftet wurde, gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm.

Die Familie habe “überhaupt keine Information, wir wissen nichts“, sagte seine Tochter Farah Abdi am Donnerstag in Kiel. Es sei nicht bekannt, ob der Jurist noch am Leben sei und wenn ja, wo er sich aufhalte.

Schleswig-Holsteins Flüchtlingsbeauftragter Wulf Jöhnk forderte die Landesregierung auf, vorerst keine Abschiebungen nach Syrien vorzunehmen.

Der Deutsch-SyrerIsmail Abdi war am 23. August kurz vor der Ausreise aus Syrien am Flughafen Aleppo ohne Angabe von Gründen vor den Augen seiner Familie festgenommen worden. “Seitdem liegt kein Lebenszeichen von meinem Vater vor“, sagte seine Tochter.

Die Familie gehe davon aus, dass der in Kiel als Taxifahrer arbeitende Jurist wegen seines Einsatzes in Deutschland für die Menschenrechte in seinem Heimatland festgehalten wird.

Der im Komitee zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten und Menschenrechte in Syrien engagierte Abdi hatte vor Monaten im Internet eine Liste mit Namen von Verschwundenen und gefolterten Menschen in Syrien veröffentlicht.

Sorge um medizinische Versorgung

Sorgen bereitet der Familie die medizinische Versorgung des Asthmatikers. Abdi leidet auch unter Migräne. Er hatte bereits zum vierten Mal seit Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft 2006 Syrien besucht. Der Besuch im Sommer galt der im Sterben liegenden Mutter des vierfachen Vaters. “Durch den deutschen Pass hat er sich sicher gefühlt“, sagte die Tochter.

Abdi war in Syrien als Rechtsanwalt tätig. Er lebt seit 13 Jahren mit seiner Familie in Kiel. “Wir bitten die deutschen Behörden, alles zu tun, um unseren Vater aufzufinden“, sagte die Tochter. Die Situation werde durch die Doppelstaatsbürgerschaft erschwert, sagte Astrid Willer vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein.

Für das Auswärtige Amt sei es in solchen Fällen oft schwer, Informationen aus dem Herkunftsland zu bekommen. Die syrische Regierung gebe unter Hinweis auf die syrische Staatsangehörigkeit des Mannes keine Auskünfte. Syrien entlasse seine Bürger nicht aus der Staatsbürgerschaft, selbst wenn sie eine andere angenommen haben. Der Referent des Landes-Flüchtlingsbeauftragten, Torsten Döring, forderte die syrischen Behörden auf, etwaige Tatvorwürfe gegen Abdi bekannt zu machen.

dapd

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