Lange Haftstrafen

Flüchtling auf Amrum ermordet: Angeklagte  verurteilt

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Zwei wegen wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes und Diebstahls angeklagte Männer stehen im Landgericht zwischen ihren Anwälten Burkhard Gerling (l) und Klaus Husmann.

Zwei Männer sollen auf Amrum einen Flüchtling getötet und anschließend in den Dünen vergraben haben. Der 27-Jährige wird monatelang vermisst, dann die traurige Gewissheit: Er ist tot.

Flensburg - Wegen Mordes an einem Flüchtling auf der Insel Amrum hat das Landgericht Flensburg die beiden Angeklagten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein zur Tatzeit 19-Jähriger bekam eine Jugendstrafe von siebeneinhalb Jahren, ein zur Tatzeit 26-Jähriger eine lebenslange Strafe. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die

beiden Deutschen den Flüchtling aus dem Irak im April 2017 mit Tötungsabsicht unter einem Vorwand in die Dünen der Nordseeinsel lockten und dort töteten

. Anschließend vergruben sie die Leiche zwei Meter tief im Sand. Sie wurde erst Monate später gefunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die angeklagten Männer kannten sich seit längerem, der ältere Angeklagte lebte mit seiner minderjährigen Freundin und deren Mutter im selben Haus wie das spätere Opfer. Die Freundin des heute 27-Jährigen ist auch die Schwester des heute 20-Jährigen.

Das von der Polizeidirektion Flensburg zur Verfügung gestellte Foto zeigt Polizisten des Technischen Zuges und der Bereitschaftspolizei, die an der Südspitze der Insel Amrum im Oktober 2017 nach der Leiche suchten. 

Als die Vorsitzende Richterin ihr Urteil begründet, sitzen die beiden Männer zunächst regungslos da. Zwischendurch schüttelt der jüngere der beiden immer wieder den Kopf, als könne er nicht glauben, was er da hört, nicht glauben, wie das Gericht einige Zeugenaussagen bewertet. Die Verteidiger der Männer hatten am vorherigen Prozesstag auf Totschlag plädiert. Sie gingen anders als Staatsanwaltschaft und jetzt das Gericht nicht davon aus, dass ein Tötungsvorsatz von Anfang an gegeben war. Vielmehr sei es im Lauf des Abends dazu gekommen.

Nach Ansicht der Kammer konfrontierte der ältere Angeklagte seine Freundin am Tattag mit Fotos, die sie und den Flüchtling in „vertrauter Pose“ zeigten. Der Iraker und die Frau unterhielten im Sommer 2016 eine Flirt, hatten „möglicherweise auch sexuellen Kontakt“, wie die Richterin sagte. Ob es damals tatsächlich eine Vergewaltigung gegeben habe oder diese von der Frau erfunden worden sei, um sexuelle Kontakte zu verschleiern, könne offen bleiben.

Täter lockten Opfer mit Vorwand in Dünen von Amrum

Der Ältere kontaktierte den Bruder seiner Freundin, gemeinsam klingelten sie bei ihrem späteren Opfer, um mit ihm etwas trinken zu gehen. Sie gingen mit ihm in die Dünen, die in einiger Entfernung von der Ortschaft lagen. Sie tranken laut Richterin zusammen. Und sie konfrontierten den 27-jährigen Iraker mit dem Vergewaltigungsvorwurf. Der Jüngere schlug das Opfer dann - wie verabredet - mit einer Flasche nieder. Später stachen die beiden Männer mit mindestens einem Messer zu. Das Opfer habe keinen Anlass gehabt, mit einem tödlichen Angriff zu rechnen. „Es war arg- und wehrlos“, sagte die Richterin.

Bei der ganzen Aktion gingen die beiden Täter nach Überzeugung des Gerichts planvoll vor: Sie nahmen ein Messer mit, suchten einen plausiblen Grund, damit der 27-Jährige mit in die Dünen kommt und verabredeten ein Zeichen für den Angriff. Nachdem sie den Mann getötet hatten, verscharrten sie ihn erst notdürftig im Sand, bevor sie am nächsten Tag ein tiefes Loch aushoben und ihn dort vergruben. Wenige Tage später verließen sie die Insel, da die Suche nach dem verschwundenen Flüchtling begann.

Mitte Mai 2017 gab die Polizei eine Vermisstenmeldung heraus, zu diesem Zeitpunkt wurde noch vermutet, dass die drei Männer gemeinsam die Insel verlassen haben. An ein Verbrechen dachte zunächst niemand. Im Juli wurden die jetzt Verurteilten erstmals wieder auf Amrum wahrgenommen. Wo sie sich aufgehalten haben und wo ihr Bekannter war, wollten sie nicht sagen. Bei den Ermittlern wuchs zu diesem Zeitpunkt die Befürchtung, dass der Iraker einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Im Oktober dann wurden die beiden Männer festgenommen.

dpa

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