Testspiel-Niederlage

1:3 gegen die Slowakei: Die wichtigsten Erkenntnisse

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Vor der EM gibt es für das DFB-Team noch viel zu tun.

München - Die deutsche Nationalmannschaft hat ihren vorletzten Test gegen die Slowakei verloren. Was ist schief gelaufen, was muss sich vor der EM noch ändern?

Update vom 10. Juni 2016 : Der Sieg gegen Deutschland kam überraschend. Doch kann die Slowakei das auch in die EM tragen? Wir haben für Sie zusammengefasst, wie und wo Sie das Spiel Wales gegen Slowakei live im TV und Live-Stream sehen können.

Update vom 30. Mai: Am Dienstag präsentiert Bundestrainer Jogi Löw den finalen Kader für die EM 2016 in Frankreich. Wir haben bereits zusammengefasst, wie die Präsentation abläuft und wer die Wackelkandidaten sind.

Fehler im System 

Am 29. März probierte Bundestrainer Joachim Löw gegen Italien eine Dreier-Abwehr aus. Ergebnis: 4:1. Experiment: geglückt. In Augsburg der nächste Test, zumindest in der ersten Halbzeit. Ergebnis: 1:2 (zur Pause), Experiment: missglückt. Die Gründe, laut Jerome Boateng: "Schlecht angelaufen, dem Gegner zu viel den Ball überlassen, keine Zweikämpfe angenommen." Die Folge: Löw stellte nach der Pause auf das gewohnte 4-2-3-1 um. Die Erkenntnis laut Abwehrchef Boateng: "Wir haben auf alle Fälle viel zu tun in der Defensivarbeit." 

Die Weltmeister wackeln 

Mannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels stehen vor der EM-Nominierung am Dienstag auf der Kippe. "Natürlich entscheiden die Mediziner bei dem ein oder anderen Spieler ein bisschen mit", sagt Bundestrainer Joachim Löw, er werde sich danach richten, wenn ihm signalisiert wird, "der oder der Spieler wird die nächsten Wochen nicht belastbar sein. Ich möchte bei den verletzten Spielern schon das Okay vom Arzt haben, dass es keine Risiken für die nächsten Wochen birgt." Erkenntnis: Die Weltmeister wackeln. 

Die Jungen müssen zittern 

Julian Brandt, Joshua Kimmich, Leroy Sané und Julian Weigl sollten Werbung in eigener Sache betreiben. Der Debütantenball war jedoch ein Muster ohne Wert, weil die zweite Halbzeit mehr oder weniger ins Wasser fiel. Der eingewechselte Brandt versprühte immerhin ein wenig Esprit, Kimmich wurde Opfer des missglückten Experiments mit der Dreier-Abwehr, Sané wirkte sehr gehemmt, der ebenfalls hereingekommene Weigl war inmitten der schwäbischen Seenplatte kaum zu bewerten. Erkenntnis laut Löw: "Dieses Spiel alleine gibt nicht den Ausschlag." 

Auf Mario Gomez scheint Verlass 

Als es am Sonntag im Spiel gegen die Slowakei Elfmeter gab, holte sich Gomez in aller Ruhe den Ball und verwandelte trotz eines Ausrutschers sicher. Auch davor und danach zeigte er in einigen Szenen, dass sich Löw auf ihn verlassen können wird, ein paar Laufwege, sagt er, müssten halt noch abgestimmt werden. Erkenntnis: Gomez strahlt Selbstbewusstsein aus - und große Gelassenheit. Was, wenn er nicht eingesetzt wird? "Das werde ich auch akzeptieren", sagt er, "ich bin da völlig entspannt. Ich habe in der Hinsicht keinen Druck." 

Die Ersatztorhüter wirken unsicher 

Ein Spiel, in dem Marc-André ter Stegen nicht durch einen blöden Patzer auffällt, ist kein Länderspiel. "Ich weiß, dass er so einen Ball normalerweise hält", sagte Löw zum Treffer der Slowaken zum 1:3. Nur: Normalweise kommt bei ter Stegen in der Nationalmannschaft oft eben nicht vor. Und Bernd Leno, nun ja, beim zweiten Gegentreffer sah auch er ein bisschen unbeholfen aus. Erkenntnis: Löw und sein "BTT" Andreas Köpke mögen Vertrauen in beide Torhüter haben, dennoch wäre es beruhigend zu wissen, dass Manuel Neuer gesund bleibt. 

Die Nominierung wird schwierig 

Bundestrainer Joachim Löw wird sich erst kurz vor knapp entscheiden, wer die 23 Mann in seinem EM-Kader sein werden. Die Deadline ist Dienstag, 24.00 Uhr. Vier Spieler muss er noch streichen - und Spieler wie Schweinsteiger und Hummels werden zum EM-Auftakt (12. Juni gegen die Ukraine) nicht fit sein. "Wichtig ist", erläutert Löw, "wie sich die Spieler in den letzten Monaten in den Vereinen und in Ascona in den Trainingseinheiten präsentiert haben." Erkenntnis: So gesehen müsste es auch für Mario Götze eng werden. Wird es aber nicht.

Noten zur Deutschland-Pleite: Zwei kassieren die 5

Deutschland - Slowakei
Bernd Leno: War 40 Minuten beschäftigungslos und musste den Ball dann plötzlich zweimal innerhalb von drei Minuten aus dem Netz holen. Bei Hamsiks Hammer machtlos (41.), ebenso beim Kopfball von Duris (44.). Note: 4 © dpa
Marc Andre ter-Stegen
ab 46. Marc-Andre ter Stegen: Ihn erwischte es noch schlimmer als Leno. Gleich der erste Schuss auf sein Tor ging rein – durch ter Stegens Hosenträger. Note: 5 © dpa
Joshua Kimmich: Spielte so auf, wie Jogi Löw sich das vorgestellt hatte – selbstbewusst und unbekümmert. Als rechter Part der Dreierkette machte der FCB-Youngster seine Sache gut und schaltete sich auch mit nach vorne ein. Beim 1:2 kam er leider einen Schritt zu spät. Note: 4 © AFP
Andre Schürrle
ab 75. Andre Schürrle: o.B. © dpa
Deutschland - Slowakei
Jerome Boateng: Der Abwehrboss ließ die geschmacklosen Äußerungen aus Politikerkreisen aber an sich abprallen, machte eine gute Partie – und hätte beinahe sogar ein Tor erzielt. (3.). Lediglich vor dem Ausgleich zu zögerlich. Note: 3 © dpa
Benedikt Höwedes
ab 64. Benedikt Höwedes: o.B. © dpa
Antonio Rüdiger: Viel Gefahr ging von den Slowaken in Hälfte eins nicht aus. Doch wenn, dann über die von Rüdiger und Hector bewachte linke Seite. Dem Roma-Legionär fehlte Souveränität und Stabilität. Note: 5 © AFP
Deutschland - Slowakei
Sebastian Rudy: In der Bundesliga bei 1899 Hoffenheim meist unauffällig, bei Löw aber fester Bestandteil des Kaders. Erlaubte sich keine großen Fehler, doch im Spiel nach vorne war Rudy viel zu harmlos. Note: 4 © dpa
Jonas Hector
Jonas Hector: Der Kölner ist bei Löw so unantastbar wie sonst nur die Topstars. Hinten links konkurrenzlos, durfte daher auch 90 Minuten ran. Erwischte dabei aber einen seiner schwächeren Tage. Note: 4 © dpa
Deutschland - Slowakei
Sami Khedira: Führte das junge Team als Kapitän aufs Feld und war sehr präsent. Gute Zuspiele in die Spitze, vor dem 1:1 allerdings zu zaghaft. Kommt aber auch gerade erst nach einer Verletzung zurück. Note: 3 © dpa
ab 46. Julian Weigl: Seine Ballsicherheit wurde unter extremen Umständen getestet. Machte seine Sache ordentlich und kam nicht ins Schwimmen. Note: 3 © AFP
Julian Draxler
Julian Draxler: Wie schon 2012 und 2014 auch diesmal einer der Wackelkandidaten, doch mit guter Eigenwerbung im letzten Test. Forderte viele Bälle, setzte Akzente und war oft an gefährlichen Aktionen beteiligt. Note: 3 © dpa
Deutschland - Slowakei
Mario Götze: Der (Noch-)FCB-Star begann wie die gesamte deutsche Elf richtig gut und holte den Elfer vor dem 1:0 heraus. Tauchte in der Folge aber ab – und auch nach Ende des Regenschauers nicht mehr auf. Note: 4 © dpa
Deutschland - Slowakei
Leroy Sane: Durfte – anders als Konkurrent Brandt – von Beginn an ran. War ins Angriffsspiel des Weltmeisters aber noch nicht richtig integriert und vergab nach einer halben Stunde die große Chance zum 2:0. Note: 4 © dpa
Mario Gomez: Löw ließ seinen Mittelstürmr nur eine Halbzeit ran. Doch die reichte dem Torjäger für Länderspieltor Nummer 27. Note: 3 © AFP
Deutschland - Slowakei
ab 46. Julian Brandt: Man hätte ihm bessere Bedingungen als eine Aquaplaning-Bahn bei seinem Debüt gewünscht. So kamen Brandts Qualitäten in Tempo und Dribbling kaum zum Vorschein. Note: 4 © dpa

sid

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