Dramatisches EM-Achtelfinale

„Mon dieu!“: Schweiz feiert den „geilsten Sieg aller Zeiten“ - Internationale Presse überschlägt sich

Drama pur im EM-Achtelfinale zwischen Frankreich und der Schweiz. Am Ende gewann der Außenseiter im Elfmeterschießen. Wir haben die internationalen Pressestimmen gesammelt.

Bukarest - Es war der Abend der Jahrhundert-Achtelfinals bei der EM 2021*. Erst lieferten sich Kroatien und Spanien einen vollkommen verrückten Schlagabtausch, das 5:3 war das torreichste Spiel des Turniers. Mehr Treffer gab es bei einer EM nur einmal: 1960 beim 5:4 von Jugoslawien gegen Frankreich.

Und Frankreich sollte auch später am Abend das Stichwort sein: Der so hoch gehandelte Top-Favorit ist gegen die Schweiz tief gefallen. Nach 90 Minuten stand es 3:3, die Verlängerung brachte keinen Sieger. Also ging es ins Elfmeterschießen. Dort ballerten die Franzosen die ersten vier Strafstöße unhaltbar ins Netz, die Eidgenossen wackelten ein wenig. Aber auch sie trafen alles.

Dann legte Admir Mehmedi ein weiteres Mal vor - und Kylian Mbappé, der gefeierte Superstar von Paris Saint-Germain, musste nachziehen. Aber er scheiterte an Yann Sommer und wollte danach nur noch eins: So schnell wie möglich weg. Es passte zur EM* des 22-Jährigen, der schon jetzt als kommender Weltfußballer gesehen wird. Der Stürmer kam bei diesem Turnier nie so richtig ins Rollen.

Frankreich - Schweiz: Internationale Pressestimmen zum EM-Achtelfinale - Frankreich

Was sagt die internationale Presse zum Frankreich-Aus? Wir haben uns umgehört.

L‘Équipe: „Vernichtet - ein fantastisches Spiel, eine gewaltige Schlappe, eine riesige Enttäuschung: Frankreich-Schweiz war alles zugleich, und noch viel mehr.“

Le Parisien: „Diese Bleus haben es nicht verdient, weiterzukommen. Ausgeschieden im Elfmeterschießen am Ende eines Spiels mit Wendungen, in dem sie dennoch mit 3:1 führten. Die Weltmeister fallen von der Spitze und verschwinden im Achtelfinale aus der EM. Für die WM 2022 in Katar müssen wir die Maschine neu starten.“

„Es ist wie eine Ohrfeige, eine riesige Enttäuschung. (...) Wie so oft seit 2016 schickten uns Les Bleus auf die Straße, eingehüllt in Blau, die Hits des Sommers singend. Das Zurückholen von Karim Benzema, der mit Kylian Mbappé und Antoine Griezmann den besten Sturm der Welt bildet, hatte uns geblendet. (...) Und nun kehren sie wieder nach Hause zurück, ohne Pokal, mit hängenden Köpfen. (...) Sie waren keine richtige Mannschaft mehr. Um bis zur Weltmeisterschaft in achtzehn Monaten wieder eine zu werden, muss der Trainer - wenn er bleibt - sich und sie (die Mannschaft) neu erfinden - eine wahnsinnige Herausforderung.“

Le Monde: „Wir bekennen uns schuldig. Ein paar Stunden nach dem Ausscheiden gegen die Schweiz nach einem verrückten Achtelfinale haben wir das Spiel der französischen Mannschaft immer noch nicht verstanden. Der Weltmeister auch nicht, kein Zweifel. Die kurze und unruhige Nacht, die sie in ihrem Hotel im Stadtzentrum von Bukarest, der rumänischen Hauptstadt, verbringen mussten, reichte nicht aus, um eine Antwort zu geben.“

Le Figaro: „EM - schon die Hintertür für die Bleus. (...) Die Stunde der Abrechnungen und der Bilanzen wird bald kommen. Aber die Männer von Didier Deschamps entsprachen nicht den Erwartungen, und noch viel weniger ihrem Status.“

Frankreich - Schweiz: Internationale Pressestimmen zum EM-Achtelfinale - Schweiz

Blick: „Der geilste Sieg aller Zeiten.“

„WAHNSINN! Sommer hext die Nati in den EM-Viertelfinal. Mon dieu! Die Schweiz wirft den Weltmeister raus und besiegt den 67-jährigen Fluch! Yann Sommer hält im Elfmeterschiessen den letzten Versuch, jenen von 160-Mio.-Mann Mbappé.“

Neue Zürcher Zeitung: „Unglaublich, aber wahr: Schweizer Fussball-Wunder geschehen. Dramatischer kann ein Fussballspiel kaum sein: In einer Partie, in welcher die Schweizer vorübergehend wie die Verlierer aussahen, qualifizieren sie sich erstmals seit 1954 für einen Viertelfinal an einem grossen Turnier. Sie ringen Frankreich im Penaltyschiessen 5:4 nieder.“

„Vladimir Petkovic und seine Spieler haben die Last der Geschichte abgelegt. Der Sieg gegen Frankreich gibt vor allem dem Schweizer Coach Recht – für sein Vertrauen in Führungsspieler wie Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic, in dieses Gerüst und diese Hierarchie, in diese offensive Strategie und in diese Mentalität, die oft angezweifelt worden ist.“(akl/dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Justin Setterfield/AFP

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