Mehrere zehntausend Euro?

Geheim-Treff: BND lädt Spitzel auf Staatskosten zum Oktoberfest ein

+
Es ist wenig bekannt über die geheimen Treffen des BND auf dem Münchner Oktoberfest. 

Auf dem Oktoberfest 2017 will man gesehen werden. Es gibt aber Gäste, die lieber inkognito bleiben. Auch Geheimdienstler treffen sich auf der Münchner Wiesn. Der BND lud auf Staatskosten ein. Der Rest: geheim.

München - In welchem Zelt sie wohl feiern? Ob sie Hendl essen, Bier trinken oder lieber Karussell fahren? Verschlusssache. Geheimdienste bleiben auch beim Oktoberfest gerne unerkannt. Bekannt ist nur: Jahrelang lud der Bundesnachrichtendienst befreundete Spitzel auf die Wiesn ein.

Der damalige Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele hatte vor gut zwei Jahren eine parlamentarische Anfrage gestellt und vor allem nach den Kosten gefragt. Mit Ausnahme von 2011 seien seit 2005 „zentral organisierte Großveranstaltungen mit Vertretern ausländischer Nachrichtendienste auf dem Münchner Oktoberfest durchgeführt“ worden, hieß es damals in der Antwort des Bundeskanzleramts.

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) nahm die Sache in seine Liste von Steuerverschwendungen oder zumindest fragwürdigen Staatsausgaben auf und forderte - da keine Gesamtkosten genannt wurden - Transparenz.

Eine Anfrage Ströbeles zur Wiesn 2017 brachte jedoch nichts Neues - jedenfalls nicht für die Öffentlichkeit: Das Kanzleramt stufte seine neue Antwort nun sogar als geheime Verschlusssache ein - die in der Geheimschutzstelle des Bundestages hinterlegt ist.

Klar wurde nach Auskunft von Ströbeles Büros nur: Die Treffen finden wohl weiter statt. Ob die Geheimdienstler sich 2016 wie andere Gäste von Terrorsorgen und miesem Wetter abschrecken ließen und nur am Rand des Fests zusammenkamen und wie sie dieses Jahr feiern, blieb offen. Nutzt mancher Promi die Wiesn gern als Laufsteg, so bleibt der BND lieber inkognito - und die Höhe seiner Wiesn-Kosten ungewiss.

(Lesen Sie hier den Oktoberfest-Live-Ticker auf der Münchner Nachrichtenseite tz.de*)

„Bei einer öffentlichen Bekanntgabe weiterer Einzelheiten bestünde die Gefahr, dass Unbefugte Rückschlüsse auf die Interessen der beteiligten ausländischen Nachrichtendienste ziehen könnten“, heißt es in der Antwort vom 19. September, die als Drucksache des Bundestages veröffentlicht werden soll. Der BND verweist auf Anfrage darauf.

2015 hatte das Kanzleramt noch erklärende Sätze veröffentlicht. „Die Termine werden mit Fachgesprächen verbunden, um den direkten Nutzen für das dienstliche Interesse zu ziehen“, erläuterte damals der zuständige Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche. Der BND übernehme Bewirtungskosten in Höhe von 40 bis 50 Euro pro Person. Dafür bekommt man auf der Wiesn beispielsweise ein halbes Hendl und drei Maß Bier.

"O'zapft is": 184. Oktoberfest hat begonnen

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (M, SPD) hat das erste Fass Bier mit zwei Schlägen angezapft. Foto: Peter Kneffel
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (M, SPD) hat das erste Fass Bier mit zwei Schlägen angezapft. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (r, SPD) überreicht die erste Maß Bier dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (l, CSU). Foto: Peter Kneffel
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (r, SPD) überreicht die erste Maß Bier dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (l, CSU). Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer lässt sich die erste Maß Bier schmecken. Foto: Peter Kneffel
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer lässt sich die erste Maß Bier schmecken. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Für den normalen Besucher kostet die Maß dieses Jahr bis zu 10,95 Euro, 25 Cent mehr als im Vorjahr. Foto: Peter Kneffel
Für den normalen Besucher kostet die Maß dieses Jahr bis zu 10,95 Euro, 25 Cent mehr als im Vorjahr. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Hoch die Humpen: Das Bier fließt in Strömen. Foto: Tobias Hase
Hoch die Humpen: Das Bier fließt in Strömen. Foto: Tobias Hase © Tobias Hase
Volles Haus. Foto: Sven Hoppe
Volles Haus. Foto: Sven Hoppe © Sven Hoppe
Volles Zelt. Foto: Ursula Düren
Volles Zelt. Foto: Ursula Düren © Ursula Düren
Eine Maß geht noch. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Eine Maß geht noch. Foto: Karl-Josef Hildenbrand © Karl-Josef Hildenbrand
Bestens vorbereitet: Drei Wiesn-Besucherinnen aus dem australischen Melbourne. Foto: Peter Kneffel
Bestens vorbereitet: Drei Wiesn-Besucherinnen aus dem australischen Melbourne. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
"Tatort"-Kommissar Axel Milberg feiert mit seiner Frau Judith. Foto: Ursula Düren
"Tatort"-Kommissar Axel Milberg feiert mit seiner Frau Judith. Foto: Ursula Düren © Ursula Düren
Auftakt zum Oktoberfest: Die Schauspielerinnen Susanne Wuest (l) und Sibel Kekilli feiern im Schützenzelt. Foto: Ursula Düren
Auftakt zum Oktoberfest: Die Schauspielerinnen Susanne Wuest (l) und Sibel Kekilli feiern im Schützenzelt. Foto: Ursula Düren © Ursula Düren
Das Volksmusikpaar Marianne und Michael feiert mit Roberto Blanco, der trotz seines zerstörten Hauses auf Kuba sein Lachen nicht verloren hat. Foto: Ursula Düren
Das Volksmusikpaar Marianne und Michael feiert mit Roberto Blanco, der trotz seines zerstörten Hauses auf Kuba sein Lachen nicht verloren hat. Foto: Ursula Düren © Ursula Düren
Model Franziska Knuppe zieht es immer wieder auf die Wiesn. Foto: Ursula Düren
Model Franziska Knuppe zieht es immer wieder auf die Wiesn. Foto: Ursula Düren © Ursula Düren
Ein Musikzug nimmt am Einzug der Festwirte zum Beginn des Oktoberfestes teil. Foto: Sven Hoppe
Ein Musikzug nimmt am Einzug der Festwirte zum Beginn des Oktoberfestes teil. Foto: Sven Hoppe © Sven Hoppe
Das Münchner Kindl Viktoria Ostler ist beim Einzug der Festwirte ebenfalls dabei. Foto: Sven Hoppe
Das Münchner Kindl Viktoria Ostler ist beim Einzug der Festwirte ebenfalls dabei. Foto: Sven Hoppe © Sven Hoppe
Im Paulaner-Festzelt konnten Besucher in Trachten ihr erstes Bier kaum erwarten. Foto: Sven Hoppe
Im Paulaner-Festzelt konnten Besucher in Trachten ihr erstes Bier kaum erwarten. Foto: Sven Hoppe © Sven Hoppe
Das Thema Sicherheit wird auf dem Oktoberfest ganz großgeschrieben. Foto: Ursula Düren
Das Thema Sicherheit wird auf dem Oktoberfest ganz großgeschrieben. Foto: Ursula Düren © Ursula Düren
Der Andrang war groß. Viele Gäste waren schon lange vor 9:00 Uhr gekommen. Foto: Peter Kneffel
Der Andrang war groß. Viele Gäste waren schon lange vor 9:00 Uhr gekommen. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Wie jedes Jahr gab es Sicherheitskontrollen. Die Laune konnte sie den Gästen nicht verderben. Foto: Peter Kneffel
Wie jedes Jahr gab es Sicherheitskontrollen. Die Laune konnte sie den Gästen nicht verderben. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Die ersten Besucher konnten es kaum abwarten und rannten auf das Festgelände. Foto: Peter Kneffel
Die ersten Besucher konnten es kaum abwarten und rannten auf das Festgelände. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Beim Auftakt des Oktoberfestes sind auch die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Roberto Blanco dabei. Foto: Matthias Balk
Beim Auftakt des Oktoberfestes sind auch die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Roberto Blanco dabei. Foto: Matthias Balk © Matthias Balk

Ein Maulwurf hatte Ströbeles Aufmerksamkeit damals auf die Wiesn-Treffs gelenkt. Der anonyme BND-Mitarbeiter berichtete von Gesamtausgaben von gut 40 000 Euro im Jahr 2014. Das wäre allerdings fast günstig - verglichen mit manchem Promi-Event auf der Wiesn, der schon mal mit einem sechsstelligen Betrag zu Buche schlagen kann.

Angesichts von Besuchermassen und hochauflösenden Videokameras scheinen just auf der Wiesn vertrauliche Treffen schwer vorstellbar. Das Kanzleramt erklärt die Geheimhaltung aber auch damit: „Ein Verstoß gegen die vorausgesetzte Vertraulichkeit würde nicht nur die Fortführung der laufenden Gespräche in erheblichem Maß gefährden. Auch das internationale Ansehen des Bundesnachrichtendienstes würde herabgesetzt werden.“ Ströbele, der die Voraussetzungen für die Einstufung als geheime Verschlusssache nicht erfüllt sieht, schließt: Die Sache sei dem BND wohl eher peinlich.

Einladungen im Zusammenhang mit dem Oktoberfest haben schon Bundespräsidenten in die Bredouille gebracht. Ex-Bundespräsident Christian Wulff, nach Vorwürfen der Vorteilsnahme in verschiedenen Fällen zurückgetreten und später gerichtlich freigesprochen, musste sich nicht zuletzt wegen eines Wiesn-Besuchs rechtfertigen.

*tz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Hitlergruß in Straßenbahn – ein Fahrgast macht kurzen Prozess
Hitlergruß in Straßenbahn – ein Fahrgast macht kurzen Prozess
Frisch verheiratet! Plötzlich ist das Brautpaar von Polizisten umringt
Frisch verheiratet! Plötzlich ist das Brautpaar von Polizisten umringt
BMW-Fahrer (18) verursacht schweren Unfall - Retter halten Angehörige von Unfallstelle fern
BMW-Fahrer (18) verursacht schweren Unfall - Retter halten Angehörige von Unfallstelle fern
Nach Gruppen-Vergewaltigung: Polizei greift zu drastischer Maßnahme
Nach Gruppen-Vergewaltigung: Polizei greift zu drastischer Maßnahme

Kommentare