Hinterbliebener: "Sie ist mitverantwortlich"

Germanwings-Absturz: Ärztin des Copiloten angezeigt

Gedenktafel erinnert an Absturzopfer
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Gedenktafel erinnert an Absturzopfer.

Berlin/Düsseldorf - Beim Germanwings-Absturz vor gut einem Jahr verliert ein Düsseldorfer seine Tochter und seinen Enkelsohn. Jetzt will er wissen, warum der Copilot trotz seiner psychischen Erkrankung fliegen durfte.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine vor mehr als einem Jahr hat ein Hinterbliebener die Hausärztin des psychisch kranken Copiloten angezeigt. Es handelt sich um einen Mann, der seine Tochter und seinen 18 Monate alten Enkel verloren hatte, als der Copilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz brachte, wie die Zeitung „Die Welt“ berichtete. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Montag den Eingang der Anzeige.

Nach Informationen der „Welt“ wirft der Düsseldorfer der Ärztin vor, weder den Arbeitgeber des Copiloten, die Lufthansa, noch das Luftfahrtbundesamt (LBA) über die von ihr diagnostizierten seelischen Störungen informiert zu haben. "Durch Kenntnis des Pilotenberufs ihres Patienten ist mit dieser mehrmals ausgesprochenen psychischen Erkrankung die ärztliche Schweigepflicht nicht mehr gegeben", zitierte die Zeitung aus der Anzeige von Radner. Die Ärztin sei deshalb mitverantwortlich am Tod von allen Passagieren und der Crew des Germanwings-Flugs 4U9525.

Über die Anzeige sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa am Montag der dpa: „Sie liegt vor und wird im Rahmen des Todesermittlungsverfahrens geprüft.“ Ob noch weitere Anzeigen von Angehörigen vorlägen, sei ihm nicht bekannt. Es gebe aber zahlreiche Anzeigen von Nichtbetroffenen gegen „alle möglichen“ Beteiligten.

Der 61 Jahre alte Vater aus Düsseldorf hatte vor einigen Wochen bereits den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa und Verantwortliche des LBA angezeigt. Nachdem er die französischen Ermittlungsakten zu dem Absturz studiert habe, sei er zu der Überzeugung gelangt, dass der Copilot nach einer schon bekannten schweren Depression nicht hätte Pilot eines Verkehrsflugzeuges werden dürfen, schrieb die Zeitung.

Zum Stand des Ermittlungsverfahrens sagte Kumpa, dass die Übersetzungen der Unterlagen der französischen Ermittler inzwischen abgeschlossen seien. Derzeit würden alle Unterlagen gescannt, damit in Kürze allen Berechtigten Akteneinsicht gewährt werden könne. Wann dies genau sei, könne er aber nicht sagen.

Bei der Katastrophe in den französischen Alpen am 24. März 2015 waren alle 150 Insassen der Maschine getötet worden.

dpa

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