Abrissarbeiten am Stuttgarter Bahnhof begonnen

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Bürger im Sitzstreik: Unter lautstarkem Protest einiger hundert Demonstranten haben am Mittwoch die Abbrucharbeiten am Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs begonnen.

Stuttgart - Gegner des Milliarden-Bahnprojekts Stuttgart 21 hatten gehofft, den Abriss der Seitenflügel des Hauptbahnhofs verhindern zu können - ohne Erfolg. Zu Beginn der Arbeiten sorgten Demonstranten für ein Chaos.

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Unter lautstarkem Protest tausender Demonstranten haben in Stuttgart die Hauptabbrucharbeiten am denkmalgeschützten Kopfbahnhof begonnen. Ein Bagger riss am Mittwoch eine Seitenmauer des Nordflügels ein. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Baustelle für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 ab. Es herrschten chaotische Zustände. Demonstranten veranstalteten eine Sitzblockade vor dem Bauzaun - einige wurden später weggetragen. Am Abend kletterten mehrere Aktivisten auf das Dach des Nordflügels und enthüllten ein Protestplakat.

Stuttgart 21: Abrissarbeiten unter Polizeischutz

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Im Bahnhof hinderten Demonstranten für rund eine Stunde einen TGV- Schnellzug in Richtung Paris an der Abfahrt. Die Bundespolizei sperrte nach Bahnangaben aus Sicherheitsgründen die daneben liegenden Gleise ab. Der Bahnverkehr wurde behindert, es kam zu Verspätungen.

Architekt sieht Katastrophengefahr

Bei dem 4,1 Milliarden Euro teuren Vorhaben wird der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt, mit einem unterirdischen Ring an die Zulaufstrecken und mit einem Tunnel an den Flughafen und die Schnellbahnstrecke nach Ulm angebunden. Seit Wochen protestieren tausende Menschen gegen das Milliardenprojekt.

Unterdessen hat die Forderung eines Mitschöpfers von Stuttgart 21 nach dem Stopp des Bahnprojekts für Wirbel gesorgt. Der 85 Jahre alte Architekt Frei Otto, der vor einem Jahr aus der Projektgruppe ausgeschieden war, befürchtete im Magazin “Stern“ unter anderem, dass der Bahnhof überschwemmt werden oder “wie ein U-Boot aus dem Meer“ aufsteigen könnte. Denn die Erde unter Stuttgart sei voller Wasser und Quellen sowie Gipsschichten mit hohem Anhydridanteil.

Beschädigung an denkmalgeschütztem Gebäude

Die Projektträger wiesen die Vorwürfe des Architekten als “Panikmache“ zurück. “Die Äußerungen von Frei Otto sind fachlich nicht fundiert und entbehren einer soliden Grundlage“, sagte Wolfgang Drexler, Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm. In Stuttgart seien schon in denselben geologischen Schichten Tunnel gebaut worden und es sei nichts passiert.

Der Abbruch läuft im Bahnhofsinneren seit Juli. Mitte August war bereits ein Vordach abgebaut worden. Es war die erste äußerlich sichtbare Beschädigung an dem denkmalgeschützten Gebäude des Architekten Paul Bonatz (1877-1956).

dpa

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