SPD-Gesundheitsexperte reagiert

„Feuern Infektionsgeschehen an“: Virologe Streeck lehnt Ausgangssperren ab - Lauterbach ist fassungslos

Lauterbach platzt nach Streecks Anti-Lockdown-Aussagen der Kragen.
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Lauterbach platzt nach Streecks Anti-Lockdown-Aussagen der Kragen.

Der Promi-Virologe wird gefragt, wie er den Vorstoß des CDU-Chefs Laschet beurteilt - und zieht eine „unglaublich spannende“ RKI-Publikation hervor.

  • Der Virologe Hendrik Streeck wurde auf den aktuellen CoronaVorstoß Armin Laschets* angesprochen.
  • Der CDU*-Chef fordert wegen der aktuellen Corona-Zahlen* einen kurzen, harten Lockdown*.
  • Doch Streeck warnt, dass mögliche Ausgangssperren ziemlich nach hinten losgehen könnten.

Hamburg - Ein „Brücken-Lockdown“ mit Ausgangssperren würde aktuell alles nur schlimmer machen, ist sich Hendrik Streeck sicher. „Es gibt ein paar Dinge, über die ich in letzter Zeit sehr viel nachdenke“, sagte der Virologe am Freitag im Videocast „19 – die Chefvisite“. Gefragt nach dem Vorschlag des NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet berichtet Streeck von einer „unglaublich spannenden“ RKI-Veröffentlichung, „die leider nicht so viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen hat“.

Streeck fasste zusammen: Laut Robert-Koch-Institut (RKI)* infizieren sich aktuell vor allem sozial Schwache in beengten Wohnverhältnissen. „Und das ganz extrem, das sieht man zum Beispiel auch in Neukölln, das sieht man auch im Ruhrgebiet sehr deutlich“, führte er aus. „Eine Familie zum Beispiel mit fünf Kindern in einer 3-Zimmer-Wohnung, die in einem Hochhaus mit vielen anderen Familien lebt.“

Streeck schmettert Ausgangssperren ab - und will lieber „Ventile“ sehen

Laschets Vorschlag, den Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stützt: ein „Brücken-Lockdown“, bis genügend Menschen gegen Covid-19* geimpft sind. Beobachter gehen davon aus, dass das auch Ausgangssperren beinhalten könnte.

Doch sozial Schwache hätten Schwierigkeiten, sich Corona-konform aus dem Weg zu gehen, kritisierte Streeck nun das Konzept. „Wenn wir jetzt noch eine Ausgangssperre machen - dann stelle ich mal die Hypothese auf, dass wir dadurch das Infektionsgeschehen eher noch anfeuern. Weil die Leute ja gar nicht mehr spazieren gehen können, um sich dort zu treffen“, so Streeck.

Sein Gegenvorschlag: Sichere Bereiche im Freien schaffen, anstatt Menschen in Räumen noch weiter zusammendrängen. „Jeder Aerosol-Forscher würde einem zustimmen“, dass das Infektionsgeschehen an der Luft deutlich geringer ist. „Außengastronomie ist auch etwas, was überhaupt nicht groß dazu beitragen würden“, meinte Streeck. „Man muss für die Menschen Ventile schaffen.“

Corona-Ausgangssperren in Deutschland? Streeck warnt vor „privaten Grauzonen“

Dabei denkt Streeck etwa an gelüftete Turnhallen mit Tischen und mit Sicherheitspersonal, das die AHA-Regeln überwacht. Diese Lösung sei besser als „private Grauzonen“, wo niemand kontrollieren könne, ob diese eingehalten werden.

Eine weitere Sache geht in der Corona-Pandemie ebenfalls nicht: „Eine größere Wohnung können wir ja nicht allen zur Verfügung stellen“, so der resignierte Kommentar des Videocast-Moderators.

Lauterbach widerspricht Streeck - hitzige Twitter-Debatte folgt

Der RND-Bericht über Streecks Aussagen ist auch Karl Lauterbach nicht entgangen. Der SPD-Gesundheitsminister und Epidemiologe vertaggte seinen Wissenschafts-Kollegen und kritisierte: „Jetzt kommt erneut Ruf nach ‚Gelassenheit‘ von ⁦ @hendrikstreeck⁩. Auch Ausgangssperren lehnt er ab. Aber Ausgangssperren am Abend wirken nach bester Analyse aller Daten der Oxford Uni. Und Härtetests der Intensivstationen sollte man einfach lassen.“ Lauterbach forderte kürzlich Ausgangssperren.

Ein höchst kontroverses Thema, und so sammeln sich in gut zehn Stunden mehr als 1000 Kommentare unter Lauterbachs Tweet. „Ausgangssperre ist Unsinn, solange Großraumbüros offen sind. Mir reicht es mit Einschränkungen für Privatleute während die Wirtschaft treibt, was sie will“, findet @Reptolord.

„Sehe ich ein wenig anders, Ausgangssperre macht schon Sinn. Man muss sich nur anschauen, was derzeitig Abends bis in die Nacht los ist. Großtankstellen sind zum Treffpunkt geworden genauso wie Parks und Grünanlagen. So ist es jedenfalls in München“, findet @Ger_neu. Streeck selbst hat sich in dem Thread (Stand Samstagmittag) noch nicht zu Wort gemeldet. (frs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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