„Versuche immer Gratwanderung zu gehen“

Corona: Streeck erhielt Morddrohungen und hat „Polizei vor der Tür“ - Virologe zieht bittere Erkenntnis

Virologe Hendrik Streeck vor dem Hintergrund einer Stadt.
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Virologe Hendrik Streeck bekam während der Corona-Pandemie Morddrohungen.

Die Meinung von Hendrik Streeck ist in der Coronavirus-Krise gefragt. Sie zog aber bereits den ein oder anderen Shitstorm nach sich. Der Virologe erhält offenbar auch Morddrohungen.

  • Virologe Hendrik Streeck steht seit der Corona*-Pandemie in der Öffentlichkeit.
  • Besonders die Heinsberg-Studie wird in Zusammenhang mit ihm gebracht.
  • In einem Interview sprach er darüber, dass er Morddrohungen bekommt und wie sich sein Leben verändert hat.

München/Bonn - Die Coronavirus-Pandemie stellt das Leben der Menschen seit Monaten auf den Kopf. Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Sperrstunden, die Forschung nach einem Impfstoff* und steigende Neuinfektionen sind seit Monaten allgegenwärtige Themen, die die Menschen beschäftigen. Im Fokus der Öffentlichkeit steht seither auch Virologe Hendrik Streeck, der beispielsweise durch die Heinsberg-Studie oder Auftritten in Talk-Shows wie „Markus Lanz“ oder „Maybrit Illner“ vielen Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus* ein Begriff ist. Doch seine Herangehensweise sorgt immer wieder für immensen Wirbel. In einem Interview mit „ntv.de“ erzählte er, wie erheblich sich sein Leben verändert hat.

Corona in Deutschland: „Gratwanderung, das Virus nicht zu überdramatisieren und nicht zu bagatellisieren“

Besonders die Frage danach, wie gefährlich das Coronavirus* tatsächlich ist, spielt seit Beginn der Coronavirus-Pandemie eine außergewöhnliche Rolle. „Ich glaube, sobald man sagt, dass das ein Virus ist, das man nicht bagatellisieren sollte, dann passt das Einigen nicht den Kram“, sagte Virologe Hendrik Streeck, dessen getätigten Aussagen nicht selten in den sozialen Medien einen Shitstorm auslösten.

So habe es Situationen gegeben, in denen er schlicht falsch verstanden worden sei. Nicht zuletzt wurde das im Oktober via Twitter deutlich, als Streeck nach einem Talk bei „Maischberger“* schrieb: „Für diejenigen, die mich missverstanden haben, stelle ich klar, dass im Mittelpunkt der Pandemiebekämpfung, der Schutz von Leib und Seelen steht [...].“

„Ich versuche immer diese Gratwanderung zu gehen, das Virus auf der einen Seite nicht zu überdramatisieren und auf der anderen Seite nicht zu bagatellisieren“, sagt Streeck im Interview mit „ntv.de“. Auch er kenne die „emotionale Seite von Covid-19“. So hätten sich zu Beginn der Pandemie zwei Familienangehörige infiziert. „Da habe ich mir große Sorgen gemacht.“

Während Corona-Pandemie: Virologe Hendrik Streeck hat „Polizei vor der Tür“

Die Nachfrage nach der Einschätzung der aktuellen Coronavirus-Lage in Deutschland und hinsichtlich neuer Erkenntnisse in Bezug auf das Virus stellen das Leben von Hendrik Streeck auf den Kopf. „Es ist nichts mehr so, wie es vorher war“, brachte es der Virologe in einem Satz auf den Punkt. Er werde auf der Straße erkannt, bekomme einige Zurufe, schaffe es nicht mehr, die alle Anfragen zu beantworten. „Viele wollen auch einfach mit mir reden, weil sie bestimmte Fragen haben. Aber wir haben eben auch Polizei vor der Tür, weil ich Morddrohungen bekommen habe“, so Streeck. Sein Leben lasse er sich davon allerdings nicht bestimmen.

Dennoch habe es einen Moment gegeben, in dem er über einen Schlussstrich nachgedacht habe. Als Beispiel nannte er mehrmals die Begebenheiten rund um die Heinsberg-Studie. Da habe er überlegt, ob er weitermachen wolle.

Vor allem nach Heinsberg habe ich überlegt, ob ich das so weitermachen will. Vor allem, wenn man versucht hat, etwas beizutragen und zu helfen und dann angegangen wird - das ist etwas, was ich nicht verstanden habe. [...] Wenn man bewirkt, dass man sich differenziert und qualifiziert äußert und das einen Shitstorm generiert, dann nehme ich das in Kauf. Ich bin der Meinung, dass eine differenzierte Meinung wichtig ist in der Pandemie.

Hendrik Streeck im Interview mit „ntv.de“

Im April war Streeck von der nordrhein-westfälischen Landesregierung beauftragt worden, die Dunkelziffer der Sars-CoV-2-Patienten in der damals besonders betroffenen Region Heinsberg zu bestimmen und Infektionsketten einzugrenzen. Die Studie sorgte für Kritik an der Methodik und der Begleitung durch eine PR-Agentur, die Streeck im Interview rückblickend „als Fehler“ bewertete. Sogar mit einer Anzeige hatte es der Virologe letztlich zu tun. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks (mbr)

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