Organisatorische Verbesserungen

Historisches Tief bei Organspenden in Deutschland alarmiert Experten

Der neuerliche Tiefstand bei den Organspenden hat Forderungen nach organisatorischen Verbesserungen in deutschen Krankenhäusern ausgelöst.

Ärzte auf Intensivstationen müssten mögliche Spender erkennen und der zuständigen Koordinierungsstelle melden, erklärte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Montag in Frankfurt am Main. Organspenden würden bei der Behandlung unheilbar Kranker teils nicht in Betracht gezogen.

Notwendig sei eine gemeinsame Anstrengung von Krankenhäusern, medizinischen Fachgesellschaften, Patientenorganisation und der Politik, um "die Organspende in Deutschland wieder auf Kurs zu bringen", betonte der medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel. Hintergrund ist die Vorlage der Bilanz für das vergangene Jahr. Die Zahl der Spender in Deutschland sank der Stiftung zufolge 2017 auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren.

Spendenbereitschaft weiter stabil - Etliche andere Probleme

Nach Erkenntnissen der Stiftung ist der neuerliche Rückgang nicht auf nachlassende Spendenbereitschaft der Bevölkerung zurückzuführen, weil diese seit einigen Jahren stabil bleibt. Grund sind vielmehr Defizite bei der Arbeit in den Kliniken sowie andere hemmende Schwachstellen, wie Überlastung des Personals auf Intensivstationen sowie Unklarheiten über die korrekte Formulierung der sogenannten Patientenverfügungen.

Eine mitentscheidende Rolle spielt der DSO zufolge, dass Ärzte bei der Behandlung unheilbar kranker Menschen bisher nicht systematisch genug die Möglichkeit einer Organspende ansprechen, um potenzielle Spender zu gewinnen. Das Problem seien "organisatorische Schwachstellen" in Kliniken, hieß es.

Sie plädierte insbesondere für obligatorische Einbeziehung der klinikeigenen Transplantationsbeauftragten in sämtliche Entscheidungen über das Lebensende von Intensivpatienten, die Ärzte und Angehörige treffen müssten. "Die Möglichkeit einer Organspende sollte hierbei immer ein selbstverständlicher Bestandteil der gemeinsamen Beratungen sein", erklärte Rahmel.

Ein Minus von 9,5 Prozent

Die Transplantationsbeauftragten stellen die Verbindung zur zentralen Organvermittlungsstelle der DSO her und sind daher von zentraler Bedeutung. Die Stiftung forderte, ihre Stellung in den Kliniken "nachhaltig" aufzuwerten - etwa indem sie von anderen Aufgaben entlastet werden. Als Beleg verwies sie auf Bayern, wo durch landesgesetzliche Vorgaben seit Anfang 2017 verbindlich freigestellt sind. Dort sei gegen den Bundestrend die "deutlichste Steigerung" der Spenderzahlen zu beobachten.

Nach den am Montag von der DSO veröffentlichten vorläufigen Daten ging die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr bundesweit um 60 auf 797 zurück, die der gespendeten und der europäischen Vermittlungsstelle Eurotransplant gemeldeten Organe sank um 273 auf 2595. Das entsprach einem Minus von 9,5 Prozent. Dahinter verbargen sich allerdings gegenläufige regionalen Trends. Neben Bayern gab es auch in der Region Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) eine Steigerung.

AFP

Rubriklistenbild: © picture alliance / Caroline Seid

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