„Stadt ist für Pfleger zu teuer“

Hohe Mieten in München zwingen Krankenschwester zu ungewöhnlicher Wohnungsanzeige

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Die Mieten in München sind absurd hoch

Isabell Wäß (39) ist Kinderkrankenschwester und Pflegepädagogin in München, ihr Mann (44) ist bald fertig ausgebildeter Krankenpfleger. Sie wollen mit ihren Kindern in eine größere Wohnung ziehen. Keine Chance mit dem Gehalt. Darum machen sie etwas Ungewöhnliches. 

München - Die Mieten in München sind absurd hoch. Viele Bewohner fühlen sich aus der Stadt gedrängt, ziehen ins Münchner Umland, wo jedoch auch die Mietpreise hochgehen. Vor allem dort, wo eine S-Bahn-Station in der Nähe der Wohnung liegt. Etliche Münchner haben schon ihre Geschichte von der quälend langen Suche nach einer bezahlbaren Wohnung erzählt.

Doch die Geschichte von Isabell Wäß ist außergewöhnlich: Sie ist Kinderkrankenschwester und Pflegepädagogin mit Bachelor-Abschluss an einer Klinik im Süden der Stadt. In ihrem viel beachteten Gastbeitrag auf tz.de* beschreibt sie, dass die Hälfte ihrer Kollegen auf ihrer Station gekündigt hätten, weil sie sich mit ihren Gehältern das Wohnen in München nicht mehr leisten konnten. Auch Isabell Wäß und ihr Mann, der demnächst seine Ausbildung als Krankenpfleger abschließt, stehen vor der Entscheidung: In München bleiben oder nicht? Die beiden haben zwei Kinder (1 und 3) und wollen in eine größere Wohnung umziehen. Keine Chance mit den Gehältern. 

Krankenschwester Isabell Wäß wird in der Not erfinderisch. 

Wäß rechnet vor: „Ich, nach 18 Jahren Berufspraxis, gut aus- und fortgebildet, mit Bachelorabschluss, würde alleine nicht annähernd genug verdienen für ein Leben hier. Mein Netto-Gehalt (Lohnsteuerstufe 1) in der Pflege läge Vollzeit momentan bei ca. 2200 Euro. Hier würden noch je nach geleisteten Wechselschichtdiensten ca. 200 Euro hinzukommen, die jedoch verglichen mit der Belastung der Schichtarbeit fast vernachlässigbar sind. Da man auch nach Abschluss eines Bachelor-Studiums in Pflegepädagogik nicht viel mehr als in der Pflege am Bett verdient.“ Sie stellt klar, dass sie ihren Beruf liebt. Aber sie sagt, sie wünsche sich eine leistungsgerechte Bezahlung.

In der Not, schnell eine Wohnung zu finden, geht Wäß daher einen ungewöhnlichen Schritt: Sie bietet potentiellen Vermietern eine Zusatzleistung an: 

Krankenpflege-Ehepaar sucht bezahlbaren Wohnraum und wäre dafür ggf. Ansprechpartner bei alltäglichen Pflegeproblemen im häuslichen Bereich.“ 

Lesen Sie den ganzen Gastbeitrag der Münchner Krankenschwester. Und dieser Bericht könnte Sie auf tz.de interessieren: „Pflege-Notstand in München: Mein Vater wurde vier Tage nicht gewaschen“. Der Mieterverein München hat einen Gesetzentwurf zum geplanten Volksgebehren für einen Mietenstopp in Bayern vorgelegt. Er sieht vor Mieterhöhungen für Jahre zu unterbinden. (tz.de*)

Wohnen extrem: Hier ist das Klo im Küchenschrank versteckt

*tz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

sah

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