KBG84 ist die älteste Girlband der Welt

Japans Pop-Omas rocken auf ausverkaufter Tour

Kohama - Der Himmel kann warten: In Japan begeistern 33 Frauen im Greisinnenalter mit Gesang und Tanz die Massen. Gerade hat die vermutlich älteste Girlband der Welt eine ausverkaufte Tour durch das Land absolviert.

Die Mitglieder von KBG84 haben ein Durchschnittsalter von 84 Jahren und kommen von der südjapanischen Insel Kohama im Archipel Okinawa, das für seine hohe Lebenserwartung berühmt ist. Dass sie in diesem Alter noch zum Popidol geworden sind, überrascht sie selbst am meisten.

"Ich dachte zunächst, ein Idol sei, wer nach einem langen Leben am Himmelstor steht", sagt die 92-jährige Tomi Menaka in einem Kräutergarten mit Blick auf das türkisblaue Meer. "Doch seit ich verstanden habe, dass das eigentlich Künstler heißt, freue ich mich darüber. Ich war zuvor noch nie in Tokio oder Osaka und wollte dort noch hin, bevor ich in den Himmel komme."

Die Seniorinnen haben sichtlich Spaß bei ihren Auftritten.

Die Sing- und Tanztruppe mit einem Mindestalter von 80 Jahren war die Idee des Musikers Kikuo Tsuchida, der seit mehr als 20 Jahren in Kohama lebt. KBG84 parodiert den Namen von Japans populärster Teenieband AKB48. Nun haben die quirligen Seniorinnen die Single "Komm tanz, Insel Kohama" samt dazu gehörigem Video herausgebracht. Mit einer Bevölkerung von lediglich 600 Einwohnern liegt die winzige Flitterwochen-Insel nur etwa 240 Kilometer vor der Küste Taiwans.

Sobald Menaka die Bühne betritt, wirft sie ihren Gehstock von sich wie ein Rockstar. Hingebungsvoll singt die 92-Jährige zu den verpoppten Klängen traditioneller Streichinstrumente der Region. "Ich war noch nie so glücklich wie jetzt bei den Auftritten", sagt die Greisin im gestreiften Kimono und flammend rotem Stirnband. "Als ich das erste Mal nach Tokio fuhr, war ich glücklich, auf der Welt zu sein. Ich konnte meine Enkel treffen, das werde ich nie vergessen. Ich weinte vor Glück."

Die Mitglieder der Girlband KBG84 aus Kohama in Okinawa sind im Durchschnitt 84 Jahre alt.

Die Inselgruppe Okinawa ist bekannt für ihre langlebige Bevölkerung. Traditionell wird dort mehr Gemüse und weniger Zucker verzehrt als auf dem japanischen Festland. Grundnahrungsmittel ist nicht Reis, sondern die örtliche Süßkartoffel mit lilafarbenem Fleisch. Menaka achtet allerdings nicht besonders auf ihre Ernährung: "Ich mag Fleisch und Süßes", kichert sie, während ihre 97-jährige Bandkollegin Haru Yamashiro missbilligend den Kopf schüttelt. "Ich halte mich mit Hausputz fit, Böden wischen, Reis kochen. Wenn es zu heiß wird, bleibe ich im Schatten. Ich möchte nicht braun werden, ich muss auf meine Haut achten."

Dass die quirligen Frauen keine Teenies mehr sind, wird vor allem hinter der Bühne deutlich: Gehhilfen blockieren dort die Eingänge, Blutdruckmessgeräte und Defibrillatoren sind immer in Reichweite. Trotz ihres Erfolges hat sich ihr Leben kaum verändert. "Wir sitzen noch immer herum und tratschen über das Leben", erzählt die 86-jährige Hideko Kedamori. "Wenn wir streiten, versöhnen wir uns schnell wieder, wie damals, als wir Kinder waren. Eine für alle und alle für eine. In Tokio fühlten wir uns wie Stars. Alle im Publikum hatten ein breites Lächeln im Gesicht, was uns die Energie gab, aus tiefstem Herzen zu singen."

Auch Menaka betont: "Bevor ich sterbe, möchte ich noch einmal nach Tokio mit den anderen Omas und meine Enkel sehen."

afp

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