Brutale Messer-Tat in Rottweil

Jobcenter-Attacke: Mann kündigte Tat vorher an - antisemitischer Tweet aufgetaucht

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Kunde greift Mitarbeiterin in Rottweiler Jobcenter mit Messer an

Mit einem Messer hat ein Mann am Donnerstag eine Jobcenter-Mitarbeiterin angegriffen und schwer verletzt. Tags zuvor kündigte er seine Tat auf Twitter an.

  • Mit einem Messer hat ein Mann am Donnerstag eine Jobcenter-Mitarbeiterin in Rottweil angegriffen. 
  • Die Frau wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht, der Mann festgenommen.
  • Das Motiv war zunächst noch unklar. 

Update 14.18 Uhr: Nach dem Messerangriff auf eine Mitarbeiterin eines Jobcenters im baden-württembergischen Rottweil gibt das Motiv des Täters Rätsel auf. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag mitteilten, bestand keinerlei „persönliche Vorbeziehung“ zwischen dem 58-Jährigen und seinem 50-jährigen Opfer. Dieser kündigte die Tat demnach zudem auf seinem Zugang in einem sozialen Netzwerk an. Der Mann äußerte sich bisher nicht.

Der 58-jährige Jobcenter-Kunde hatte die Mitarbeiterin am Donnerstag bei einem Termin mit einem Messer attackiert und dadurch schwer verletzt. Anschließend ließ er sich von Polizisten noch in dem Gebäude widerstandslos festnehmen.

Laut Ermittlern wurde das Opfer mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen und notoperiert. Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Tat derzeit als versuchten Mord sowie eine besonders gefährliche Form der Körperverletzung.

Rottweil: Messer-Attacke auf Jobcenter-Mitarbeiterin - Sicherheit in Behörden bereits in vergangenen Jahren verstärkt

Um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu verbessern, haben die Jobcenter ihre Ausgaben für Securitydienste deutlich erhöht. Im vergangenen Jahr gab die Bundesagentur für Arbeit (BA) für die 302 gemeinsam mit Kommunen betriebenen Jobcenter 19,7 Millionen Euro aus - das ist rund dreimal mehr als 2011. Damals beliefen sich die Ausgaben auf 6,4 Millionen Euro, wie ein BA-Sprecher am Freitag auf Anfrage sagte. Zuvor berichtete das Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ darüber. Für die rund 100 weiteren Jobcenter, die in alleiniger Trägerschaft von Kommunen sind, lägen der BA keine Zahlen vor, sagte der Sprecher.

Angriffe auf Jobcenter-Mitarbeiter kommen immer wieder vor: Einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zufolge gab es seit 2012 zwei Übergriffe auf Jobcenter-Mitarbeiter, die tödlich endeten. Außerdem wurden 12 Körperverletzungen, 22 Gewaltandrohungen, 10 Bombendrohungen und 9 Sachbeschädigungen gezählt.

Die tatsächliche Zahl der Übergriffe liegt vermutlich höher, da es keine generelle Meldepflicht für Jobcenter gibt, wie eine Sprecherin der BA sagte. „Gewaltandrohungen, die nicht tatsächlich zu körperlichen Verletzungen führen, erfassen wir nicht“, sagte eine weitere BA-Sprecherin.

Rottweil: Mutmaßlicher Jobcenter-Täter soll antisemitischen Tweet gepostet haben

Update 17. Januar 2020: Auf Twitter sind nun Beiträge des mutmaßlichen Jobcenter-Täters aufgetaucht. In diesen soll er seine Tat vorab bereits am 15. Januar angekündigt haben. Er schrieb: „Ich werde morgen eine Person des Jobcenters töten.“ Auffällig auch: Von diesem Twitter-Account wurde ebenfalls mindestens ein antisemitischer Tweet verbreitet. Er lautet: „Hau weck den Judadreck weil daran mein Land verreck.“ Ob hier ein möglicher rechtsextremer Hintergrund des Täters belegt ist, ist momentan noch unklar. 

Messer-Attacke in Jobcenter: Mann kündigte die Tat mit unglaublichen Worten auf Twitter an

Update 20.04 Uhr: Nach der Messerattacke auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin in Rottweil herrscht über das Motiv des mutmaßlichen Täters weiter Unklarheit. Wie nun bekannt wurde, soll der vor Ort verhaftete 58-jährige Deutsche sein Handeln angekündigt haben. Wie bild.de (Artikel hinter Bezahlschranke) berichtet, schrieb er auf Twitter: „Ich werde morgen eine Person des Jobcenters töten.“

Auf dem Twitterprofil des mutmaßlichen Täters finden sich diese Worte allerdings nicht, womöglich wurde der Tweet gelöscht. Weiterhin zu lesen ist aber ein Beitrag, der um 10.58 Uhr, also zur Tatzeit, veröffentlicht wurde. Der 58-Jährige schreibt: „Drei Stiche, warte auf Polizei.“ Nach seiner Attacke stellte sich der Mann den Behörden und wurde vor Ort festgenommen. Derzeit befindet er sich in einer psychiatrischen Klinik. 

Wie auf dem Profil weiterhin zu lesen ist, hatte der Mann wohl einen Termin beim Jobcenter. Am Mittwoch teilte er ein amtliches Schreiben der Behörde für Donnerstag, 16. Januar um 10.30 Uhr. Dort heißt es, dass man mit dem 58-Jährigen über dessen „aktuelle berufliche Situation“ sprechen möchte. Der Tweet ist mit den Worten „Das nennt man Vorladung, darauf folgend die Hauptladung“ versehen. 

Messer-Attacke in Jobcenter: Mitarbeiterin in Klinik geflogen - Polizei offenbart Täter-Hintergrund

Update 17.25 Uhr: Auf Twitter gab es sofort wieder Spekulationen über den Hintergrund des Täters. Ein User schrieb: „Ich kenne keinen Deutschen, der mit einem Messer bewaffnet in ein Jobcenter geht.“ Darauf antwortete die zuständige Polizei Konstanz souverän: „Wir schon. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen Deutschen. Ohne Migrationshintergrund.“ 

Der entsprechende Screenshot geht derzeit viral im Netz: 

Update 16.46 Uhr: Der mutmaßliche Täter hat am Donnerstag gegen 11 Uhr das Jobcenter in Rottweil betreten und ist in die siebte Etage gegangen. Dort griff der 58-Jährige wenig später eine Angestellte des Jobcenters an. Ihre Kollegen riefen die Polizei. Das berichtet Bild.de. Der mutmaßliche Täter ließ sich vor Ort widerstandslos festnehmen. Noch ist unklar, warum er die Mitarbeiterin des Jobcenters Angriff.

Klar ist aber: Er kam zu spät. Am Morgen hatte er einen Termin gehabt, zu dem er zwar zu spät gekommen sei, ihn aber dennoch wahrgenommen habe, zitiert die Bild die Staatsanwaltschaft. Im Rahmen dieses Termins muss es dann zu dem Angriff gekommen sein. Woher der Mann das Messer hatte, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Baden-Württemberg/Rottweil: Brutale Messer-Attacke auf Mitarbeiterin im Jobcenter

Erstmeldung vom 16. Januar: 

Rottweil - Im Jobcenter im baden-württembergischen Rottweil ist eine 50-jährige Mitarbeiterin von einem mit einem Messer bewaffneten Mann angegriffen worden. Die Frau sei in notärztlicher Behandlung, es sei ein Rettungshubschrauber angefordert worden, teilte die Polizei in Konstanz am Donnerstag mit. Der mutmaßliche Angreifer sei noch am Tatort festgenommen worden.

Der Tatverdächtige habe die Frau nach ersten Erkenntnissen in einem oberen Stockwerk eines durch das Jobcenter genutzten Bürohochhauses attackiert und schwer verletzt. Zum Motiv und zur Identität des Angreifers machten die Ermittler zunächst keine Angaben.

In München wurde kürzlich eine Polizistin bei einer Messerattacke schwer verletzt.* Bei Paris hat sich am 3. Januar eine Messerattacke ereignet. Ein Mensch wurde getötet, mehrere verletzt. Der Hintergrund der Tat ist noch unklar.

dpa

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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