Katholische Missbrauchs-Hotline startet Ende März

Frankfurt - Die katholische Kirche richtet eine Missbrauchs-Hotline ein. Ab Ende März stehen Fachleute Opfern oder Tätern als Ansprechpartner zur Verfügung. Unterdessen spricht auch Edmund Stoiber.

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Angesichts immer neuer Missbrauchsfälle will die katholische Kirche am 30. März eine spezielle Hotline einrichten. Dort sollen Fachleute Opfern, aber auch Tätern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wie der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Dienstag erklärte. Das Hilfsangebot geht auf einen Beschluss der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zurück. Ackermann ist der Beauftragte des Gremiums für alle Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger. Einzelheiten sollen am 30. März bekanntgegeben werden.

Unterdessen geht die Diskussion über den Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsfällen weiter. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach sich im Sender N24 dafür aus, dass Priester künftig wählen sollen, ob sie nach dem Zölibat leben wollten. Zugleich sagte sie, dass die Kirche in dieser Frage nicht zu schnellen Veränderungen in der Lage sei. “Die Mühlen mahlen langsam“, beklagt die katholische Politikerin.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

28. Januar 2010 - Bistum Berlin: Am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten werden erste Verdachtsfälle bekannt, es folgen Dutzende weitere. © dpa
1. Februar - Bistum Hamburg: Ehemalige Schüler von Sankt Ansgar in Hamburg geben an, Opfer eines Jesuiten-Paters geworden zu sein. © dpa
1. Februar - Bistum Freiburg: Ein zuvor in Berlin tätiger Lehrer soll auch am Jesuiten-Kolleg St. Blasien Schüler missbraucht haben. © dpa
1. Februar - Bistum Hildesheim: Vorwürfe gegen Pater in Hildesheim und Göttingen werden bekannt, es folgen Fälle in Hannover. Im Bild: Die Basilika in Hannover, in der Regionaldechant Propst Martin Tenge eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater verliest. © dpa
5. Februar - Bistum Köln: Es wird erstmals über Missbrauchsfälle am Bonner Aloisius-Kolleg berichtet. Im Bild: Eine Nachtaufnahme des Kölner Doms. © dpa
9. Februar - Bistum Aachen: Ein Sonderbeauftragter der Kirche ermittelt nach Missbrauchs-Anschuldigungen gegen zwei Priester. Im Bild: Der Dom von Aachen © dpa
12. Februar - Bistum Paderborn: Die Kirche bestätigt, dass Geistliche in Werl Kinder missbraucht haben sollen. Im Bild: Die Gau-Kirche der Liborius Pfarrei im Bistum Paderborn © dpa
19. Februar - Bistum Mainz: Am Internat Biesdorf der Missionare von der Heiligen Familie wird Missbrauch durch einen Ordensmann bekannt. Im Bild: Der Mainzer Dom im nächtlichen Nebel © dpa
21. Februar - Bistum Augsburg: Gegen Mitarbeiter des ehemaligen Heims der Salesianer Don Bosco in Augsburg gibt es Missbrauchsvorwürfe. © dpa
21. Februar - Bistum Rottenburg: In Oggelsbeuren soll es in einem Kinderheim der Vinzentinerinnen Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Bild: Gebäude der Stiftung Liebenau im Bistum Rottenburg © dpa
21. Februar - Bistum Essen: Frühere Mitarbeiter der Behinderten- Einrichtung Franz-Sales-Haus Essen sollen Zöglinge missbraucht haben. Im Bild: Ein Gottesdienst im Dom in Essen © dpa
22. Februar - Bistum München: Der Leiter der Schule im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal räumt Missbrauchsfälle ein. © dpa
22. Februar - Bistum Würzburg: Nach Missbrauchsvorwürfen wird ein Priester im Würzburger Franziskanerkloster beurlaubt. Im Bild: Der Turm der Neubau-Kirche in Würzburg © dpa
23. Februar - Bistum Speyer: Ein Pater soll am Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen haben. Im Bild: Der Dom zu Speyer © dpa
28. Februar - Bistum Münster: Ein Pater in Münster-Hiltrup gesteht den sexuellen Missbrauch an Internatsschülern. Im Bild: Die Sankt Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup © dpa
3. März - Bistum Limburg: Mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester werden bekannt. Im Bild: Gottesdienst im Georgs-Dom in Limburg © dpa
4. März - Bistum Fulda: Verdachtsfälle betreffen einen Priester und einen kirchlichen Mitarbeiter. Im Bild: Der Dom in Fulda mit Schildern im Vordergrund © dpa
4. März - Bistum Regensburg: Nach Mitteilung des Bistums hatte es auch Fälle bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen gegeben. Im Bild: Ein Konzert der Regensburger Domspatzen in der Sacred Heart Cathedral in Pretoria. © dpa

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber warnte davor, wegen der Fälle von Kindesmissbrauch die katholische Kirche als Ganzes an den Pranger zu stellen. In einem Gastbeitrag für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mahnte der CSU-Ehrenvorsitzende: “Regel und Ausnahme im Verhalten kirchlicher Mitarbeiter dürfen hier nicht durcheinandergebracht werden“. Stoiber wies darauf hin, dass die Fälle in kirchlichen Einrichtungen “die Spitze eines gesellschaftlichen Eisbergs sind“.

Der Missbrauch von Kindern sei nicht ausschließlich ein Thema der Kirchen, sondern eines der ganzen Gesellschaft. Die meisten Fälle passierten im Umfeld von Familien, Freunden und Bekannten, ebenso in Vereinen und Verbänden. Papst Benedikt XVI. habe “null Toleranz unmissverständlich zu seiner Richtschnur gemacht, nicht erst jetzt, sondern bereits angesichts ähnlicher Verbrechen in den Vereinigten Staaten und Irland“.

Bistum Mainz berichtet von Verdachtsfällen

Unterdessen geht die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen weiter: Insgesamt 15 ehemalige Schüler des katholischen Konvikts im südhessischen Bensheim meldeten sich bislang als Opfer beim Bistum Mainz. Wie Bistumssprecher Alexander Matschak berichtete, wurden drei der Betroffenen nach eigenen Angaben Opfer sexuellen Missbrauchs. Zwölf weitere seien durch Schläge misshandelt worden. 

DAPD

Rubriklistenbild: © dpa

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