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„Zeichen des Respekts“: Stadt Köln erlaubt teils umstrittenen muslimischen Gebetsruf „Muezzin“

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Von: Tim Althoff

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Im Stadtteil Ehrenfeld steht die moderne Kölner Zentralmoschee.
Im Stadtteil Ehrenfeld steht die moderne Kölner Zentralmoschee. © Christoph Hardt via imago images

Die Stadt Köln erlaubt ab sofort den muslimischen Gebetsruf „Muezzin“, der an Freitagen zur Mittagszeit für fünf Minuten ausgerufen werden darf und Muslime an ihr Gebet erinnern soll.

Köln - Die Domstadt Köln hat ein neues religiöses Modellprojekt angekündigt. So wird es in der Millionen-Metropole künftig Freitag-Nachmittags erlaubt sein, den muslimischen Gebetsruf „Muezzin“ auszurufen. Muslime werden durch den Muezzin an ihr Gebet erinnert. Bürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) vergleicht ihn mit dem Geläut von Kirchenglocken. „Köln ist die Stadt der religiösen Freiheit und Vielfalt. Wer am Hauptbahnhof ankommt, wird vom Dom begrüßt und von Kirchengeläut begleitet“, schrieb sie auf Twitter.

Den Ausruf zu erlauben, sie für sie ein „Zeichen des Respekts“. In der Mitteilung auf der Kölner Stadt-Homepage fügte sie außerdem an, dass viele Muslime in Köln geboren sind und fest zur Stadtgesellschaft gehören. „Wer das anzweifelt. stellt die Kölner Identität und unser friedliches Zusammenleben infrage“. Damit ging sie vorsorglich unter anderem auf Kritiker der neuen Maßnahme ein.

Muezzin in Köln: Machtdemonstration der Muslime?

In einem eher kritischen Artikel der Bild-Zeitung kommt beispielsweise der israelische „Islam-Experte“ Ahmad Mansour zu Wort und kritisiert, dass es bei den Ausrufen des Muezzins nicht um Religionsfreiheit oder Vielfalt ginge. „Die Betreiber der Moscheen wollen Sichtbarkeit. Sie feiern den Muezzin als Machtdemonstration über ihre Viertel“, behauptet Mansour. Auch Teile der CSU lehnen etwaige Modellversuche ab. In Bayern wollen wir solche Versuche jedenfalls nicht. Sie sind nicht Teil unserer abendländischen Tradition“, so Vizegeneralsekretär Florian Hahn.

Generell gehen die Meinungen bei dem Thema weit auseinander. Unter dem Tweet von Reker gibt es auch Zustimmung. „Wer sich gerade wegen Erdogan und DiTib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, d. Red.) aufregt, hat Woelki nicht auf dem Radar - und all diese haben nichts mir der Religionsfreiheit gemäß Grundgesetz zu tun“, schreibt ein User. Im Erzbistum Köln steht Kardinal Rainer Maria Woelki wegen mehrerer Missbrauchsskandale der katholischen Kirche schwer in der Kritik.

Modellprojekt in Köln: „Klug und vorbildlich“

„Das Projekt mit der dazugehörigen Aufklärung ist klug und vorbildlich. Sie haben gute Arbeit geleistet und müssen nichts rechtfertigen“, meint ein anderer Nutzer. Natürlich wird auch das alte und kritische Argument hervor gebracht, dass Kirchengeläut in muslimisch-geprägten Staaten ebenfalls nicht erlaubt sei. Reker wird außerdem Unterwerfung vor dem Islam vorgeworfen.

Fakt ist: In der Regel läuten Kirchenglocken, das gilt für Katholiken und Protestanten, drei Mal am Tag. Am Morgen, am Mittag und am Abend. Der Muezzin wird traditionell sogar fünfmal täglich ausgerufen. Außer, aufgrund der unbestimmten Zeit des Sonnenaufgangs am Morgen, vier Mal zu gleichen Zeiten. In Köln ist dies nun „lediglich“ ein Mal pro Woche möglich. Freitags zwischen zwölf und 15 Uhr unter bestimmten Auflagen für maximal fünf Minuten.

Muezzin in Köln nur unter bestimmten Auflagen erlaubt

Jede Moschee muss dabei einen bestimmen Antrag an die Verwaltung stellen, es wird ein öffentlich-rechtlicher Vertrag festgelegt und es gibt individuelle Maßgaben, die zu erfüllen sind. So wird beispielsweise die Lautstärke des Rufes je nach Lage der Moschee mit unterschiedlichen Höchstgrenzen festgelegt. Außerdem muss für jede Nachbarschaft eine Ansprechperson benannt werden, die sich mit Nachfragen und Beschwerden befassen muss. Nach zwei Jahren soll das Projekt abgeschlossen und diskutiert werden. Auf dieser Basis will die Stadt dann entscheiden, wie es mit der neuen Regelung weitergehen soll. (ta)

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