Krebsärztin Mechthild Bach begeht Selbstmord

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Mechthild Bach

Hannover - Die umstrittene Krebsärztin Mechthild Bach, die sich vor dem Landgericht Hannover wegen 13-fachen Totschlags verantworten musste, ist von eigener Hand aus dem Leben geschieden.

“Ihr Gehen ist kein Schuldeingeständnis“, sagte ihr Verteidiger Matthias Waldraff am Montag in Hannover. Vielmehr habe die Internistin nicht mehr die Kraft finden können, den Kampf für ihre Unschuld und die Wiederaufnahme der ärztlichen Tätigkeit fortzusetzen. Die 61-jährige wurde am Montagnachmittag leblos in ihrem Wohnhaus in Bad Salzdetfurth gefunden. Nach ersten Ermittlungen deute alles auf einen Suizid hin, erklärte die Staatsanwaltschaft in Hildesheim.

Die weiteren Ermittlungen übernahm die Hildesheimer Polizei. Der Präsident des Landgerichts Hannover, Dieter Schneidewind, reagierte bestürzt auf den Tod der Medizinerin, die nach einem geplatzten ersten Prozess zum zweiten Mal vor Gericht stand. “Es ist tragisch, dass sich Frau Bach in so einer aussichtslosen Situation gesehen hat“, sagte Schneidewind der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagausgabe). Das Landgericht hatte vergangene Woche in einer Zwischenbilanz des seit Oktober 2009 laufenden zweiten Prozesses deutlich gemacht, dass der 61-Jährigen nun auch eine Verurteilung zu lebenslänglicher Haft wegen Mordes drohte.

Rechtsanwalt Waldraff sagte: “Ohne die Zwischenbilanz des Gerichts wäre meine Mandantin noch am Leben.“ Es gebe eine kausale Verknüpfung zwischen der Bilanz des Gerichts und der Hoffnungslosigkeit der Ärztin. “Nach der Bilanz wäre sie entweder lebenslang oder 15 Jahre weggegangen.“ Er habe noch am Sonntag in einem dreistündigen Gespräch versucht, seine Mandantin wieder aufzubauen. “Aber sie hat diese Kraft nach acht Jahren Kampf nicht mehr gefunden, Frau Dr. Bach hat keine Perspektive mehr für sich gesehen“, betonte er.

Ärztin hatte Anhänger und scharfe Kritiker

Bach soll laut zwei Anklagen in den Jahren 2002 und 2003 insgesamt 13 schwer kranke Patienten durch zu hohe Gaben an Morphium und Valium getötet haben. Die Prozesse gegen die Internistin waren von heftigem Streit renommierter Schmerzspezialisten geprägt, die Anklage wie Verteidigung als medizinische Gutachter aufboten.

Bach war bei einem Teil der Angehörigen ihrer meist todkranken Patienten sehr beliebt. Bei Beginn des ersten Prozesses im Februar 2008, damals noch wegen achtfachen Totschlags, verlangten Angehörige vor dem Gerichtsgebäude Freispruch. Andere Angehörige traten jedoch in beiden Prozessen als Nebenkläger auf. Im zweiten Prozess lieferte die Staatsanwaltschaft eine zweite Anklage mit weiteren Totschlagvorwürfen nach.

Zwischenbilanz zuungunsten der Internistin

Der zweite Prozess vor dem Landgericht Hannover nahm vergangene Woche eine überraschende Wendung. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch erklärte, dass in zwei der angeklagten Todesfälle auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht komme. Damit drohte Bach erstmals eine lebenslange Haftstrafe. Für alle sechs bis dahin in der Beweisaufnahme behandelten Fälle ging Rosenbusch davon aus, dass die Internistin den vorzeitigen Tod der Patienten durch Gaben von Morphium und Valium herbeigeführt und den Tod auch gewollt habe. In keinem Fall habe es dem Willen der Patienten entsprochen, zu sterben.

Zwei der allesamt schwer kranken Patienten seien bei Gabe der tödlichen Medikamente klaren Bewusstseins gewesen. “Sie wussten nichts von diesen Gaben“, betonte der Richter. Da die Kranken arg- und wehrlos gewesen sein könnten, komme eine heimtückische Tötung in Betracht und damit eine Verurteilung wegen Mordes.

dapd

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