Literatur-Nobelpreis geht an Chinesen Mo Yan

Stockholm - Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an Schriftsteller Mo Yan aus China. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit.

Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an den Chinesen Mo Yan. Das gab die zuständige Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekannt. Der Schriftsteller vereine „mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Geschichte und Gegenwart“, hieß es zur Begründung.

Mo ist der erste chinesische Staatsbürger, dem der Literaturnobelpreis verliehen wird, nicht aber der erste Chinese. Im Jahr 2000 erhielt Gao Xingjian den Preis. Die Auszeichnung des Regierungskritikers Gao, der die französische Staatsbürgerschaft hat, kam in Peking nicht gut an. Über die Ehrung für Mo zeigte sich die chinesische Regierung hingegen erfreut. Im Staatsfernsehen wurde am Donnerstag die aktuelle Berichterstattung unterbrochen, um die Auszeichnung Mos bekannt zu geben.

Acht Fakten rund um den Nobelpreis

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Mo Yan wurde 1955 als Guan Moye geboren und bezieht sich in seiner Arbeit häufig auf Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend. Seinen Durchbruch feierte der Schriftsteller 1987 mit „Das rote Kornfeld“. Der Roman spielt in einem kleinen Dorf und handelt von Liebe und Problemen unter der ländlichen Bevölkerung vor dem Hintergrund des chinesisch-japanischen Kriegs. Das Werk diente als Vorlage für den Film „Rotes Kornfeld“, der 1988 auf der Berlinale den Goldenen Bären erhielt.

Die Schwedische Akademie habe Mo vor der Bekanntgabe am Donnerstag kontaktiert, sagte ihr ständiger Sekretär Peter Englund. „Er sagte, er sei überglücklich und verängstigt.“

Chinesische Geschichte „aus der Sicht der kleinen Leute“

Nach Ansicht seines deutschsprachigen Verlegers erklärt Mo die neuere Geschichte Chinas so vielseitig wie kein anderer. „Mo Yan lässt in seinen Romanen tausend Stimmen zu Wort kommen, er spielt auf der ganz großen Orgel und trifft alle Töne von witzig und frech über burlesk und fantastisch bis berührend und tragisch“, sagte der Gründer und Leiter des Züricher Unionsverlags, Lucien Leitess, am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Mo Yans in diesem Jahr auf Deutsch erschienenes Buch „Der Überdruss“ zeichne sehr anschaulich den Weg Chinas von 1940 bis heute nach.

Die politische Botschaft des Nobelpreises für den in China lebenden Autor sieht Leitess darin, „dass das Politische keine Rolle in der Literatur spielen darf“. Mo Yan schildere die chinesische Geschichte mitsamt der Katastrophen und Erfolge, aber „immer aus der Sicht der kleinen Leute“.

Auf Deutsch erschienen sind von Mo neben „Das rote Kornfeld“ auch „Die Knoblauchrevolte“ und „Die Schnapsstadt“.

Im vergangenen Jahr ging der Literaturnobelpreis an den Schweden Tomas Tranströmer. Der Preis ist mit acht Millionen Kronen (rund 930.000 Euro) dotiert. Er wird wie die anderen Nobelpreise am 10. Dezember verliehen, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

dapd

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