Loveparade: Duisburger OB gibt falsche Besucherzahlen zu

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Duisburgs OB Adolf Sauerland.

Hamburg - Rund drei Wochen nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten hat der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland zugegeben, dass vor der Großveranstaltung falsche Besucherzahlen bekanntgegeben wurden.

“Wir sind vom Veranstalter aufgefordert worden, die realen Zahlen nicht zu veröffentlichen“, sagte Sauerland dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“. Während offiziell von einer Besucherzahl im Millionenbereich die Rede war, gab es nur eine Genehmigung für 250.000 Technofans. “Mehr ging gar nicht“, wird Sauerland zitiert. Mit den hohen Zahlen habe man nur Marketing betrieben.

Der CDU-Politiker verteidigte zudem erneut die Genehmigungsprozess für die Großveranstaltung. Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Ordnungsamt seien an den Vorbereitungen beteiligt gewesen. “Und am Ende steht die Frage: Ist dieses Konzept sicher? Das haben alle bejaht. Also wird genehmigt.“ Auch bei der letzten großen Sitzung habe es keine Bedenken gegeben. Er sehe keine Punkte, die man intensiver hätte prüfen müssen. “Was wir gemacht haben, war plausibel und stimmig“, sagte der Oberbürgermeister.

Sofortigen Rücktritt abgelehnt

Einen sofortigen Rücktritt lehnte der Kommunalpolitiker im WDR weiter ab, sagte aber: “Natürlich stelle ich mir die Frage, ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann. Aber diese Antwort werde ich erst dann geben, wenn ich die Antworten auf die uns alle bedrückenden Fragen habe.“

Sauerland wehrte sich gleichzeitig gegen den Vorwurf, er habe im Vorfeld der Loveparade persönlich darauf hingewirkt, die Veranstaltung unter allen Umständen durchzuführen. Auch bei der Sicherheit habe man keine Kompromisse gemacht. “Wir haben als Verwaltung unsere Vorstellungen durchgesetzt und sind nicht zurückgewichen“, sagte er. Der Veranstalter habe deswegen im Vorfeld seine Konzepte nachbessern müssen.

Der Sprecher des CDU-Politikers wies auch den Vorwurf des Nachrichtenmagazins “Focus“ zurück, wonach Sauerland entgegen seinen bisherigen Angaben doch von massiven Sicherheitsbedenken gewusst habe. Hintergrund sind Verwaltungsunterlagen, die dem Magazin zufolge belegten, dass das Duisburger Bauaufsichtsamt noch zehn Tage vor der Loveparade den Veranstalter mit der gebührenpflichtigen Absage gedroht hatte. Grund seien falsche Prüfberichte zu “mobilen Zaunelementen“ gewesen. Das Papier ging dem Nachrichtenmagazin zufolge als Kopie an das Büro von Sauerland.

Gedenken an die Opfer der Loveparade

Gedenken an die Opfer der Loveparade

Gedenken an die Opfer der Loveparade: Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zündet Kerzen für die Opfer an © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hielt eine bewegende Rede © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, l), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 2.v.l.), Bundespräsident Christian Wulff (2.v.r.), seine Frau Bettina (M) und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) nehmen unter anderem an der Trauerfeier teil. © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck (r), drückt vor der Salvatorkirche in Duisburg Angehörigen der Opfer der Loveparade-Katastrophe die Hand © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Der nordrhein-westfälische Innenministe Ralf Jäger (SPD, M) und seine Frau (l) © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Der Bundestagsfraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Trittin, und Barbara Steffens (Güne), nordrhein-westfälische Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter auf dem Weg zur Trauerfeier © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, Karl-Josef Laumann © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Fritz Pleitgen (M), Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH, und Oliver Scheytt (vorn), Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Der Vorsitzende der Linke-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen Wolfgang Zimmermann (l) und die Bundesvorsitzende der Linken Gesine Lötzsch © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Ingeborg Bongardt von der Angehörigenbetreuung der Loveparade-Katastrophe © dpa
Gedenken an die Opfer der Loveparade: Ingeborg Bongardt zündet Kerzen für die Opfer an © dpa
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Der Sprecher erklärte jedoch, das vom “Focus“ zitierte Schreiben sei in einen Zwischenbericht eingeflossen, den die Stadt dem Innenausschuss des Landtages und der Staatsanwaltschaft Anfang August vorgelegt habe. Darin heiße es, dass die Bauaufsicht am 14. Juli tatsächlich fehlende Unterlagen zum Bauantrag nachgefordert habe. Diese seien aber fünf Tage später vom Veranstalter vorgelegt worden, was sowohl dem Innenausschuss als auch der Staatsanwaltschaft bekannt sei. Der Schriftverkehr dokumentiere, dass die Verwaltung immer nachdrücklich auf die Einhaltung der von ihr formulierten Auflagen bestanden habe, hieß es weiter.

Unterdessen haben die Teilnehmer der Street Parade in Zürich am Samstag mit einer Schweigeminute an die Opfer der Massenpanik bei der Loveparade erinnert. Die Organisatoren hatten in diesem Jahr zusätzliche Sicherheitskräfte angeheuert, um Wagen und Partyvolk besser zu schützen.

apn

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