Lübeck

Vierfache Mutter wegen Misshandlung vor Gericht - Sie zog mit ihrer Mitleidsgeschichte durch TV-Shows

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Seit Montag steht eine vierfache Mutter wegen Misshandlung vor Gericht.

Seit Montag steht in Lübeck eine Mutter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Misshandlung von Schutzbefohlenen und Betrug vor. Die Hintergründe entsetzen.

Lübeck - Seit Montag steht eine Mutter, die ihren Kindern aus Geldgier diverse schwere Krankheiten angedichtet haben soll, vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Misshandlung von Schutzbefohlenen und gewerbsmäßigen Betrug vor. Ihren Kindern soll sie unter anderem die Glasknochenkrankheit und Rheuma angedichtet haben. 

Nach Verlesung der Anklage wurde die Verhandlung zunächst unterbrochen, weil das Gericht über einen Befangenheitsantrag der Angeklagten gegen die Vorsitzende Richterin entscheiden musste. Die Mutter der vier Kinder äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Wie die Bild schreibt, soll die älteste ihrer Töchter bereits gegen sie ausgesagt haben. 

Lübeck: 140.000 Euro an Sozialleistung durch gefälschte Arztberichte

Laut Anklage soll die 49-jährige Mutter von 2010 bis 2016 ihre vier Kinder bei Ärzten und Behörden als schwer krank dargestellt haben, um rund 140 000 Euro an Sozialleistungen zu erhalten.

Dazu soll sie unter anderem Arztberichte gefälscht und gegenüber Medizinern falsche Symptome geschildert haben. Ihren Kindern soll sie eingeredet haben, ihnen drohe unter anderem eine Querschnittlähmung, wenn sie nicht - wie von ihrer Mutter verlangt - den Tag weitgehend im Rollstuhl sitzend verbrächten. 

Damit nicht genug. Wie die Bild nun wissen will, soll sie mit ihrer Geschichte durch die TV-Shows in Deutschland gezogen sein. Unter anderem wird darin von einem Auftritt bei Markus Lanz im Oktober 2014 berichtet. Auch bei einem „Stern-TV“-Auftritt und bei RTL soll sie von der „riesengroßen Last auf den Schultern“ durch die Krankheit ihrer Kinder berichtet haben. 

Lübeck: Zeugen berichten von Ungereimtheiten

Im Misshandlungsprozess haben mittlerweile Lehrerinnen und Schulbegleiterinnen der Kinder über Ungereimtheiten in Zusammenhang mit den behaupteten Krankheiten der Kinder berichtet. 

So habe einer der Jungen, der angeblich unter anderem an der Glasknochenkrankheit, Asthma und Rheuma litt, an einem Lauftag der Schule problemlos eine einstündige Joggingrunde absolviert, sagte eine 51 Jahre alte Schulbegleiterin aus. Der Junge könne selbst entscheiden, wann er im Rollstuhl sitzen müsse und wann nicht, soll die Angeklagte laut einer Zeugenaussage erwidert haben. 

Hintergrund ist das sogenannte Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Eine psychische Störung, bei der die Betroffenen Krankheiten entweder bei Dritten oder gar sich selbst verursachen. Oftmals sind die Opfer dabei Kinder.

dpa/mbr

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