Auch wegen Kinderpornos vor Gericht

Schornsteinfeger filmte Azubinen beim Duschen

Saarbrücken - Weil er in seinem Betrieb heimlich weibliche Auszubildende beim Duschen gefilmt hat, stand ein Schornsteinfeger aus Saarbrücken am Donnerstag vor Gericht.

Ein Saarbrücker Schornsteinfeger hat eingeräumt, seine weiblichen Auszubildenden beim Duschen nach der Arbeit heimlich gefilmt zu haben. Vor dem Amtsgericht gestand der 58-Jährige am Donnerstag außerdem, Kinderpornos gesammelt zu haben. Seine Taten erklärte er mit einer Persönlichkeitsstörung. Seit zwei Jahren sei er deshalb in Behandlung.

In Steckdosen seines Meisterbetriebs hatte der Mann demnach zwei Mini-Kameras versteckt, um die jungen Frauen unter der Dusche zu filmen. Die Videokameras waren mit einem Computer im Büro des Angeklagten verbunden. Seit 2008 sollen so rund 300 Videos von insgesamt sieben Frauen entstanden sein.

Zwei der Opfer entdeckten im November 2010 eines der kleinen Geräte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler die Filme, die mit den Namen der Opfer beschriftet und katalogisiert waren, dazu mehr als 10 000 kinderpornografische Bilder.

Eine logische Erklärung für sein Verhalten habe er nicht, sagte der Schornsteinfeger, der mit Perücke und angeklebtem Bart vor Gericht erschien. „Es ist ein zwanghaftes Sammeln pornografischer Daten“, sagte der 58-Jährige. „Ich habe diese Frauen beleidigt und hintergangen in einer Form, die sehr schlimm ist.“ Unter einer „Störung im Sexualbereich“ leide er seit seiner Kindheit.

Zwei der Opfer befinden sich in therapeutischer Behandlung. Eine der vier Nebenklägerinnen sagte am Donnerstag: „Ich fühle mich bloßgestellt und extremst angegriffen.“ Auf Antrag des Verteidigers will das Gericht nun ein psychologisches Gutachten über den Angeklagten erstellen lassen. Darin soll es um die Frage gehen, ob er voll schuldfähig ist.

Laut Nebenklägeranwalt Clemens Schug sollen schon 2004 Kameras installiert worden sein. Etwa ein Drittel der insgesamt 437 Fälle sei daher bereits verjährt, da die Frist dafür drei Jahre betrage. Dem Angeklagten drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess soll am 13. November fortgesetzt werden.

dpa

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