Raumfahrt

Matthias Maurer: Weihnachten im All wird besonderer Moment

Astronaut Matthias Maurer
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Matthias Mauerer, ESA Astronaut, an Bord der ISS.

Astronaut Matthias Maurer freut sich auf Weihnachten im All. Er hofft, dass er noch ein kleines Geschenk von den Lieben daheim bekommt. Ein paar irdische Dinge wird er auch vermissen.

Oberthal/Köln - Für Matthias Maurer wird es ein unvergessliches Weihnachten. Denn der Astronaut aus dem Saarland feiert im All in rund 400 Kilometern Höhe an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

„Natürlich ist es ein besonderer Moment, Weihnachten im All zu erleben“, sagt Maurer der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei eine „unglaubliche Gelegenheit“ und einzigartig. „Ich werde ja quasi alle Orte dieser Welt von oben sehen. Und gedanklich dann auch mit all diesen Menschen auf der Erde gemeinsam Weihnachten feiern zu können - ist ein schöner Gedanke.“

Auch wenn das Feiern für ihn am 24. Dezember selbst wohl eher kurz ausfallen wird. „Wir werden an Heiligabend arbeiten und Weihnachten leider etwas verspätet nachholen müssen“, sagt der 51-Jährige. Der Grund: Zwei Tage zuvor wird eine SpaceX Versorgungskapsel erwartet, die auch einige europäische Experimente dabei hat. Darunter sind auch biologische Proben, die schnell verarbeitet werden müssen.

Im Januar noch einmal Weihnachten

Das heißt, dass an Heiligabend nach der Arbeitszeit wohl eher kurz gefeiert wird, vielleicht auch am Morgen des 25. Dezember. Am Montag werde die Crew wohl einen freien Tag haben, sagt er. Und: „Ich gehe mal davon aus, dass meine russischen Kollegen Anfang Januar noch einmal Weihnachten feiern werden, und wenn dem so ist, werden wir natürlich auch gerne mitfeiern.“

Die Kapsel bringe auch „noch ein paar kleine Überraschungen von unseren Lieben daheim“ ins All, erzählt Maurer aus dem saarländischen Oberthal. „Ich hoffe, dass da auch noch ein kleines Geschenk für mich dabei ist.“ Und das Weihnachtsessen sei dann auch im Anflug. Es werde aber „sicherlich nicht so gut sein wie die saarländischen Spezialitäten“, die er mit seinen Crew-Kollegen an Nikolaus gegessen habe. „Alle Gerichte aus meiner Heimat waren ein voller Erfolg.“

Zum großen Fest wird Maurer den kleinen Christbaum aus Kunststoff auspacken, der das ganze Jahr über auf der Station ist. Und mit seiner Familie und seinen Freunden zuhause telefonieren. „Besonders werde ich natürlich die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden vermissen. Wenn wir an einem Tisch sitzen, viele leckere Sachen essen und uns Geschichten vom letzten Jahr erzählen.“ Auch im Wald spazieren zu gehen, um die kalte Winterzeit zu genießen und ein bisschen Zeit für sich zu haben. „Die besinnlichen Momente vor allem, die werden mir fehlen.“

Auch Außeneinsatz geplant

Der Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation Esa war am 11. November mit drei Kollegen der US-Raumfahrtbehörde Nasa zur ISS gestartet. Der Saarländer ist der zwölfte Deutsche im All und der vierte auf der ISS. Dort soll er etwa sechs Monate lang zahlreiche Experimente durchführen und wohl auch einen Außeneinsatz absolvieren.

Heimweh habe er bisher noch nicht gehabt, sagt Maurer. „Hier auf der ISS gibt es so viele Sachen zu entdecken und zu tun, da hat man gar keine Zeit darüber nachzudenken.“ Was bisher sein größter Eindruck war? „Das war natürlich der Blick auf die Erde und die unglaubliche Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns.“ Nach nur einem Tag in der Schwerelosigkeit sei sein Gehirn in der Lage gewesen zu sagen: „Das ist meine neue Umgebung, das ist meine neue Heimat“.

Der Perspektivwechsel sei gut. „Auf der Erde kommt es einem immer so vor, als sei sie unendlich groß, aber mit diesem Blick aus dem All erkennt man wirklich, dass wir auf einem kleinen abgeschlossenen Planeten leben“, sagt er. „Um uns herum gibt es so unendlich viel, das wir noch nicht verstehen und noch nicht erforscht haben. Ich denke, das Potenzial, das im Weltraum zu entdecken ist, was dort zu lernen ist, das haben wir noch gar nicht richtig erfasst.“

Die Zeit vergehe wie im Flug. „Wir haben enorm viel zu tun, und das ist auch gut so“, sagt er. Den ganzen Tag über gebe es sehr viele Experimente und auch Wartungsarbeiten an der Station. „Und abends ist man dann müde und fällt sofort ins Bett, beziehungsweise schwebt in den Schlafsack.“ dpa

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