Mehr Aids-Patienten weltweit erhalten Hilfe

Genf - Weltweit haben immer mehr HIV- positive Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung. Allein 2009 stieg die Zahl der Patienten, die moderne Medikamente erhalten, um 30 Prozent auf 5,24 Millionen.

Das berichteten die Weltgesundheitsorganisation WHO, das UN- Kinderhilfswerk UNICEF und das UN-Programm UNAIDS in einem am Dienstag in Nairobi, Washington und Genf veröffentlichten Report. Im Vergleich zum Stand von vor sechs Jahren könne derzeit sogar die 13- fache Zahl an Menschen in einkommensschwachen Ländern behandelt werden. Zugleich warnt die Organisation Ärzte ohne Grenzen vor einem Nachlassen der Hilfe aus den Industrieländern.

Die Geberkonferenz des globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GF) drohe zu scheitern. In der kommenden Woche wollen die Geberländer in New York über ihre Zuweisungen an den UN-nahen Fonds von 2011 bis 2013 verhandeln. Die Hilfsorganisation kritisierte am Dienstag in Berlin, dass Deutschland, bislang drittgrößter Geldgeber des Fonds, neben Italien den Erfolg der Konferenz am stärksten gefährde. Die Bundesregierung wolle ihre finanzielle Hilfe kürzen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen werden für den Zeitraum rund 20 Milliarden US- Dollar (15 Milliarden Euro) benötigt.

Bereits im Juli hatte GF-Direktor Michel Kazatchkine erklärt, dass bei Geldkürzungen bestehende Programme nicht fortgeführt werden könnten. In Berlin hatten die anwesenden Geber vor drei Jahren Zusagen in Höhe von 9,7 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2008 bis 2010 gemacht. Der GF bezahlt derzeit die Therapie von etwa 2,8 Millionen der weltweit 5 Millionen Menschen, die Aids- Medikamente erhalten. Die medizinische Versorgung Aids-kranker Kinder und Mütter mit geringem Einkommen habe sich weltweit zwar leicht verbessert, schreibt UNICEF Deutschland. Dennoch gebe es weiter große Defizite. Immer noch erhielten lediglich 28 Prozent aller betroffenen Kinder die lebenswichtigen Medikamente. “Jeden Tag stecken sich 1000 Kinder während der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit mit HIV an“, sagte Jimmy Kolker, Leiter der weltweiten Aids-Programme von UNICEF.

Nach Auskunft von Elhadj As Sy, UNICEF-Regionaldirektor für das südliche und östliche Afrika, gibt es gerade in seiner Region große regionale Unterschiede. So gelang es Botsuana und Ruanda erstmals, 80 Prozent oder mehr der HIV-positiv getesteten Bevölkerung mit sogenannten antiretroviralen Medikamenten (ARV-Medikamenten) zu behandeln, in Äthiopien, Sambia, Mali und Namibia gelang dies immerhin für 50 bis 80 Prozent. Vor allem auf vielen afrikanischen Dörfern haben Patienten aber nach wie vor keinen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung oder wissen nicht, ob sie HIV- positiv sind. Fortschritte wurden laut Bericht “Towards Universal Access“ (Hin zum weltweitem Zugang) vor allem beim Verhindern der Übertragung des Aids-Erregers von Schwangeren auf ihre Kinder erzielt.

In Europa und Zentralasien erhielten 93 Prozent aller infizierten Schwangeren ARV- Medikamente, in Asien waren es jedoch nur 55 und in Lateinamerika sowie Afrika südlich der Sahara nur jeweils 54 Prozent. In 14 der 144 untersuchten Länder werden mehr als 80 Prozent HIV- positiver Kinder behandelt - so in der Ukraine, Brasilien und Namibia. Insgesamt erhielten 2009 weltweit 356 000 Kinder bis zu 15 Jahren ARV-Medikamente. “Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir haben gezeigt, was funktioniert und müssen das noch vertiefen“, betonte der stellvertretende UNAIDS-Direktor Paul De Lay. “Dafür fehlen uns aber zehn Milliarden Dollar.“ In der kommenden Woche sollen auf der Geberkonferenz Zusagen für diese fehlenden Mittel eingetrieben werden - denn die ARV-Medikamente sind teuer und sollen noch deutlich mehr Menschen zur Verfügung stehen als bislang. “Das ist aber nicht nur eine Investition, es werden langfristig Kosten gespart“, sagte As Sy und verwies auf Krankenhausaufenthalte schwer kranker Aids-Patienten.

dpa

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