Im Schlaf überrascht

Eingesperrt in brennender Koranschule - 23 Tote in Malaysia

Flammen lodern am Ausgang, vor den Fenstern sind Gitter: 21 Jugendliche und zwei ihrer Lehrer können sich nicht retten. Eine Genehmigung hatte das Internat nicht.

Kuala Lumpur - Die Flammen überraschten die Jugendlichen im Schlaf: Bei einem Brand in einer Koranschule in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur sind mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. 21 Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren sowie zwei Lehrer starben. Das Feuer brach am Donnerstagmorgen in den Schlafsälen im zweiten Stock des Internats aus. Weil es vor dem einzigen Ausgang loderte und die Fenster vergittert waren, gab es für die Todesopfer kein Entkommen.

„Sie haben um Hilfe geschrien“

„Sie haben um Hilfe geschrien“, erzählte ein Anwohner dem Nachrichtensender „Astro Awani“. Seine Frau sei auf das Feuer aufmerksam geworden, als sie einen Knall gehört habe. „Sie kann es nicht fassen, dass wir nicht helfen konnten.“

Dem Polizeichef der Stadt, Amar Singh, zufolge hatten insgesamt 36 Schüler und sechs Lehrer in dem Internat geschlafen. 18 von ihnen konnten demnach entkommen oder wurden gerettet. Einer der Jugendlichen, Muhammad Danial, sagte den vor Ort versammelten Journalisten, er habe sich durch ein Fenster im zweiten Stock retten können. Zwei der Überlebenden sei es gelungen, die Gitter des Fensters abzubrechen, dann seien sie hinunter gesprungen. Er habe auch anderen geholfen hinauszuklettern

Die Rettungskräfte im Einsatz.

Ursache war ein Kurzschluss

Vize-Ministerpräsident Zahid Hamidi fuhr zu der Schule und erklärte, 14 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, darunter ein zu Hilfe geeilter Anwohner. Gesundheitsminister Subramaniam Sathasivam sagte in einer Pressekonferenz, den Familienangehörigen müssten DNA-Proben entnommen werden - die Leichen seien zu schlimm verbrannt, um sie sonst identifizieren zu können. Als Todesursache gab Singh Ersticken an. Die Feuerwehr brauchte den Angaben zufolge eine Stunde, um den Brand zu löschen. Mögliche Ursache war ein Kurzschluss.

In den sogenannten Tahfiz-Schulen lernen Schüler, aus dem Gedächtnis aus dem Koran vorzutragen. Ihnen sollen zudem moralische Werte, Disziplin und gutes Benehmen vermittelt werden. Es gibt 519 offiziell registrierte Tahfiz-Schulen in dem mehrheitlich muslimischen Königreich in Südostasien. Die Zeitung „Star Online“ vermutete, dass die tatsächliche Zahl wesentlich höher ist. Hamidi sagte, das „Tahfiz Darul Quran Ittifaqiyah Centre“, in dem es brannte, sei „temporär“ gewesen. Demnach war sie nicht registriert - und hätte mangels Genehmigung nicht in Betrieb sein dürfen.

Brandschutz- und Sicherheitsexperten seien besorgt über die Vorkehrungen in den Schulen, schrieb das Blatt weiter. In den vergangenen zwei Jahren habe es 211 Brände in Tahfiz-Schulen gegeben. 1989 waren der Zeitung zufolge 27 Schülerinnen einer Koranschule ums Leben gekommen, als ein Feuer die Schule und acht aus Holz gebaute Hostels zerstörte.

Fotos verkohlter Leichen in sozialen Netzwerken

In sozialen Netzwerken im Internet und per SMS wurden Fotos verkohlter Leichen und Hochbetten verbreitet. Die Behörden baten darum, aus Respekt vor den Opfern und den Familien die Bilder nicht zu verschicken. Im Fernsehen waren fassungslose, weinende Angehörige zu sehen, die nach dem Brand in die Schule gekommen waren. Sathasivam sagte, sie würden psychologisch betreut.

Malaysias Ministerpräsident Najib Razak, der auf einem Staatsbesuch in den USA war, bekundete auf Twitter sein Beileid. Er sei sehr traurig über den Tod so vieler Menschen: „Mögen ihre Seelen von Allah gesegnet werden.

dpa/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © AFP

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