Mircos mutmaßlicher Mörder vor Gericht

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Zehn Monate nach der Tat muss sich der mutmaßliche Mörder des kleinen Mirco vor Gericht verantworten.

Krefeld - Prozessauftakt im Fall Mirco: Der mutmaßliche Mörder des kleinen Jungen muss sich zehn Monate nach der Tat vor Gericht verantworten. Mircos Mutter soll als Zeugin gehört werden.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des kleinen Mirco aus Grefrath startet an diesem Dienstag in Krefeld. Der Angeklagte Olaf H. (45) hat gestanden, den zehnjährigen Jungen getötet zu haben. Nach dem Geständnis führte er die Ermittler zu Mircos Leiche. Laut Anklage hat er den Zehnjährigen mit einer Kunststoffschnur erdrosselt und ihm dann zusätzlich mit einem Messer in den Hals gestochen, um sicher zu gehen, dass er wirklich tot ist. Die nackte Leiche des Kindes legte er in einem Waldstück nördlich von Grefrath ab. Mit Spannung erwartet wird die Einlassung des Angeklagten. Sein Verteidiger Gerd Meister hat bereits angekündigt, dass die Aussage kein Geständnis im Sinne der Anklage sein werde.

Mircos Eltern lassen sich als Nebenkläger beim Prozessauftakt durch Anwältin Gabriele Reinartz vertreten. Ihr Ziel sei es, eine Verurteilung wegen Mordes zu erreichen, sagte Reinartz am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Frage der haftverlängernden “Feststellung der besonderen Schwere der Schuld“ stehe für sie im Blickpunkt.

Bilder von den Ermittlungen im Fall Mirco (10) aus Grefrath

Bilder von den Ermittlungen im Fall Mirco (10) aus Grefrath

Offen ist die Frage des Motivs von Olaf H. Zunächst hatte er behauptet, aus beruflichem Stress und Frust gemordet zuhaben. Die Anklage nennt nun Wut über das Ausbleiben einer Erektion beim sexuellen Missbrauch des Jungen. Außerdem habe er mit der Tötung verhindern wollen, gefasst zu werden.

Sein genetischer Fingerabdruck wurde an der Kleidung des Schülers gesichert, und Faserspuren von Mircos Kleidung fanden sich wiederum im damaligen Dienstwagen von Olaf H.. Die Anklageschrift umfasst 26 Seiten. Sie wirft dem dreimal verheirateten, dreifachen Vater Entführung, sexuellen Missbrauch und Mord vor.

An einem Feldweg soll er den spät abends auf seinem Rad nach Hause eilenden Jungen abgepasst und gestoppt haben. Dann habe er ihn zum Einsteigen in seinen Dienstwagen gezwungen und sei mit dem Kind davongefahren.

Mit der Vernehmung von 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, die Persönlichkeit des Angeklagten erhellen zu können. Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak hat 15 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Mircos Mutter steht ein schwerer Gang bevor: Sie soll im Laufe des Verfahrens als Zeugin gehört werden.

Olaf H. wohnte bis zu seiner Festnahme unauffällig in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Grefrath.

An einer der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik waren zeitweise 1000 Polizisten beteiligt. Da der Fundort sechs Kilometer außerhalb des 50 Quadratkilometer großen Suchgebiets lag, hatten die Polizisten die in einem Waldstück abgelegte Leiche aber nicht entdeckt. Auch Tornado-Aufklärungsjets der Bundeswehr und Drohnen kreisten vergeblich über dem Suchgebiet. Am Tag 145 nach seinem Verschwinden wurde Mircos Leiche im Januar gefunden.

dpa

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