Monika Huber – künstlerische Nachrichtenbilder aus dem Nahen Osten

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Monika Huber lässt in ihren Bildern noch Szenen aus den Fernsehnachrichten erahnen.

Monika Huber schafft Kunstwerke aus Nachrichtenbildern. Mit ihrem Projekt „Einsdreißig“ hinterfragt die Künstlerin die Aussagekraft von Bildern. Ihre Werke sind momentan in der Ausstellung „Bild gegen Bild“ zu sehen. Im Hirmer Verlag ist das Kunstbuch „News. The Televised Revolution“ dazu erschienen.

„Einsdreißig“ – wie Nachrichten zur Kunst werden

Monika Huber verfolgte wie viele Menschen im Frühjahr 2011 die Nachrichten vom Arabischen Frühling im Nahen Osten: Jubelnde Anti-Gaddafi-Rebellen auf einem alten Pick-up filmen mit ihren Mobiltelefonen das Geschehen um sie herum. Ihre Bilder vom Sturz des libyschen Diktators gingen in allen wichtigen Nachrichtensendungen um die Welt. Etwa zur gleichen Zeit demonstrierten Menschen in Ägypten, dem Jemen, Bahrain, Jordanien und Syrien. Auch aus diesen Regionen erreichten unzählige Fotos und Filme von den Demonstrationen über Internet und Fernsehen Menschen in aller Welt.

Für die Münchner Künstlerin Monika Huber waren diese Fernsehbilder der Auslöser für ein einzigartiges Kunstprojekt. Sie nannte es „Einsdreißig“ – so lange dauert für gewöhnlich ein Filmbeitrag in den „Tagesthemen“ oder dem „Heute Journal“. Dafür fotografierte sie Nachrichtenbilder aus dem Fernsehen ab, druckte einzelne Ausschnitte auf Zeichenpapier aus und übermalte diese mit schwarz-weißen Farben. So entstanden neue, aus dem Kontext heraus gelöste abstrakte Bilder: Hier und da blitzen noch eine Fahne oder die Umrisse eines Menschen auf.

Hubers Werke sind noch bis 16. September in der Ausstellung „Bild gegen Bild“ im Haus der Kunst in München zu sehen. Das Kunstbuch „News. The Televised Revolution“ ist im Hirmer Verlag erschienen und enthält eine Auswahl ihres ungewöhnlichen Werks.

Monika Huber übt Kritik an Nachrichtenflut

Monika Huber, Jahrgang 1959, setzt sich in ihren Werken kritisch mit der Darstellung von politischen Konflikten in den Medien auseinander. Auf ihren verfremdeten Bildern sind die dargestellten Ereignisse nur noch schemenhaft zu erkennen. Der Ort des Geschehens lässt sich nicht mehr eindeutig zuordnen. Für Huber ist dies symbolisch für die Flut an Nachrichtenbildern aus Krisengebieten, die täglich über die Zuschauer hereinbricht. Auch hier ähneln sich die Bilder zum Teil so sehr, dass sie austauschbar, ja beliebig werden. Selten lassen sich Quelle und Herkunftsort eindeutig identifizieren. Dem Zuschauer bleibt es allein überlassen, ob er ihrem Informationsgehalt vertraut oder nicht.

Huber stellt damit die Objektivität der Fernsehnachrichten in Frage. Während des 2. Golfkriegs versuchten die USA, die Berichterstattung nach ihren politischen Zielen zu beeinflussen. So wurden ausgewählte Journalisten bestimmten Truppenteilen zugeordnet. Die Medienvertreter konnten zwar berichten, gleichzeitig wurden sie kontrolliert. Der so genannte „Embedded Journalism“ war geboren. Von objektiver Berichterstattung konnte keine Rede mehr sein.

Der Betrachter sieht sich mit Fragen konfrontiert

Monika Huber gibt keine Antworten mit ihren Bildern, sondern wirft vielmehr Fragen auf: Welchen Informationswert haben Nachrichtenbilder? Stumpft der Fernsehzuschauer mit der Zeit ab, wenn er sie ständig sieht? Wie soll er mit dem Leid der Welt umgehen, das ihn täglich im eigenen Wohnzimmer erreicht? Solche und ähnliche Fragen muss sich der Betrachter von Hubers Werk selbst beantworten.

Die Ausstellung und das Kunstbuch „News. The Televised Revolution“ befassen sich intensiv mit dem Werk von Monika Huber. Der Band mit 53 eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern gibt einen Einblick in das Schaffen der Künstlerin. Berichte von Journalisten und Online-Aktivisten aus Syrien, Ägypten und dem Jemen ergänzen die Bilder. Sie haben den Arabischen Frühling selbst miterlebt und erzählen aufwühlend von den revolutionären Umwälzungen in ihren Ländern.

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